Arbeit auf Zeit: Nie da gewesener Druck

Auch an der Gesundheit anderer wird gespart
Auch bei medizinischem Personal geht man oft das Risiko von Überarbeitung ein

70 Prozent gaben in einer Umfrage an, sie hätten derzeit Angst, ihren Job zu verlieren

Die psychische Belastung durch den Job entsteht aber nicht nur durch die Zahl der Stunden, die er fordert. Nach den Ergebnissen verschiedener Studien muss innerhalb der Arbeitszeit auch deutlich mehr geleistet werden als früher. Als wichtigster Stressfaktor gilt insbesondere Zeitdruck, es folgen ein übergroßes Arbeitspensum und mangelnde Führungsqualität der Vorgesetzten.

„Wie wir die Leute hier abfertigen müssen, das macht mich am meisten kaputt“, sagt Altenpfleger Hendrik Maienberg (29) aus Olpe. „Wir sind einfach zu wenige, um uns wirklich um die Leute kümmern zu können. Man hat nicht Zeit, einen Bewohner eine Stunde lang zu füttern, aber wenn man es nicht tut, bleibt nur die Magensonde.“ Am Wochenende ist er manchmal alleine für 21 Menschen verantwortlich. „Wenn ich dann in ein Zimmer komme, in dem ein Bewohner schon lange in seinem eigenen Schmutz liegt, könnte ich alles hinwerfen.“

Gründe
Die Ursachen für den nie da gewesenen Zeitdruck sind vielfältig. Oftmals ist nach Entlassungen und Stellenkürzungen die zu bewältigende Arbeit dieselbe. Die Zurückbleibenden müssen nicht nur ein größeres Arbeitspensum, sondern auch mehr Verantwortung übernehmen. „Die Leute werkeln an immer mehr Baustellen“, sagt DGB-Mann Dombre. „Kombiniert mit der Masse an Information, die sie verarbeiten müssen, werden sie schnell zum Hamster im Rad: Wie schnell und lange sie auch rennen, sie kommen nie an.“

Auch die modernen Kommunikationsmittel werden immer häufiger zum Fluch, weil sie die Mitarbeiter in der Freizeit an den Job fesseln können. Neu sind auch der Konkurrenzkampf sowie die Umgangsformen, die mit der Globalisierung einhergehen. Wiegand, der bei seiner Firma für Arbeitsschutz zuständig ist, bekommt heute noch einen roten Kopf vor Wut beim Gedanken an die jüngste Betriebsversammlung. „Da musste sich die ohne Ende ackernde Belegschaft noch anhören, sie verdienen zu viel. Kollegen im ostdeutschen Werk würden die gleiche Arbeit für ein Viertel weniger machen, die Polen für die Hälfte.“ Dombre kennt solche Sprüche. Er hat keinen Zweifel: „Die Jobangst ist für die Arbeitgeber ein willkommener Nebeneffekt der Entlassungen, um die Belegschaften zu disziplinieren und noch mehr aus ihnen herauszuholen.“

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