Y-Chromosom: Wo kommen wir her?

Sie ist ein Mann!
Was ist an ihr bitte männlich?

Kann die Theorie aus der Bibel widerlegt werden. Stammt in Wirklichkeit nicht Eva von Adam, sondern Adam von Eva ab?

Bei den insgesamt zwei X-Chromosomen der Frau kann das eine Schwächen des anderen ausgleichen. Bei Männern sind das eine X- und das eine Y-Chromosom je mit sich allein. Im Mai 2003 entschlüsselte Professor David Page vom Whitehead-Institut für Biomedizinische Forschung in Cambridge die genetische Struktur des Y-Chromosoms. Der Molekularbiologe entdeckte, dass die Autoren der Bibel sich aller Wahrscheinlichkeit nach täuschten und nicht die Frau aus einem Teil des Mannes entstanden ist, sondern dass es sich beim männlichen Y-Chromosom wohl um ein Bruchstück des weiblichen X-Chromosoms handelt. Genetischer Abfall?

Das X-Chromosom ist vor zirka 150000 Jahren entstanden. Seitdem ist die Natur sozusagen mit der Frau zufrieden. Das gegenwärtige Y-Chromosom ist erst 25000 Jahre alt. Ist die Natur mit dem Mann unzufrieden? Bewährt er sich im darwinschen Sinne nicht? Muss die Natur den Mann noch ausprobieren, oder – was viel schlimmer wäre – geht das Y-Chromosom mit der Zeit kaputt? Mitnichten.

Noch bis vor einem Jahr glaubten Wissenschaftler, der größte Teil des Y-Chromosoms sei Junk, evolutionärer Müll. Mit der Entschlüsselung des Chromosoms öffnete sich jedoch ein Wunderwerk molekularbiologischer Evolutionskunst. Während andere Chromosomen eine zufällige Abfolge ihrer Bausteine aufweisen, verfügt das Y-Chromosom über sieben riesige Chromosomen-Abschnitte, die sich allesamt gleichen (Palindrome).

Sie lassen sich, wie der Satz „Ein Neger mit Gazelle zagt im Regen nie“, vorwärts wie rückwärts lesen. Das heißt, das Y-Chromosom hat sich durch Reparatur und Beseitigung von Schäden eine einzigartige Gen-Abfolge erarbeitet, die viel weniger Zufälligkeiten zulässt als die Rekombination anderer Erbanlagen. Anstatt sich mit anderen Genen auszutauschen, abzugleichen und Schäden zu reparieren, treibt das Y-Chromosom – einem ureigenen Trieb des Mannes folgend – Selbstbefriedigung. Es kopiert sich selbst und repariert auf diese Weise seine Mutationen.

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