Lustforschung: Wunderwaffe Sex

Sex: Die Mühe lohnt!
Sex: Die Mühe lohnt! "Wer etwas gerne tut, erlebt das nicht als Anstrengung!"

Psychologe Dr. Hans-H. Fröhlich, Vizepräsident der Berliner Andrologischen Gesellschaft, hat neue Funktionen unserer Sexualität entdeckt

Kinder lassen sich im Reagenzglas zeugen, Befriedigung holen wir uns im Beruf oder beim Sport, und Shoppen bringt Lust. Wer braucht im Jahr 2000 noch Sex?
Künstliche Befruchtung ist nur eine Notlösung, die aufwendig und teuer, unsicher und sehr stressig ist. Am natürlichen Weg der Fortpflanzung kommt fast keiner vorbei. Und der Job und die schweißtreibende Quälerei beim Joggen und Stemmen von Gewichten sind auch kein reines Vergnügen. In Wahrheit sind das eher Ersatzbefriedigungen.

Aber Sex und Partnerschaft sind doch auch anstrengend.
Aber die Mühe lohnt! Außerdem: Wer etwas gerne tut, erlebt das nicht als Anstrengung. Aus einer Lieblingsbeschäftigung schöpft man Energie — so ist das auch beim Sex. Es bleibt dabei: Sex hat viele Vorteile. Sonst würde er keine so übermächtige Rolle spielen.

Welche Vorteile hat Sex denn?
Sex entspannt und befriedigt. Aber der Körper ist nur Ausführungsorgan, das Werkzeug, mehr nicht. Wichtiger ist die psychische Lust. Und die findet im Kopf statt. Darauf beruht die Wirkung jeder Narkose. Ein echtes Glücksgefühl bekommt nur, wer auch psychisch befriedigt ist.

Warum ist die Psyche so wichtig?
Weil Menschen soziale Wesen sind. Wir alle haben das Bedürfnis, Gefühle zu teilen und uns anderen mitzuteilen. Und wir brauchen Intimität, Zuwendung und Geborgenheit. Diese Bedürfnisse kann nur eine enge Paarbindung erfüllen oder die Eltern-Kind-Beziehung. Der sind wir aber schon entwachsen, wenn wir Sex haben. Sexualität ist also Ausdruck und Quelle von starken Gefühlen füreinander. Deshalb ist sie etwas ganz Besonderes. Beim Sex werden Bedürfnisse erfüllt wie sonst nirgendwo.

Kommt man sich nur beim Sex nahe?
Das kommt auf die Beziehung zwischen den Partnern an. Sex erfordert Kommunikation, also auch Nähe der Gedanken. Sonst stellt sich kein Vertrauen ein. Es müssen nicht immer Worte sein, aber wenn zwei sich nicht verständigen können, dürften sie sich auch im Bett schlecht verstehen. Durch Intimität, also starkes Vertrauen, kann sich jeder seiner Lust vor dem anderen wirklich hingeben und zum Beispiel vor Erregung stöhnen oder seine sexuelle Neugier auch wirklich ausleben.

Bedeutet denn umgekehrt schlechter Sex eine schlechte Beziehung?
Es gibt keinen Automatismus, aber: Je besser der Sex, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass die Beziehung profitiert. Und je besser die Beziehung, desto besser der Sex. Es gibt natürlich auch guten Sex ohne Beziehung. Das ist der Kick von One-Night-Stands, der aber nicht langfristig funktioniert.

Was bringt guter Sex auf Dauer?
Sehr viel. Eben nicht nur für die körperliche, sondern auch für die psychische Zufriedenheit. Denn wer Sex in einer guten Beziehung hat, fühlt sich geliebt und begehrt. Er erhält echte Bestätigung als Partner und Mensch. Das vermittelt Selbstbewusstsein.

Sex ist also mehr als Lustbefriedigung und die Möglichkeit zur Fortplanzung?
Heute rücken andere Funktionen in den Mittelpunkt. Je mehr ein Mensch Sexualität ins Leben einbaut und für seine Persönlichkeitsentfaltung nutzen kann, desto gesünder, gefühlvoller und ausgeglichener wird er sein.

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