KLITSCKOS BESTER RAT: „Fehler und Niederlagen machen mich stärker“

Wladimir Klitschko
Wladimir Klitschko: Nicht nur im Ring ein engagierter Kämpfer

Wladimir Klitschko ist ein außergewöhnlicher Boxer – nicht nur in puncto Stil und Athletik. Was Sie von seiner Einstellung lernen können

MH: Darf man vor einer großen Herausforderung auch nur an die Möglichkeit einer Niederlage denken?

Klitschko: Bloß nicht! Ich würde eine Niederlage niemals in Erwägung ziehen. Ich studiere meinen Gegner vor einem Kampf mittels aufwändiger Video-Analysen. Außerdem bin ich physisch und psychisch bestens eingestellt. Somit muss ich stets von einem Sieg ausgehen – an eine mögliche Niederlage darf man überhaupt keinen Gedanken verschwenden. Wer sich auch nur eine Sekunde damit beschäftigt, kann gleich das Handtuch werfen. Siegeswillen setzt positive Energie voraus, ansonsten klappt’s nicht.

MH: Fällt diese Einstellung leichter, wenn man einen harten Gegner hat?

Klitschko: Im Profi-Boxen gibt’s keine leichten Gegner, schon gar nicht im Schwergewicht, wo auch ein Lucky Punch zu einem Knockout führen kann. Bei meiner Niederlage gegen Corrie Sanders haben vor dem Kampf viele Kritiker gesagt, der Südafrikaner habe keine Chance. Mir hat offenbar die innere Einstellung gefehlt, ich habe den Gegner unterschätzt.

MH: Was ging denn in Ihnen vor, als Sie von Corrie Sanders auf die Bretter geschickt wurden?

Klitschko: Vitali hat ja gleich zu ihm gesagt, dass der Titel in unsere Familie zurückkommt. Bei mir hat’s ein paar Tage gedauert, bis ich in vollem Umfang verstanden hatte, was da passiert war. Wir haben dann allerdings relativ schnell meine Fehler in der Vorbereitung und die im Kampf analysiert, und so konnte ich die Niederlage gut verarbeiten. Es lag an mir, dafür übernehme ich die volle Verantwortung.

MH: Können Niederlagen dazu beitragen sich weiterzuentwickeln?

Klitschko: Mich hat diese Niederlage ungemein motiviert. Ich stehe jetzt wieder richtig unter Strom, und das hat vielleicht vor dem Kampf gefehlt. Ich war zu sicher. Ohne mich mit ihnen vergleichen zu wollen: Selbst Champions wie Schmeling oder Ali haben mal verloren. Ich werde die Revanche nutzen und den Weltmeistertitel zurückerobern. Man braucht Kraft um wieder aufzustehen. Ich kann das, ich werde zurückkommen und stärker sein als zuvor.

MH: Sie wirken jederzeit motiviert, auch unmittelbar nach der letzten Niederlage. Lässt sich so etwas trainieren?

Klitschko: Ich glaube, dass kann man nicht lernen. Das ist bei mir eher eine Mentalitätsfrage. Ich bin ein Optimist.

MH: Sie engagieren sich für Kinder, die oft Niederlagen einstecken mussten. Hilft das auch für Ihr Auftreten im Ring?

Klitschko: Ich engagiere mich als Unesco-Beauftragter für das Programm "Bildung für Kinder in Not". Vitali und ich waren kürzlich in einem Armenviertel, einer so genannten Favela im brasilianischen Recife. Unter welchen Bedingungen die Ärmsten der Armen dort hausen und wie viel Lebensfreude sie dennoch entwickeln, hat mir sehr imponiert. Von diesen Menschen kann man wirklich noch einiges lernen.

MH: Wann muss man eine Niederlage abhaken?

Klitschko: Weiß man um seine Fehler, funktioniert das Abhaken leichter. Ohne Analyse und daraus resultierende Änderungen besteht das Risiko, die Fehler zu wiederholen.

Wladimir Klitschko
Der 27-jährige Wahl-Hamburger, bis März 2003 WBO-Weltmeister im Schwergewicht, will den Titel von Corrie Sanders zurückerobern. Neben dem harten Training engagiert er sich mit Bruder Vitali und Kellogg's Corn Flakes für das Unesco-Programm "Bildung für Kinder in Not". Ziel der Initiative "Kellogg's macht Schule": möglichst viele Schulstunden für Kinder in Not zu finanzieren (bisher mehr als drei Millionen).

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