Lebensträume: An eigene Ziele glauben

Einmal im Rampenlicht stehen wie die Rockband Sylvan
Im Probenraum geht es wild aber bodenständig zu

Jeder Musiker wünscht sich Erfolg mit der eigenen Band. Für die Jungs von Sylvan ist es nicht beim Träumen geblieben

Es ist nur scheinbar ein Widerspruch, wenn eine Band trotz fünf hochwertiger CDs in der Heimat weniger bekannt ist als Frischlinge wie Tokio Hotel, aber zu Konzerten auf anderen Kontinenten eingeladen wird. Durch das Internet sind die Fans der Progressive-Szene nicht nur weltweit vernetzt und berichten in den Foren von ihren neuesten Entdeckungen, sie können diese auch von jedem Ort der Welt aus problemlos bestellen. So wurde Sylvans aktuelle CD nach traumhaften Bewertungen in den wichtigsten Online-Magazinen der Szene auch nach Japan, Vietnam und Bangladesch verkauft.

In 19 Besprechungen erhielt „Posthumous Silence“ bisher viermal den Titel „Album des Monats“ und 15-mal die volle oder fast volle Punktzahl. Dabei handelt es sich nicht um ein locker nebenbei zu konsumierendes Werk, sondern um ein Konzeptalbum, dessen Stücke ineinander fließen, oft sehr lang und derart komplex sind, dass viele erst nach mehrmaligem Hören ins Ohr gehen. Die Kritiken der Online-Redakteure sind fast überschwänglich, einer fasst seine Eindrücke so zusammen: „Dieses Album ist eines der besten, das mir in den letzten Jahren untergekommen ist. Also los, kauft es!“

Erfolg kommt in Waschkörben
Tatsächlich wurde Sylvans Homepage schon vor diesem Appell mit Bestellungen überhäuft. An manchen Tagen bringt Sebe, der den Online-Shop verwaltet, die CDs in Waschkörben zur Post und verblüfft die Leute vom Kopierwerk, wenn er schon wieder eine neue Auflage ordert. Inzwischen bewegen sich die Verkaufszahlen auf 7000 zu – das ist, ohne die PR-Maschine einer großen Plattenfirma im Rücken, eine beachtliche Zahl.

Doch bisher ist kein einziger Euro in ihre Taschen gewandert, im Gegenteil: Um ein Album aufzunehmen, plündern die fünf jedes Mal ihre Ersparnisse und stellen sie der Band als Kredit zur Verfügung. Zwar haben sich die Investitionen stets amortisiert, Überschüsse wurden aber sofort in die nächste CD gesteckt.

Über Stromschläge ist bei den Proben noch nichts bekannt

Vorsicht Rückkopplung

Der Druck des Versagens
Bei vielen Bekannten, Freunden, Verwandten hält sich hartnäckig die Vorstellung, Erfolg würde sofort das Geld nur so sprudeln lassen. Volker schnaubt verächtlich: „Die begreifen einfach nicht, wie verdammt teuer die professionelle Produktion einer CD ist – da geht’s um fünfstellige Summen.“ Auf ihm als einzigem Familienvater in der Band lastet der größte Druck, die Musik aufzugeben und sich einen lukrativen Job zu suchen. „Bei vielen gilt man als Vollversager, wenn man nach all diesen Jahren und so viel Aufwand nicht mehr Kohle reinholt“, erklärt Volker achselzuckend. „Mich selbst wurmt es nur, dass ich meiner Frau ihren Knochenjob im Altenheim nicht ersparen kann.“ Sie selbst würde übrigens nie von ihm verlangen, die Band aufzugeben, ebenso wenig wie die Partnerinnen der anderen. Den Mienen zufolge erscheint ihnen schon die Vorstellung absurd. „Wenn eine Frau von mir verlangen würde, die Musik und die Band aufzugeben, dann würde sie mich nicht wirklich lieben“, meint Matthias.

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