Mutprobe im Bärenland: Wildcampen im Bayrischen Wald

Nur mit Rucksack und Schlafsack unterwegs
Mit Schlafsack und Rucksack bepackt geht es los

Redakteur Rufus Rieder geht dorthin, wo sich sonst niemand hintraut: Zum Wildcampen in den Wald

Plötzlich spürte ich, wie sich mir die Kehle zuschnürte. Ich rang nach Luft und wollte fliehen, konnte mich vor Angst aber gar nicht bewegen. Wie erstarrt lag ich in meinem Schlafsack. Die Panikattacke traf mich mitten in der Nacht, beim Wildcampen in den französischen Pyrenäen. Eine Sekunde vorher hatte die entstellte Fratze eines fremden Mannes durch den Reißverschluss des Zelteingangs hineingeschaut, kurz danach war sie wieder verschwunden.

Ehrlich gesagt, bin ich noch heute, 16 Jahre nach diesem schrecklichen Vorfall, nicht sicher, ob es den Kerl wirklich gab oder ob ich mir den Eindringling nur eingebildet habe. Doch eines weiß ich sicher: Die Panik war echt. Seitdem bin ich gebrandmarkt, Angsthase steht groß und fett auf meiner Stirn.

Eine Begegnung mit dem Wolf möchte unser Redakteur lieber vermeiden
Wölfe können einem in der Wildnis schon einmal begegnen

Kein Camping-Trauma mehr: Angst muss man mit Angst bekämpfen

Rufus Rieder will etwas gegen sein Camping-Trauma tun. Eine Schocktherapie ist für seinen Fall genau das Richtige

Um mein Camping-Trauma ein für alle Mal zu überwinden, gibt’s für mich nur eine einzige Lösung: Ich muss mich ein zweites Mal mit der Situation konfrontieren und die Herausforderung meistern wie ein echter Kerl. Aber damit nicht genug. Um den Verdacht eventuellen Angsthasentums so weit wie möglich von mir zu weisen, erhöhe ich den Schwierigkeitsgrad der Prüfung.

1. In den Pyrenäen waren wir zu zweit im Zelt. Dieses Mal werde ich die Nacht allein verbringen.

2. Apropos Zelt: Auf solch einen Luxus werde ich bei meinem Vorhaben diesmal komplett verzichten. Um den Grad der Ausgesetztheit zu steigern, lege ich mich schutzlos in die Wildnis.

3. Ach ja, Wildnis: Während mir in den Pyrenäen als Zeltplatz eine beschauliche Schafweide diente, wähle ich dieses Mal Deutschlands wildesten Flecken als Reiseziel: den Bayerischen Wald. Schon der Gedanke daran verursacht bei mir eine Gänsehaut. Traf dort nicht auch der böse Wolf auf Rotkäppchen, die sieben Geißlein und die drei Schweinchen?

Ein Braunbär im Bayrischen Wald
Auch Braunbären gibt es im Bayrischen Wald

Blutrünstige Raubtiere: Im Wald lauern viele Gefahren

Im Dreiländereck zwischen Deutschland, Österreich und Tschechien ist die Raubtierdichte besonders hoch

Historisch und geologisch korrekt betrachtet handelt es sich beim Bayerischen Wald in Wahrheit um einen Teil des Böhmerwaldes. Beide Areale bilden ein einziges, riesiges, zusammenhängendes Waldgebiet, eines der größten in Mitteleuropa. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts beschlossen die Deutschen, ihrem Teil des Waldes einen patriotischer klingenden Namen zu geben. Ob Bayerischer oder Böhmerwald, dieses Gebiet zeichnet sich dadurch aus, dass es deutschlandweit die dichteste Population blutrünstiger Raubtiere beherbergt – allen voran die größte Raubkatze Europas, den Eurasischen Luchs.

Aus dem tschechischen Teil wanderte der Luchs in den Freistaat Bayern ein, und dort vermehrt er sich seit Jahren prächtig. Er ernährt sich hauptsächlich von Rehen, Hirschkälbern und Feldhasen – recht stattlichen Beutetieren also. Begegnungen mit Angsthasen sind nicht urkundlich erwähnt. Aber wie würde der Luchs reagieren, wenn er einen schlafenden Menschen wittert? Würde er die leichte, fette Beute verschmähen oder sich lautlos anschleichen und attackieren? Keine schöne Vorstellung, wenn man weiß, dass Luchse ihre Beute zu erdrosseln pflegen, indem sie mit hohem Kieferdruck in die Kehle des Opfers beißen und nicht mehr loslassen, bis der Körper der Beute erschlafft.

