Heikle Wachmacher: Wie wirken Energy Drinks?

So gefährlich sind Energy Drinks
1 / 9 | So gefährlich sind Energy Drinks

Energy Drinks enthalten Substanzen, die Ihnen ein explosives Leistungshoch bescheren sollen. Doch nicht alle Inhaltsstoffe zünden wirklich. Men's Health ging der Sache auf den Grund

Red Bull, Monster, Effect & Co. – mittlerweile gibt es zahlreiche Energy Drinks auf dem Markt und auch internationale Marken wie Coca Cola und Pepsi setzen auf Powerdrinks. Das Getränk – laut Hersteller mit anregender Wirkung auf Körper und Geist – wurde in den 90ern zum Szene-Getränk. Energy Drinks versprechen mehr Leistung: Sei es das Durchhaltevermögen auf der Party oder die Höchstleistung beim Sport.

Was steckt hinter den Werbeversprechen?

Flügel verleihen die Drinks sicherlich nicht. Ganz im Gegenteil: Mehr als 100 Kalorien pro Dose macht die Drinks zu echten Bomben und auch zum Durstlöschen sind die meist sehr süßen Getränke nicht geeignet. Neben vielZucker steckt vor allem Koffein und Taurin in hohen Konzentrationen in Energy Drinks. Koffein stimuliert und Taurin soll den Stoffwechsel anregen sowie die Wirkung der übrigen Inhaltsstoffe der Energy Drinks verstärken. Letzteres ist allerdings wissenschaftlich nicht belegt. Den eigentlichen Effekt bringen der Zucker, der Energie liefert und das aufputschende Koffein mit sich. Hier erfahren Sie, wie die Inhaltsstoffe von Energy Drinks wirken und was in Energy Drinks alles drin steckt.

Nebenwirkungen inklusive

Wer viele Energy Drinks zu sich nimmt, kann davon ausgehen, dass diese neben der wachmachenden Wirkung auch zahlreiche Nebenwirkungen mit sich bringen können: Unruhe, Nervosität, Übelkeit, Schlaflosigkeit oder Herzrasen sind nur einige Nebenwirkungen. 

Tipp: Wenn Sie empfindlich auf Koffein reagieren, an Bluthochdruck oder Herzproblemen leiden, sollten Sie keine Energy Drinks zu sich nehmen. Auch Schwangere, stillende Mütter oder Kinder beziehungsweise Jugendliche, sollten auf die koffeinhaltigen Getränke aus der Dose verzichten.

Aufputsch-Cocktails wirken anders als Alkohol alleine. Folge: Man fühlt sich aufgedrehter und handelt impulsiv
2 / 9 | Aufputsch-Cocktails wirken anders als Alkohol alleine. Folge: Man fühlt sich aufgedrehter und handelt impulsiv

Energydrinks + Alkohol = Böse Kombi

Häufig wird der Energy Drink zusammen mit Alkohol konsumiert. Doch genau davor warnen Forscher der Weltgesundheitsorganisation. Ein Mix aus Alkohol und Energy Drink ist gefährlicher als Alkohol pur zu sich zu nehmen, so eine US-Studie. Fans der mit Alkohol versetzten Aufputsch-Getränke fühlen sich durch die Kombination noch angeregter und impulsiver als beim Konsum von Alkohol alleine, berichten Forscher von der Northern Kentucky University. Gefährlicher sei der Mix auch deswegen, weil man selbst seinen Alkoholpegel schlechter einschätzen könne. Studienteilnehmer, die einen alkoholischen Energy-Drink zu sich genommen hatten, seien betrunkener gewesen als sie sich fühlten, so Studienleiterin Cecilia A. Marczinski im Fachmagazin Alcoholism: Clinical & Experimental Research.

Energy Drinks schlecht fürs Herz

Auch das Bundesamt für Risikobewertung warnt vor möglichen Gesundheitsrisiken durch den Konsum von Energy Drinks vor allem im Zusammenhang mit Alkohol oder Sport. Die Gefahr: Herzrhythmusstörungen, Krampfanfälle und Nierenversagen. Sie führen offenbar auch dazu, dass Blutdruck und Puls ansteigen und man schlechter schläft, so eine Studie der polnischen Universität Kattowitz. In Kattowitz wurden Energy-Drinks mit einem Koffeingehalt von 120 und 360 mg Koffeingehalt getestet. Im Gegensatz zur niedrigeren Koffeindosis hatten viele Probanden bei der höheren Menge anschließend deutliche Probleme mit Herz und Blutdruck. Beide Werte stiegen rapide an. Dr. Magdalena Szotowoska erklärt, dass diese Symptome vor allem auf die Kombi von Taurin* und Koffein zurückzuführen sind.

