Eco-Anzeigen im Test: Wie Sinnvoll sind Spritspar-Helfer?

Spritspar Helfer - Eco-Anzeigen im Test
Spritspar Helfer - Eco-Anzeigen im Test

Eco-Anzeigen sollen beim Sparen helfen. Doch kann man sich wirklich nach ihnen richten – ohne zum Verkehrshindernis zu werden?

Der Sinn einer Eco-Anzeige ist klar: Sie soll zum sparsamen Fahren anleiten. Einfach ausgedrückt, unterscheidet sie zwischen gutem und schlechtem Gasgeben. Blaue Balken oder grüne Bäumchen loben demnach alle, die mit möglichst wenig Kraftstoffverbrauch ans Ziel kommen. Wohingegen rotes Leuchten oder gar Darstellungen von verwelkten Pflanzen im Display Fehlverhalten tadeln. Doch ist es überhaupt möglich, der Eco-Anzeige durchwegs gerecht zu werden? Lässt sich im grünen Bereich wirklich jede Steigung bewältigen? Oder wird man zum rollenden Verkehrshindernis, das eine Karawane von Fluchenden hinter sich herzieht? 

Fünf Modelle quer durch verschiedene Antriebskonzepte

Dieser Frage geht auto motor und sport mit fünf Modellen quer durch verschiedene Antriebskonzepte nach. Ausgewählt haben wir BMW i8, Lexus IS 300h und Opel Adam 1.0, alle mit einer Eco-Anzeige, zusätzlich den Kia Soul EV als reines Elektroauto und den Audi A6 2.0 TDI mit ausschließlich konventioneller Verbrauchsanzeige. Letztere ist allerdings mittels eines mehr oder weniger stark ausschlagenden Balkens sehr plakativ gestaltet.

BMW, Lexus und Opel müssen nacheinander auf zwei Verbrauchsfahrten. Bei der ersten Runde kontrollieren die Fahrer ihren rechten Fuß sklavisch nach den Vorgaben der Eco-Anzeige. Auf der Vergleichstour gelten dann die vorgegebenen Regeln zur Ermittlung des auto motor und sport-Minimalverbrauchs: Strikt einzuhalten sind Tempo 100 auf der Landstraße und 130 km/h auf der Autobahn, dazu dezentes Beschleunigen, vorausschauende Fahrweise, Mitschwimmen im Verkehr. Diese ams-Runde absolviert auch der Audi A6. Er verfügt über eine Balkenanzeige. Sie präsentiert Momentan- und Durchschnittsverbrauch. Sparsam fährt hier, wer versucht, seinen eigenen Durchschnitt zu unterbieten - das ist das Ziel der zweiten Runde.

Vom futuristischen Hybridsportwagen, über einen Elektro-Cross-Over bis hin zum hippen Lifestylewägelchen. Der Wille zum Spritsparen durch Eco- und Verbrauchsanzeigen vereint sie auf unserer Testrunde.
Vom futuristischen Hybridsportwagen bis hin zum hippen Lifestylewägelchen- der Wille zum Spritsparen vereint sie in unserer Testrunde

Kia Soul EV wird im Eco-Modus zum Verkehrshindernis

Der Kia Soul EV als Elektrofahrzeug soll dagegen zweimal über die sogenannte Elektrorunde von auto motor und sport surren - einmal nach den Vorgaben der Elektrorunde, das andere Mal unter der Vorgabe der Eco-Anzeige. Letzteres bleibt allerdings Wunschdenken: Der Soul EV schafft im Eco-Modus nicht einmal die erlaubten 80 km/h und muss die zweite Runde als Verkehrshindernis abbrechen.

Normalerweise arbeiten Eco-Anzeigen nach dem schlichten Gut-Böse-Prinzip: Gut verhält sich, wer den Zeiger im häufig blau dargestellten Eco-Bereich belässt und damit möglichst wenig verbraucht – Blau scheint sich als Farbe der automobilen Eco-Bewegung durchgesetzt zu haben. Wie man im blauen Bereich bleibt? Indem man das Gaspedal kaum belastet. Denn wenig Last heißt zunächst nicht nur wenig Vortrieb, sondern auch wenig Verbrauch.

Das Eco-Display ist also nichts anderes als eine Art Verbrauchsanzeige. Doch wie wird der momentane Verbrauch überhaupt ermittelt? Bei Verbrennungsmotoren etwa aus der Anzahl der Einspritzzyklen, dem Kraftstoffdruck und der -temperatur. Hieraus errechnet das Steuergerät den Verbrauch in Liter pro Stunde. Mit der aktuellen Geschwindigkeit als Abgleich ergibt sich ein Verbrauch in Litern pro 100 km.

Der Eco-Modus im Kia Soul EV degradiert den Elektrowagen zum Stadtmobil. Mehr als 74 km/h sind dann nicht mehr möglich.
Der Eco-Modus im Kia Soul EV degradiert den Elektrowagen zum Stadtmobil. Mehr als 74 km/h sind dann nicht mehr möglich.

Kein Vortrieb, kein Verbrauch

Je nach persönlicher Philosophie schränken die Hersteller das Beschleunigungsvermögen rigide ein. Alleine schon der extrem zurückgeschraubte Vortrieb lässt die Durchschnittsverbräuche sinken. Kaum Beschleunigung, kaum Verbrauch. Das gilt für alle Verbrenner. Der Preis: Sie sind praktisch in Schleichfahrt unterwegs - deutlich langsamer als auf der Verbrauchsrunde von auto motor und sport.

Oder anders ausgedrückt: Würden sich alle Autofahrer immer an ihre Eco-Anzeige halten, dann droht der Verkehr zusammenzubrechen. Schon jetzt sorgen schließlich Sonntagsfahrer und Angstschleicher für nicht gerade unerheblich lange Staus. Rigide und damit weltfremd ausgelegte Eco-Anzeigen sind nicht mehr als ein Feigenblatt, denn kein vernünftiger Mensch wird sich ständig daran halten. Doch sie zu übertreten, erzeugt bei den Sparwilligen Frust.

Die Eco-Anzeigen im Test: Audi A6 2.0 TDI ultra, BMW i8, Kia Soul EV, Lexus IS 300h, Opel Adam 1.0

Die Auslegung der Eco-Anzeige ist entscheidend

Auch ohne wirklicher Eco-Anzeige lässt sich der Audi selbst während der Sparbemühungen noch recht normal bewegen und ist dabei mit einem Durchschnittsverbrauch von fünf Litern auf 100 Kilometer fast schon vorbildlich sparsam. Kia degradiert den Soul EV im Eco-Modus zum Stadtauto, BMW und Lexus machen aus ihren an sich schnellen Fahrzeugen Verkehrshindernisse.

Einzig der Opel überzeugt wirklich. Mit ihm lässt es sich sparen und gleichzeitig zumindest im Verkehr mitrollen. Es ist ähnlich wie mit den Start-Stopp-Systemen: Die geschmeidigen werden tatsächlich genutzt, alle anderen meist abgestellt. Deshalb unser Appell an die Hersteller: Legt eure Sparhilfen so aus, dass man sie auch wirklich im Alltagsverkehr nutzen kann.

In Zusammenarbeit mit unserem Partner:

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