Doch Luchse bilden nur das Vorspiel für die Rückkehr noch kapitalerer Fleischfresser: Wölfe und Bären. Wann sie vermehrt nach Bayern einwandern werden, ist nur eine Frage der Zeit. Wölfe tauchen im Bayerischen Wald bereits seit Jahren auf, Lebensraum und Nahrungsangebot dort sind ideal für sie. Nur bei der Partnersuche haben die Tiere Probleme, solange die Population in Deutschland nicht über die notwendige Dichte verfügt.

Die nächsten Braunbären leben nur einen Tagesmarsch entfernt in den österreichischen Alpen. Das Beispiel Bruno zeigt, dass mit einem Besuch der wanderlustigen Gesellen im Grunde jederzeit zu rechnen ist. Eines ist allerdings ganz sicher: Wenn die Wölfe und Bären kommen, dann werden Sie zuerst an meinem Lagerplatz aufschlagen, denn ich befinde mich am legendären Dreisesselberg, dem Dreiländereck zwischen Deutschland, Österreich und Tschechien, wo der Sage nach einst Kaiser und Könige über die Grenzen ihrer Reiche zu Rate saßen. Noch näher an den Populationen großer Raubtiere kann man sich hier zu Lande gar nicht befinden.

Bayrischer Wald
Wald auf über 240 Quadratkilometern

Entscheidungen: Lieber ertrinken als ausbluten

Rufus Rieder baut sich ein Nachtlager und hat so zumindest ein psychologisches Schutzschild

Von meinem Startort Neureichenau aus ist es ohne Weiteres möglich, 20 Kilometer querfeldein zu wandern, ohne auf eine einzige menschliche Siedlung oder auf eine Straße zu treffen. Dass man sich nach zehn Kilometern Marsch in nordöstlicher Richtung plötzlich auf tschechischem Territorium befindet, fällt einem dabei kaum auf. Der Wald mit seinen bizarren Gesteinsformationen scheint unverändert zu sein, sofern man nicht zufällig über einen Grenzstein stolpert.

Fernab der Zivilisation entdecke ich ein idyllisches Plätzchen für das Nachtlager. Na, ich sage mal: fast idyllisch. Mein Quartier, mitten im dichten Mischwald am Fuße des Dreisesselberges, besteht aus einer recht ebenen Unterlage aus grobem Sand, die ein kleiner Bach hier angeschwemmt hat. Diese Grundlage ist mir lieber als die dschungelartige Vegetation rechts und links des Bachufers. Ich hoffe, dass hier weniger Zecken auftauchen als im gestrüppreichen Unterholz.

Derzeit führt der Bach nur wenig Wasser, aus diesem Grund scheint keine Überschwemmungsgefahr für meine Mikro-Sandbank zu bestehen. Sollte allerdings das für den heutigen Abend angekündigte Gewitter wirklich niedergehen, müsste ich das Bachbett auf der Stelle räumen, um nicht von der darauf folgenden Flutwelle weggespült zu werden.

Aus Buchen- und Fichtenästen bastele ich mir einen notdürftigen Unterschlupf. Ein langer, starker Ast dient dabei als Dachfirst. Ihn stützen zwei v-förmige Astgabeln an den Enden. Das Dach ist mit dünneren Ästen und Farnblättern bedeckt. Der Unterschlupf steht nach zwei Seiten hin sperrangelweit offen, und er ist alles andere als regendicht oder bärenabweisend, aber aus psychologischer Sicht dennoch äußerst wichtig. Die gefühlte Sicherheit unter dem Blätterdach ist deutlich höher als unter freiem Himmel.

In der ersten Nacht habe ich außerdem zur Unterstützung und für die Fotos meinen Kollegen Klaus Fengler dabei. Dann aber reist der Fotograf ab, und ich bin allein – allein unter wilden Tieren. Für eine weitere Nacht.