Auch US-Forscher bestätigten das Ergebnis. Eine Dose Red Bull beispielsweise, die ebenfalls Taurin und rund 80 mg Koffein enhält, soll gehörig den Blutdruck ankurbeln – die Koffeindosis allein allerdings nicht. Eine australische Studie, bei der Personen 5 bis 17 Energy-Drinks hintereinander tranken, kam es bei einem Drittel der Personen sogar zu so starken Vergiftungen, dass diese im Krankenhaus behandelt werden mussten. 21 von ihnen hatten anschließend mit gefährlichen Herz- und Nervenproblemen zu kämpfen.

Tipp: Um die Leistungsfähigkeit zu steigern, sollten Sie beim Training lieber zu Wasser und isotonischen oder hypotonischen Sportgetränken greifen. Der Energy Drink liefert zwar viel Energie, aber nur verhätnismäßig wenig Flüssigkeit und Elektrolyte (Mineralstoffe). Ein optimales Sportgetränk ist zudem Apfelsaftschorle.

Die Ginseng-Wurzel
3 / 9 | Die Ginseng-Wurzel

Inhaltsstoffe von Energy-Drinks: Ginseng

Ein Auszug aus der Wurzel der Panax-Pflanze. Die traditionelle chinesische Medizin schwört schon seit etwa 1000 Jahren darauf, vor allem als Stärkungsmittel für Ältere

Wie wirkt es?: Ginseng enthält viele sekundäre Pflanzenstoffe, vor allem Saponine. Berg: "Ihnen wird eine antioxidative und immunstabilisierende Wirkung zugesprochen." Eine an Ratten durchgeführte spanische Studie weist darauf hin, dass Muskeldurchblutung und Energiestoffwechsel davon profitieren. Noch ist unsicher, ob die Ergebnisse auf Menschen übertragbar sind. In Kombination mit Guarana deutete sich in Studien eine verbesserte Aufmerksamkeit an.

Wie viel darf man trinken?: In der Regel verträgt der Mensch Ginseng gut. Sehr hohe Dosierung (eigentlich nur mit apothekenpflichtigen Produkten möglich) kann zu Durchfall, Nervosität oder Schlafstörungen führen. Wenn Sie am Tag nicht mehr als vier Ginseng-Drinks nehmen, droht Ihnen keinerlei Gefahr.

4 / 9 | Glucuronolacton ist in uns allen, denn es ist ein Abbauprodukt des Zuckers

Inhaltsstoffe von Energy-Drinks: Glucuronolacton

Ebenfalls ein natürliches Stoffwechselprodukt. Der Körper stellt es aus Zucker her. In einem Liter Flüssigkeit dürfen 2,4 Gramm enthalten sein.

Wie wirkt es?: Hersteller tun es in Energy-Drinks, weil es helfen soll, den Körper zu entgiften. Es soll zudem die Ermüdung des Körpers verzögern, die Regeneration beschleunigen. Wissenschaftlich bewiesen ist davon nichts. Berg: "Leistungsfähigkeit unterstützt ein Energy-Drink mit dem Zusatz nicht."

Wie viel darf man trinken?: Hinweise auf Gesundheitsrisiken sind unbekannt – allerdings auch nicht erforscht. Niemand weiß, wie sicher die Substanz bei häufigem Genuss ist. Auch hier setzt das BVL auf ein Zwei-
Dosen-Limit. Heißt: 500 Milliliter Energy-Drink liefern die maximale Tageszufuhr von 1200 Milligramm Glucuronolacton.

5 / 9 | Guarana-Pulver

Inhaltsstoffe von Energy-Drinks: Guarana

Was ist es? Ein Extrakt aus Samen der südamerikanischen Kletterpflanze Paullinia cupana.

Wie wirkt es?: Hauptwirkstoff ist das enthaltene Koffein. Dessen Anteil ist hoch, übersteigt den Grenzwert von 320 Milligramm pro Liter aber nie. Im Vergleich zu dem reinen Koffein hält seine Wirkung länger an. Das liegt an dem hohen Gehalt der Pflanzenstoffe Tannin, Theobromin und Theophyllin. Da Guarana also ein versteckter Koffein-Lieferant ist, birgt es die bereits beschriebenen Risiken dieser Substanz.

Wie viel darf man trinken?: Wegen der stärkeren Wirkung maximal drei Dosen innerhalb eines Tages.

6 / 9 | Gar nicht so schlimm wie es aussieht: die chemische Formel von Inosit. Die Substanz mit den Zuckern Glucose und Fructose verwandt

Inhaltsstoffe von Energy-Drinks: Inosit

"Eine süße Substanz, die mit den Zuckersorten Glucose und Fructose verwandt ist", so Berg. Das Stoffwechselprodukt kommt in nahezu allen tierischen und pflanzlichen Zellen vor, es wird vom menschlichen Körper selbst produziert.

Wie wirkt es? Inosit beeinflusst den Calcium-Stoffwechsel in den Zellen. Eine Leistungssteigerung ist nicht nachgewiesen, mögliche Gefahren sind unklar.

