Best-Age-Revolution: Zukunftsforschung sagt längere Jugend voraus

Matthias Horx, Gründer des Zukunftsinstituts

Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx stellt seine sechs Thesen zur Best-Age-Revolution vor

Negative Bilder prägen die Diskussion, wenn man vom Altern spricht: Vergreisung der Gesellschaft, Rentenkatastrophe, Krieg der Generationen, ein Schock, der – glaubt man FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher und seinem "Methusalem-Komplott" – "mit dem der Weltkriege vergleichbar ist". Das ist die Sprache des Krieges, der Mobilmachung gegen einen imaginären Feind, den wir auf diese Weise vielleicht erst aufbauen. Stellen wir die Gegenfrage: Wer sagt denn, wie alt eine Gesellschaft sein kann, darf, muss?

Matthias Horx, Gründer des Zukunftsinstituts
1997 gründete Horx das Zukunftsinstitut bei Frankfurt am Main, das für mehr "Future Fitness" in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik eintritt

1. Wir werden nicht immer älter, sondern bleiben länger jung
Vergessen Sie die Schreckensszenarien, dass immer mehr Alte unser Land dominieren und irgendwann keifend, kratzend, gebissklappernd an die Tür klopfen, um unser letztes Hab und Gut zu fordern. Tatsache ist, dass die durchschnittliche Lebenserwartung der Männer auf 75,6 Jahre und die derFrauen auf 81,3 Jahre gestiegen ist. Und da dieser Trend anhält, können Männer, die heute 60 Jahre alt sind, damit rechnen, 80 Jahre alt zu werden.

Verändertes Gesundheitsverhalten, mehr Sport, gesündere Ernährung, bessere medizinische Versorgung und vor allem psychosoziale Faktoren wie ein erfülltes Leben, eine gute Partnerschaft und Sex führen dazu, dass sich die Alterungsphasen deutlich nach hinten verschieben: 50-Jährige sind heute biologisch eher 40-Jährige, 60-Jährige eher 50-Jährige usw. Und 40- oder 50-Jährige heute sehen anders aus, bewegen sich anders, denken jünger als vor 50 oder 100 Jahren.

2. Wir erleben mehr in unserem Leben als unsere Eltern
Im industriellen Zeitalter durchschritten die meisten Menschen eine dreiteilige Biografie: Der Jugend und Ausbildung folgte die Erwerbs- und Familienzeit, um dann schon mit dem Ruhestand die Lebenskurve zu beenden. Im Wissenszeitalter schiebt sich zwischen Jugend und den Ernst des Lebens eine Experimentierphase, in der man reist, sich selbst verwirklicht und beruflich mehrfach orientiert.

Erlernt wird auch die "serielle Monogamie" als Beziehungskonzept der modernen Gesellschaft – man ist dem jeweiligen Partner treu, aber hintereinander weg. Im Alter zwischen 50 und 60 Jahren kommt es zu einem zweiten Aufbruch, einer Phase der Neuorientierung und Repositionierung. In diesem Alter brechen immer mehr Menschen neu auf, formulieren neue Pläne für eine Lebensphase, die sie nicht mehr als Niedergang, sondern als planbare Lebensphase begreifen.

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