Erdkröte
Neben Buchfinken und Drosseln gibt's im Bayerischen Wald auch Erdkröten

Insektenplage: Fiese Stiche statt übler Bisse

Ob nervige Bremsen oder singende Buchfinken, der Wald lebt. Gefährliches Getier zeigt sich bislang jedoch noch nicht

Die ersten wilden Tiere, die mir begegnen, sind stechende Insekten in allen Varianten: Schnaken, Bremsen und winzig kleine Mücken, deren Bezeichnung ich nicht einmal kenne, die aber ebenfalls Juckreiz auslösen. Die Feuchtigkeit im Wald und das nahe Gewässer bieten diesen kleinen Quälgeistern offensichtlich perfekte Brutbedingungen.

Andere Spezies des Waldes kann ich hören, jedoch nicht sehen. Dazu gehören Erdkröten, Drosseln und Buchfinken. Ich hoffe, diese Tiere setzen Stechmücken ganz oben auf ihre Speisekarte. Als Highlight schlängelt sich eine Blindschleiche an meinem Camp vorbei. Außerdem besiedeln zahlreiche Arten von Spinnen das Bachufer und die umgebende Vegetation. Eklig genug, aber vom Angstfaktor her noch im grünen Bereich.

Um mir ein bisschen Zerstreuung zu verschaffen, nehme ich den Gaskocher in Betrieb. Eine Dose mit dem Aufdruck „Grüne Bohnensuppe mit Schinkenwürfeln“ beschäftigt mich für die nächsten 30 Minuten. Intensiv studiere ich die Liste der Inhaltsstoffe und zelebriere das Öffnen der Dose nach Cowboy-Art mit meinem Multi-Werkzeug. Bloß nicht an die Einsamkeit denken!

Lagerfeuer
Zunderschwämme entfachen ein ordentliches Lagerfeuer

Feuertricks: Die Nacht bricht herein

Grillanzünder aus dem Supermarkt sind völlig überflüssig, wenn sich an jeder Ecke ein Zunderschwamm findet

Trotz meiner Bemühungen sie zu ignorieren, bricht unübersehbar die Dämmerung herein. Bei Tageslicht schien mir der Wald harmlos wie ein Campingplatz, aber jetzt wird mir zum ersten Mal mulmig. Ich starte also Teil Zwei des Ablenkungsprogramms für Gäste der Wildnis: ein kleines Lagerfeuer.
Feuer im Wald – damit assoziiert man unwillkürlich Gefahr. Brandgefahr besteht an meiner Location allerdings kaum, denn alles um mich herum ist so feucht wie ein Froschteich, und an Löschwasser mangelt es hier nun gar nicht.

Eher entpuppt es sich als problematisch, genügend Brennmaterial in hoher Qualität heranzuschaffen. Äste und Zweige liegen hier zwar in Hülle und Fülle herum, aber das Zeug brennt in den seltensten Fällen. Am aussichtsreichsten sind Zweige, die schon abgestorben, aber noch nicht vom Baum gefallen sind. Sie sind luftgetrocknet statt bodennass. Als Grillanzünder eignet sich der überall weit verbreitete Zunderschwamm. Der große, leicht entzündbare Pilz wächst häufig wie ein Parasit an maroden Buchenstämmen und an anderen Laubbäumen. Sein filziges Inneres ist leicht brennbar, insbesondere im getrockneten Zustand. Schon Ötzi trug bei seinem Solotrip über die Tiroler Alpen im Jahre 3340 vor Christus den bewährten Grillpilz bei sich.

Der Mann aus der Kupferzeit verwendete ein dreiteiliges, steinzeitliches Feuerzeug-Set aus Zunderschwamm, Feuerstein und Pyrit, das man auch Katzengold nennt. Mit dem Feuerstein schlug Ötzi gekonnt Splitter aus dem schwefelhaltigen Pyrit-Gestein, das sich dann entzündete und verbrannte. Der Schwamm sorgte für eine noch heftigere Zündung. Leider konnte Ötzis Outdoor-Kunst das Leben des Steinzeitmannes nicht retten. Er wurde angegriffen und verletzt, die genauen Umstände seines Todes sind nicht vollständig geklärt.