Wie viel darf man trinken?: Das BVL empfiehlt, nicht mehr als 100 Milligramm Inosit pro Tag aufzunehmen. Beachten Sie die Mengenangabe auf der Dose.

7 / 9 | Koffein ist neben Kaffee in Tee, Kakao und anderen Pflanzen enthalten

Inhaltsstoffe von Energy-Drinks: Koffein

Gehört zu den Alkaloiden. Ist neben Kaffee in Tee, Kakao und anderen Pflanzen enthalten.

Wie wirkt es? Koffein erhöht die Aktivität von Nervenleitungen, stimuliert den Stoffwechsel in Körperzellen. Koffein-Trinker fühlen sich so weniger müde. Blutdruck und Puls steigen je nach Dosierung leicht oder stark an. Der Effekt ist 3 bis 4 Stunden nachweisbar. In Deutschland dürfen Energy-Drinks laut Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch (LFGB) maximal 320 Milligramm Koffein pro Liter enthalten. "Das entspricht bei einer 250-Milliliter-Dose einer Menge von 80 Milligramm und ist vergleichbar mit einem Pott Kaffee oder einem starken Espresso", erklärt unser Experte, Professor Aloys Berg von der Universität Freiburg und Leiter des Bereichs Ernährung. Ab etwa 500 Milligramm oder kombiniert mit anderen stimulierenden Substanzen kann es zu Übelkeit, Kopfschmerz, Schlafstörungen kommen. Zirka 10 Gramm (entspricht 125 Dosen Energy-Drink) wirken tödlich. "Herzrhythmusstörungen und Übererregungszustände können aber schon bei Dosierungen von über einem Gramm auftreten", warnt Experte Berg.

Wie viel darf man trinken?: 160 Milligramm (zwei Dosen) pro Tag beurteilt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in Berlin (BVL) als unbedenklich. In Ausnahmefällen absolute Obergrenze: sechs Dosen

8 / 9 | Die Aminosäure Taurin steckt in Fleisch und Fisch

Inhaltsstoffe von Energy-Drinks: Taurin

Nach Glutamat ist Taurin die zweithäufigste körpereigene Aminosäure. Jeder Mensch produziert täglich bis zu 125 Milligramm. Zudem steckt sie in Fisch, Fleisch, Geflügel, Milch. Bei normaler Kost nehmen Sie täglich gut 200 Milligramm auf

Wie wirkt es? Taurin kontrolliert das Volumen von Körperzellen und reguliert den Einstrom von Calcium. Zudem soll es die Weiterleitung von Nervensignalen verbessern und leistungssteigernd wirken. "Für den Menschen und speziell bei Zufuhr über die Nahrung ist diese Wirkung allerdings nicht nachgewiesen", sagt der Ernährungsmediziner. Ein Liter Energy-Drink darf maximal vier Gramm Taurin enthalten. Beim Menschen wurden die Nebenwirkungen bislang nicht wissenschaftlich untersucht. "Aus Tierversuchen sind jedoch zahlreiche Nebenwirkungen bekannt, so etwa Atmungsstörungen", sagt Berg.

Wie viel darf man trinken?: Sicherheitshalber sollten Sie pro Tag nie mehr als zwei Dosen eines taurinhaltigen Getränks verzehren.

9 / 9 | Zucker – Hauptenergielieferant für Körperzellen

Inhaltsstoffe von Energy-Drinks: Zucker

Was ist es? Hauptenergielieferant für Ihre Zellen, er wird im Körper bevorzugt verfeuert. Der Organismus kann Zucker zudem aus anderen Nahrungsbestandteilen selbst herstellen.

Wie wirkt es?: Geht der Brennstoff aus, fühlen Sie sich schlaff und müde. Zucker ist vor allem bei Dauerbelastung der Energie-spender schlechthin. Eine Dose Drink enthält zirka 25 Gramm Zucker, also etwa ein Viertel des Tagesbedarfs. Der Effekt von Energy-Drinks ist vor allem auf die Kombination von Zucker und Koffein zurückzuführen – beides wirkt erwiesenermaßen. Das bedeutet aber auch: Ein starker Kaffee mit zweieinhalb Esslöffeln Zucker oder eine kleine Cola erfüllt die gleiche Funktion wie ein Energy-Drink.

Wie viel darf man trinken?: Eine derart hohe Menge kurzkettiger Kohlenhydrate, wie sie in einer Dose enthalten sind, sollten Sie nur zu sich nehmen, wenn Sie intensiv Ausdauersport treiben. Ansonsten sind andere, langkettige Kohlenhydrate aus Obst und Gemüse zu bevorzugen, die sich weniger negativ auf Bauchumfang und Insulinspiegel auswirken. Auch Ihre Zähne wissen den Verzicht auf überflüssigen Zucker zu schätzen. Karies-Bakterien würden Energy-Drinks kaufen: Vor allem sie profitieren von dem Inhalt der knallbunten
Dosen.

 
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