Zahnspangen für Erwachsene: Zahnfehlstellungen korrigieren

Auch Erwachsene können ihre Zahnstellung noch regulieren lassen
Lächeln geht auch mit Zahnklammer

Die gute Nachricht zuerst: Auch bei Erwachsenen kann man etwas gegen Fehlstellungen tun: Eine Behandlung ist in jedem Alter möglich

Die gute Nachricht zuerst: Auch bei Erwachsenen kann man etwas gegen Zahnfehlstellungen tun: Eine kieferorthopädische Behandlung ist in jedem Alter möglich. Wer aus pubertärer Eitelkeit oder Faulheit verpasst hat, seine Zähne in die Reihe bringen, kann sein Versäumnis nachholen.

Zähne prägen nicht nur das Gesicht, sondern auch die Sprache und Ausstrahlung des Menschen. Verständlich, dass Zahnfehlstellungen das Allgemeinbefinden beeinträchtigen und sogar zu psychischen Problemen führen können.

Oft liegt die Ursache von Fehlstellungen in den Genen (von Mami und Papi)
Oft liegt die Ursache von Fehlstellungen in den Genen (von Mami und Papi)

Die Ursachen: Oft sind die Gene schuld

Nicht selten erbt man die Zähne vom Vater und den Kiefer von der Mutter. Die Chance, dass beides zusammenpasst, ist dabei ziemlich gering

Die Chance, dass die ererbten Zahnstellungen von Mami und Papi zusammenpassen, ist ziemlich gering. Die Folge: Nicht alle Zähne finden Platz im Zahnbogen – Lücken entstehen. Manchmal bilden sich auch zu wenig oder zu viele Zähne. Wer sich die Weisheitszähne noch nicht hat ziehen lassen, muss außerdem aufpassen, dass sie nicht die anderen Zähne verschieben.

Werden Fehlstellungen nicht schon im Kindesalter behandelt, können sie sich oft durch Zahnwanderungen im Erwachsenenalter noch verschlimmern. Manchmal hört man, dass auch Stress Zahnschäden verursacht.

Bodo Hoffmeister, Direktor der Klinik für Kieferchirurgie und plastische Gesichtschirurgie der Charité Berlin hält dies für Unsinn. „Stress ist nicht für alles die Ursache. Größeren Einfluss haben die Zungen- und Lippenmuskulatur. Hat man beispielsweise eine lange Zunge, können die Vorderzähne zu stark nach vorne gedrückt werden“, so Hoffmeister. Genauso führen Schlägereien oder Unfälle indirekt zu schiefen Zähnen. Fällt einer aus, kippen oft die Nachbarzähne in die Zahnlücke.

Folgeerkrankungen

Krumme Zähne sind nicht nur unattraktiv, sondern auch schwer zu pflegen. In vielen Fällen kommt die Zahnbürste nicht dahin, wo sie hin sollte. Die Folge: Karies und Zahnfleischentzündung. Muskelkater und Verspannung im Gesicht? Auch hier können die Zähne die Übeltäter sein, denn Zahn- und Kieferprobleme führen zu falscher Belastung der Gesichts- und Kaumuskulatur. Durch die unnatürliche Kaubewegung entstehen Schäden im Kiefergelenk. Diese führen wiederum zu Ohrgeräuschen oder Schmerzen in der Halswirbelsäule.

Kieferothopäden korrigieren auch bei Erwachsenen die Zahnstellung
Mit Zahnfehlstellungen kennt sich der Kieferorthopäde besser aus als der Zahnarzt

Orthopäde oder Zahnarzt: Die Vorbereitung

Wer mit der Stellung seiner Zähne unzufrieden ist, sollte am besten gleich zu einem Kieferorthopäden gehen

Zahnärzte wissen zwar über Zahnfehlstellungen Bescheid, überweisen die Patienten jedoch nicht immer zu einem Spezialisten. Über kieferchirurgische Probleme – beispielsweise ein nach vorne geschobener Kiefer – können auch Kieferorthopäden Auskunft geben. Ein extra Gang zum Kieferchirurgen ist meist nicht nötig.

Wie, womit und wie lange behandelt wird, ist von den Wünschen des Patienten und dem Ziel abhängig, das erreicht werden soll. Dieses Ziel muss gemeinsam von Patient und Arzt festgelegt werden. Der Patient muss sich gut und ausreichend beraten fühlen. Ist ein operativer Eingriff nötig, zieht der Kieferorthopäde einen Kieferchirurgen hinzu. Die beiden Experten sollten sich kennen und nicht zum ersten Mal zusammenarbeiten. Wichtig ist, Behandlungsmethoden und Kosten bei mehreren Ärzten zu vergleichen.