Bayrischer Wald
Der Wildnis erfordert Strategien

Taktik: Hauptsache Überleben

James Bond dient Rufus Rieder als Survival-Vorbild. Allerdings verfeinert er seine Strategie mit einigen Wald-Specials

Von Ötzi gehen meine Gedanken zu James Bond, dessen Überlebensstrategien erfolgreicher sind und mir hier vielleicht eher zu Diensten sein können. So könnte ich etwa meinen Schlafsack mit einer Menschenattrappe aus Rucksack und Kleidungsstücken ausfüllen und mich selbst dann in einiger Entfernung unter eine Wetterfichte legen. Bei diesen großen, freistehenden Fichten reichen die Äste beinahe bis zum Erdboden. Wanderer können darunter nächtigen, ohne bei einem Regenguss nass zu werden.

Während ich also unter der Wetterfichte schlummern würde, vermuten mich potenzielle Angreifer im Schlafsack, zerfleischen oder erdrosseln aber nur die Attrappe. Trotz des bewährten 007-Ansatzes verwerfe ich die Idee, denn was Tiere anlockt, sind in erster Linie Gerüche, und die entströmen meinem Körper vermutlich intensiver als der Attrappe. Zumindest lege ich vorsichtshalber ein Messer unter das Kopfkissen und deponiere den besonders stark müffelnden und mit Steinen beschwerten Müllbeutel ein wenig entfernt von meinem Lager. So bleibt er geschlossen, behält seinen Inhalt und stinkt nicht mehr als nötig in der Gegend herum.

Bayrischer Wald
Tagsüber können die Ohren wieder etwas entspannen

Geschärfter Sinn: Die Ohren ersetzen die Augen

In der Wildnis reagieren die Sinne sensibler als in der Zivilisation. Rufus Rieders Ohren sind wie Antennen

Die erste Schrecksekunde in dieser Nacht erlebe ich, als plötzlich Licht angeht. Wilderer, die mich mit einer Taschenlampe anleuchten? Mein Herz rutscht augenblicklich in das Fußende des Schlafsacks. Aber es ist nur das Feuer, das aus irgendeinem Grund wieder viel heller brennt. Vielleicht hat ein Zunderschwamm Feuer gefangen. Jedenfalls besser, ich mache das Feuer komplett aus, bevor irgendetwas passiert. Schnell schiebe ich Sand auf die Glut, der Brand erstickt.

Nun ist es um mich herum finster wie in einem Bärenpopo. Ich taste nach meinem Schlafsack und schlüpfe hinein. In dem Moment fliegt ein anderes Licht direkt auf mich zu. Es dauert einen Moment (und kostet mich wieder einen Mini-Schock), bis ich kapiere, dass es sich dabei um ein Glühwürmchen handelt. Die Sinne reagieren sehr sensibel in dieser Wildnis, selbst auf die geringsten Reize, so viel steht schon mal fest. Immerhin ist die Mückendichte geringer geworden, dafür jedoch die Krötendichte etwas höher.

Gespenstisch tönt deren dumpfes Quaken und Unken aus dem Reich der Finsternis. Doch ich bleibe gedämpft optimistisch und denke: Wenn ich es erst mal geschafft habe einzuschlafen, gibt’s überhaupt keine Gelegenheit mehr Angst zu haben. Dann reagiere ich nämlich überhaupt nicht mehr auf jedes entfernte Quaken oder auf jedes Kamikaze-Glühwürmchen, das sich auf mich stürzt. Dann schlafe ich einfach wie ein Bär.

Gebadet wird im Bach
Gebadet wird im Bach

Brunos vermeintlicher Bruder: Ein Bär im Bach?

Bruno ist tot, doch seine Sippschaft lebt. Nur drei Meter von Rufus Rieder entfernt badet ein Bär im Bach. Oder doch nicht?

Sanft entschlummere ich beim nächtlichen Gesang einer Singdrossel. Aber Morpheus, der Gott des Traumes, meint es nicht gerade gut mit mir. Ich träume, mir wären gleich mehrere Schneidezähne abgebrochen. Das allein ist zwar kein Grund aufzuwachen, aber als ich gleichzeitig das Knirschen von Schritten im Kies des Bachbettes höre, schrecke ich auf wie eine Drossel angesichts eines Baummarders.

Und da sitzt er, nur drei Meter entfernt: ein Bär im Bach! Nein, es kann kein Bär sein, es muss ein großer Stein sein. Mit zitternden Händen taste ich nach dem Schalter der Stirnlampe. In ihrem Schein stelle ich schließlich fest, dass es sich bei dem Bären in der Tat um einen Felsbrocken handelt. Aber so richtig beruhigend wirkt sich diese Erkenntnis nicht auf meinen gereizten Gemütszustand aus.

