Mit Hirnschrittmacher ins Fitness-Camp

Trotz oder gerade wegen seiner Parkinson-Erkrankung ist Uwe Tempelmann heute fit wie nie zuvor
Trotz oder gerade wegen seiner Parkinson-Erkrankung ist Uwe Tempelmann heute fit wie nie zuvor

Uwe Tempelmann wollte unbedingt einmal an einem Fitness-Camp teilnehmen. Doch es war nicht sein Alter, das dem 55-Jährigen im Weg stand, sondern eine erschütternde Diagnose: Parkinson

Die ersten Symptome bemerkte der Friseur bei der Arbeit. „Morgens zitterten meine Hände oft so stark, dass es sogar den Kunden auffiel“, sagt er. Also begann er nach der Ursache zu suchen. Jeden Morgen stolperte er wie ein alter Mann aus dem Bett – steif und ungelenkig. Deshalb war er nicht sehr überrascht, als er die Diagnose Parkinson bekam.

Die Krankheit lässt Nervenzellen im Gehirn verkümmern, die den Botenstoff Dopamin produzieren. Dadurch erstarren meist die Gesichtszüge, Arme und Beine beginnen zu zittern und Bewegungen werden steif und ruckhaft. Für Uwe bedeutete das, dass er die Schere vorerst aus der Hand legen muss. Aufgeben? Kam gar nicht in Frage! Im November 2013 wurde ihm dann ein Hirnschrittmacher (THS) eingesetzt. Das Gerät in seiner Brust ist über Kabel mit seinem Gehirn verbunden und stimuliert dort die Region, in der Dopamin ausgeschüttet wird.

Die Krankheit weckt seinen sportlichen Ehrgeiz

Damit  ging es ihm besser: Das Zittern war weg. Die Ärzte sagten er soll beweglich bleiben, also ging er zum Reha-Sport und besuchte eine Parkinson-Gruppe. „Das war nichts für mich. Dafür bin ich doch noch viel zu jung!“ Ein Alternativ-Programm musste her. „Schon im Krankhaus hatte ich mir die Men’s Health gekauft – schließlich musste ich jetzt ja fitter werden“, erzählt Tempelmann. Beim Blättern stieß er auf eine Ankündigung des Men’s Health Camps in Andalusien. Das war es: „Ich las von dem Camp und wusste sofort: Das will ich unbedingt noch machen, bevor mich die Krankheit daran hindert“, sagt er. Wann es so weit sein wird, kann niemand sagen. Deshalb versucht er diesen Moment so weit wie möglich hinauszuzögern: Mit Sport.

„Mit Parkinson und 55 Jahre ins Fitness-Camp? Das schaffst du nie!“, musste er sich von vielen anhören. Doch von den Sprüchen seiner Kumpels, die selbst seit ihrer Jugendzeit keinen Sport mehr gemacht hatten, ließ er sich nicht einschüchtern. Natürlich war ihm klar, dass er nicht direkt vom Krankenbett ins Fitness-Camp fliegen kann. Um dieses Camp zu überstehen, musste er erstmal eine Grundfitness aufbauen. Tempelmann meldete sich im Fitnessstudio an und begann an 4 Tagen pro Woche zu trainieren. Mit der Hilfe eines Personal Trainers und Grundübungen wie Kniebeugen, Kreuzheben und Co. wurde er schnell kräftiger. „Das fühlte sich einfach toll an!“ Der Ehrgeiz war geweckt! 11 Monate trainierte er, bevor er sich tatsächlich für das Camp anmeldete. Trotz seiner 55 Jahre, trotz Parkinson. Ein Triumph! Die anfängliche Nervosität verflog schnell, als Uwe schon am Flughafen auf Gleichgesinnte traf: „Mit den Jungs war ich einfach auf einer Wellenlänge – das war viel besser als diese lahmen Parkinson-Treffen.“ Im Camp gab er dann Vollgas: Eine Woche lang 2 Trainingseinheiten vormittags, 2 Stunden Sport nachmittags. „Ich war zwar rein optisch nicht der sportlichste Teilnehmer, aber mit meiner Vorgeschichte sehr stolz alles mitmachen zu können“, sagt Tempelmann. Als Anerkennung bekam er am Ende der Woche vom Camp-Leiter eine Ehrenurkunde überreicht. Uwe Tempelmann hat sich seinen Traum erfüllt. Heute fühlt er sich fitter als mit Mitte Zwanzig. Ohne die Erkrankung wäre es wohl nie dazu gekommen. Doch auch nach dem Camp geht es für ihn weiter. Gerade trainiert er 5-mal in der Woche um auch optisch in die Form seines Lebens zu kommen. Sein nächste Ziel: „Bis Weihnachten hätte ich gern ein Sixpack!“ 

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