Oft liegt die Ursache von Fehlstellungen in den Genen
Oft liegt die Ursache von Fehlstellungen in den Genen

Schiefer Anblick: Die häufigsten Fehlstellungen

Wer mit der Stellung seiner Zähne unzufrieden ist, sollte am besten gleich zu einem Kieferorthopäden gehen

  • Zahnengstand: Die durchbrechende Zähne haben zu wenig Platz im Kiefer und wachsen verdreht oder schief. Der Grund kann sein, dass die Zähne zu groß sind oder der Kiefer zu klein ist. Der größte Teil der Zahnengstände ist erblich bedingt, aber auch mangelnde Mundhygiene im Kleinkindalter oder Zahnveränderungen im Erwachsenenalter können Ursachen sein.
  • Überbiss (Prognathie): die Frontzahnreihe des Oberkiefers steht zu weit vor. Die Oberlippe ist dabei stark vorgewölbt. Dadurch, dass die Lippen nicht richtig geschlossen werden können, kommt es öfter zu Infekten der oberen Luftwege. Außerdem ist die Kariesgefahr stark erhöht.
  • Tiefbiss: Die unteren Frontzähne werden von den oberen vollkommen verdeckt. Unter Umständen beißen die unteren Frontzähne in den Gaumen.
  • Unterkiefervorbiss (Progenie): Die unteren Schneidezähne stehen vor den oberen, der Unterkiefer ist nach vorne geschoben. Die Folge ist ein hervorstehendes Kinn.
  • Offener Biss: Die Zähne klaffen bei geschlossenen Zahnreihen auseinander. Zwischen den Zähnen des Ober- und Unterkiefers entsteht eine deutliche, oft runde Lücke. Schließt der Unterkiefer zu weit vor oder hinter dem Oberkiefer, spricht der Kieferorthopäde von Mesial- bzw. Distalbiss.
  • Kreuzbiss: Ein Teil der Unterkieferzähne ragt seitlich über die Zähne des Oberkiefers hinaus.
  • Diastema: Sichtbare Lücke zwischen den Schneidezähnen, vor allem im Oberkiefer.
  • Verlagerte Zähne: Eckzähne oder Weisheitszähne befinden sich nicht an dem Ort, an dem sie eigentlich sein sollen. Sie bleiben im Kieferknochen. Ein Eckzahn kann beispielsweise im Knochen des Gaumens liegen.
  • Überzählige Zähne/fehlende Zähne: Sie können die restlichen Zähne beim Durchbruch behindern. Fehlende Zähne: Im bleibenden Gebiss können ein oder mehrere Zähne fehlen. Meist sind es die oberen seitlichen Schneidezähne bzw. die unteren kleinen Backenzähne.
Der Schrecken aller Teenager: der Palatinalbogen
Der Schrecken aller Teenager: der Palatinalbogen

Klammertypen: Die Behandlung

Je nach Fehlstellung bietet sich ein Klammertyp an – von der fest sitzenden bis zur herausnehmbaren Spange

Noch einmal die gute Nachricht: Grundsätzlich lassen sich Fehlstellungen in jedem Alter korrigieren: Die schlechte: Das funktioniert nur mit gesunden Zähnen und intaktem Zahnfleisch. Mit Karies und Zahnfleischentzündung im Mund geht's leider nicht. Sitzen die Zähne schief, muss die alt bekannte Zahnspange her. Dabei gibt es drei Typen, die sowohl bei Jugendlichen als auch Erwachsenen verwendet werden.

  • Festsitzende Zahnspangen: Bei besonders schiefen Zähnen empfiehlt der Kieferorthopäde meist feste Zahnspangen. Sie bestehen aus so genannten Brackets – kleine Plättchen, die auf die Zähne geklebt werden – und Drähten, die diese miteinander verbinden. Druckfedern ziehen die Zähne über die Drähte zueinander hin oder voneinander weg. Am Anfang tun die Zähne vor allem beim Essen weh, der Schmerz nimmt jedoch schnell ab. Wer es unauffälliger mag, kann sich für Brackets aus Keramik oder zahnfarbenem Kunststoff entscheiden. Bestimmte Brackets lassen sich sogar auf der Innenseite der Zähne befestigen (so genannte Lingualbrackets).
  • Palatinalbogen/Headgear: Headgears oder Palatinalbögen sind Außenspangen, die sehr auffällig und daher nicht beliebt sind. Hat man jedoch einen Kreuz- oder Überbiss, reicht eine normale Klammer nicht. Das Gebiss muss zusätzlich stabilisiert werden. Headgears bestehen aus einem Metallbogen im Mund und einem, der von den Backenzähnen um den Kopf zum Nacken führt. Man sollte die Klammer 14 bis 16 Stunden pro Tag tragen, über Nacht und ein paar Stunden am Tag reicht meist. Der Vorteil: man muss mit der Klammer nicht zur Arbeit gehen.
  • Herausnehmbare Zahnspangen: Herausnehmbare Spangen sind Drahtbügel, die sich um die Zähne legen und sie gerade biegen. Im Gegensatz zu den festen werden sie nicht an den Zähnen angeklebt. Herausnehmbare Zähne machen leicht schiefe Zähne gerade. Bei Erwachsenen muss jedoch meist die Stellung der Zahnwurzel verändert oder Zähne sollen in Zahnlücken geschoben werden. In diesem Fall bekommt man zuerst eine feste Zahnspange und später eine lockere, die mit der Zeit immer weniger getragen werden muss.