Das fahle Licht der Leuchtdioden lässt die Bäume um mich herum wie riesige, bleiche Skelettknochen wirken. Hinter jedem Baum könnte sich ein Angreifer verbergen. Der einzige Vorteil der Stirnlampe: Man kann sie zum Lesen nutzen, um sich abzulenken und um problemlos wieder einzuschlafen. Das gelingt mir auch, doch der Vorfall mit den Schritten im Kies und dem sitzenden Bären widerfährt mir in unveränderter Form noch ungefähr 26-mal in dieser Nacht.

Jedes Mal ist es das gleiche Traum(a)-Muster: Schritte im Sand, ich schrecke auf, Bären sitzen um mich herum, ich schalte die Stirnlampe ein, aber es ist nichts – Entwarnung. Ich weiß bis heute nicht, woher diese Geräusche, die Schritte kamen, aber vermutlich hat mein eigenes Gehirn diese Fata Ohrgana erzeugt.

Frühstück im Bayrischen Wald
Frühstück

Bäriger Kerl: Der Boss im Revier

Rufus Rieder ist der Chef im Revier. Seine Reise hat sich gelohnt: Angsthase wird ihn wohl keiner mehr nennen

Erst als der Morgen dämmert und es heller wird, schlafe ich für längere Zeit ein. Sonnenschein und Vogelgezwitscher hindern mich nicht daran, im Gegenteil: Sie geben mir das Gefühl von Sicherheit, das ich während der ganzen Nacht vermisst habe. Es ist schon erstaunlich, welche Wirkung Licht auf das menschliche Gehirn hat. Obwohl bei Tageslicht immer noch dieselben Tiere im Wald herumlaufen, wirkt der Gedanke an sie überhaupt nicht mehr bedrohlich.

Was für mich jetzt allein zählt, ist, dass ich durchgehalten habe. Zwar ist mir reichlich mulmig gewesen, aber mich hat keine Panik ergriffen, und ich bin nicht aus dem Wald geflüchtet. Ein Mann mit schwächeren Nerven hätte nach Sonnenuntergang mit Sicherheit die Flucht ergriffen. Also bin ich definitiv kein Angsthase, das steht fest. Mein Outdoor-Status ist über Nacht so gigantisch gewachsen wie eine Wetterfichte in 100 Jahren.

Ich bin der Boss hier! Solange nicht ein Bär in meinem Revier aufkreuzt, bin ich – unter rein biologischen Aspekten betrachtet – das größte Säugetier weit und breit. Ich bin hier der größte Fleischfresser und ich stehe ganz am Ende der Nahrungskette. Bei Tageslicht besehen bin ich wirklich ein bäriger Kerl.

Reisetipps: Der Weg der Abenteurer

Wer Rufus Rieder nacheifern und sich im Bayerischen Wald durchschlagen möchte, muss erst einmal hinkommen. So geht's

Anreise
Mit dem Auto benötigen Sie von Berlin aus ungefähr fünf Stunden. Wer mit dem Flieger in München landet, fährt noch 1,5 Stunden. Bahnreisende steigen in Passau aus. Von dort verkehrt die Buslinie 6122 bis an den Fuß des Dreisesselberges. Dauer der Busfahrt: gut eine Stunde. Auf den 1312 Meter hohen Dreisesselberg führt eine Straße. Wer mit dem Wagen gekommen ist, kann ihn gebührenpflichtig unterhalb des Gipfels parken. Der letzte Kilometer bis zum Gipfel ist dann aber gesperrt

Übernachtung
Entweder wie Rufus Rieder im Freien (ist außerhalb des Nationalparks erlaubt) oder in einer der 218 regulären Unterkünfte (vom Hotel bis zum Wohnmobilstellplatz, alle unter www.bayerwald-info.de)

Verpflegung
Wer auf Rieders Spuren wandeln will, macht sich eine Dose warm. Gute Alternative: das „Dreisesselhaus“ auf dem Gipfel. Die tschechische Grenze verläuft dort gerade zehn Meter von Ihrer Bierbank entfernt

Seite 3 von 10

Sponsored SectionAnzeige