Penis-Special: Ziehen, schneiden, fertig

Das sollten Sie über Ihren Penis wissen
Beschneidungen gehören zu Routinebehandlungen der Urologen

Wer trennt sich schon von Liebgewordenem. Einige tun es trotzdem

Beschneidungen gehören zu den Routinebehandlungen vieler Urologen, trotzdem deutsche Männer trennen sich nicht gern. Grund: Die meisten „hängen an ihrer Vorhaut“, so der Urologe Professor Hartmut Porst aus Hamburg. Und die Entscheidung will reiflich überlegt sein, denn eine operative Wiederherstellung der Vorhaut ist nicht möglich.

Methoden: Verschiedene Techniken kommen bei diesem folgenschweren Schnitt zum Einsatz: Während bei der Knabenbeschneidung die Vorhaut in die Länge gezogen und oberhalb der Eichel abgetrennt wird, hat sich bei erwachsenen Patienten die plastische Vorhautentfernung durchgesetzt, die bei allen Fachärzten medizinischer Standard ist. Die Haut wird nicht einfach in einem Querschnitt abgetrennt, sondern zurückgezogen und an der bisherigen Kante ringförmig aufgeschnitten.

Mit einem zweiten Schnitt unterhalb der Eichelfurche entsteht ein Hautstreifen, der nun abgetragen wird. Anschließend werden die beiden Ränder miteinander vernäht. Die ehemalige Kante der Vorhaut, die sich vor der Eichel befand, liegt nun unter ihr, die Naht ist nicht sichtbar. In diesem Punkt ist die plastische Zirkumzision dem „Ziehen, schneiden, fertig“-Verfahren der Beschneidung von Säuglingen deutlich überlegen: Wird hier zuviel Haut entfernt, liegt die ehemalige Innenseite der Vorhaut außen und ist etwas heller und zarter als die Haut am Penisschaft. In seltenen Fällen kommt es sogar vor, daß so viel Haut entfernt wird, daß sie bei einer Erektion nicht mehr vom Penisschaft über die Eichel geschoben werden kann.

So geht's: Beschneidung

Sexleben ade: Die Zeit heilt alle Schwänze, aber ein Vergnügen werden die ersten zwei Wochen nicht. Zum Nähen wird zwar selbstauflösender Faden verwendet, so daß dem Patienten das Fädenziehen erspart wird. Weil die Wunde jedoch in den ersten Tagen sehr schmerzempfindlich ist, ist Standhaftigkeit nicht gefragt – eine Erektion wird leicht zur Qual. Am einfachsten zu vermeiden ist die morgendliche Versteifung des Penis. Sie dient dazu, den Druck auf den Blasenschließmuskel zu erhöhen, der nach acht Stunden Schlaf einiges zurückzuhalten hat. Ein Wecker, auf vier Uhr gestellt, damit die Harnblase zwischendurch geleert werden kann, verhindert ein schmerzhaftes Erwachen.

Autsch nach der OP: Wenige Tage nach der Operation wird der Verband entfernt, und Sie werden das Bedürfnis haben, dem Erfinder des Weichspülers ein Denkmal zu setzen – auf knisternd harte Unterhosen reagiert Ihre Eichel mit einem gequälten Aufschrei, den zwar nur Sie hören, aber dafür laut und deutlich. Die Überempfindlichkeit hält bis zu zwei Monate an: Die Haut auf der Eichel wird nur langsam dicker und das Gehirn braucht Zeit, bis es die überflüssigen und schmerzhaften Reize „aussortieren“ kann.

Das Warten lohnt sich: Sex wird von Männern, die relativ spät beschnitten wurden und daher vergleichen können, als deutlich anregender empfunden. Bei manchen dauert es länger, bis sie zum Orgasmus kommen, weil die Eichel, wie beschrieben, gegen Impulse abstumpft – für einen Mann mit vorzeitigem Samenerguß ist das also durchaus vorteilhaft. Andere kommen schneller, weil die Eichel völlig freiliegt und damit mehr Oberfläche zur Aufnahme von Reizen bietet. So oder so: Nach einer Vorhautentfernung ist Sex nie wieder so, wie er war.

Neugierig geworden?: Wenn ja, sollten Sie zuerst Ihren Urologen um ein ausführliches Gespräch bitten. Falls der etwa halbstündige Eingriff (der mit örtlicher Betäubung durchgeführt werden kann) medizinisch notwendig ist, wird er von der Krankenkasse gezahlt. Andernfalls müssen Sie nach der Gebührenordnung für Urologen mindestens 80 Euro zahlen.

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