Seit kurzer Zeit gibt es zu den genannten Spangen eine Alternative. Wer nur relativ leichte Fehlstellungen aufweist und keine sichtbare Zahnklammer tragen will, dürfte vielleicht am Invisalign-Konzept (invisible = unsichtbar und align = ausrichten) Gefallen finden. Die Technik stammt aus den USA und zieht per unsichtbarer Kunststofffolie die schiefen Zähne in die gewünschte Position. Bei extremen Fehlstellungen geht das allerdings nicht – da müssen zunächst Spange und Co. ran, den Rest kann wieder die Invisalign-Schiene übernehmen.

Zahnkorrektur bei Erwachsenen zahlt die Krankenkasse in der Regel nicht
Das Sparschwein muss bei einer Zahnkorrektur bluten

Wer übernimmt die Kosten: Zahlt die Krankenkasse?

Die gesetzlichen Kassen zahlen bei Zahnkorrekturen in der Regel nicht. Die Kosten liegen bei mehreren Tausend Euro

Hier die schlechte Nachricht zuerst: „Maßnahmen, die lediglich kosmetischen Zwecken dienen, gehören nicht zur vertragszahnärztlichen Versorgung“, so der Bundesausschuss der Zahnärzte und Krankenkassen. Außerdem übernehmen die gesetzlichen Krankenversicherungen nicht die Behandlung von Patienten über 18 Jahren. Es sei denn, es liegen schwere Kieferanomalien vor. Das sind optische Abweichungen von der Norm. Dazu gehört beispielsweise ein Überbiss von mehreren Zentimetern. Die Kosten, um einen solchen Kiefer zu korrigieren, übernimmt die Kasse. Dabei muss der Kiefer noch nicht einmal weh tun. Auf der anderen Seite bedeutet das: Leidet ein Patient unter starken Kieferschmerzen, doch sein Kiefer fällt nicht in das Anomalie-Schema, zahlt die Kasse die Kosten für die Operation nicht.

Zahlt die Kasse die Operation und die kieferchirurgische Behandlung, muss der Patient zunächst 20 Prozent zuzahlen, die er aber am Ende der Behandlungszeit zurückbekommt. Geht es nur um einen „Schönheitsfehler, fällt er wie oben beschrieben nicht in das Schema, muss er die gesamten Kosten tragen.

Viele private Krankenversicherungen hingegen richten sich nicht nach den Kriterien der gesetzlichen Kassen; sie übernehmen daher schon eher die Kosten für die Behandlung. Es hängt stark von den Vertragskonditionen ab, ob sie die Kosten für eine Zahnkorrektur übernehmen.

Zahnkorrekturen kosten viel Geld
Autsch, Zahnkorrekturen sind teuer!

Teuer!: Zahnkorrekturen kosten bis zu 10.000 Euro

Die Kosten und die Dauer einer Behandlung variiert je nach Fehlstellung der Zähne, Problem, Dauer der Behandlung und Sichtbarkeit der Spange

Grundsätzlich ist die Behandlung bei Erwachsenen länger und aufwändiger und kostet deshalb auch mehr als bei Jugendlichen. Werden Ober- und Unterkiefer behandelt, muss meist eine festsitzende Zahnspange eineinhalb bis zwei Jahre getragen werden. Danach wird ein Jahr lang eine lockere Spange zur Stabilisierung getragen, die im vierten Behandlungsjahr langsam abgesetzt wird. Die Kosten für eine solche vierjährige Behandlung liegen zwischen 5000 und 10.000 Euro. Allerdings gilt: Je unscheinbarer die Spange ist, desto teurer wird die Behandlung.

Sind nur kleine Korrekturen notwendig, ist die Behandlungszeit kürzer und die Gebühren wesentlich geringer. Wer Zahn- oder Kieferprobleme hat, sollte immer langfristig denken: Wer gerade Zähne hat, muss nicht so oft zum Zahnarzt gehen, hat seltener Karies oder Parodontitis, braucht seltener Füllungen und Zahnersatz. Außerdem kann man die Kosten für die Behandlung von der Steuer absetzen.

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