Es besagt nämlich nur, dass die Klamotte in irgendeiner Form an Ihre Körpermaße angepasst wird. Es ist aber nicht klar, in welchem Umfang und mit welchem Erfolg dies geschieht.
Genauso enthält der Begriff keinen Hinweis auf die Verarbeitungsqualität. Die Gleichung „Maßkleidung gleich Schneiderarbeit“ oder „Maßkleidung gleich Handarbeit“ geht jedenfalls nicht auf. Je nach Preis wird der Anzug billig zusammengehauen oder nach allen Regeln der Kunst sorgfältig genäht.
Als Laie lässt sich schwer abschätzen, ob der Anzug in Handarbeit gefertigt wurde. Der Anbieter rückt nicht immer mit der Wahrheit über sein Produkt heraus. Doch zum Glück sagt der Preis einiges. Wenn der Anzug wirklich nach Schneiders Art verarbeitet wird, kann er nicht viel weniger als 1000 Euro kosten. Vorausgesetzt, der Stoff liegt preislich im Mittelfeld.
Und was heißt nach Schneiders Art? Die Einlagen müssen pikiert sein. Das heißt, die Vorderfront der Jacke wird durch Leinen und Baumwollstoff (die „Einlage“) von innen verstärkt, damit die Brust Form bekommt und die Revers sich schön rollen. Die Industrie klebt die Einlage von innen an den Oberstoff, der Schneider stellt die Verbindung mit Nadel und Faden her.
Punkt zwei: Die Knopflöcher müssen unbedingt von Hand umsäumt sein. Man erkennt das daran, dass die Stoffkante des Knopflochs vom Faden sozusagen ummantelt ist, bei Maschinenknopflöchern wird nur eine Kontur um das Loch herum gestickt. Ob man den Ärmel aufknöpfen kann, ist dagegen irrelevant, denn das hat damit nichts zu tun. Außerdem gehören zum Schneideranzug handgenähte Kanten an den Revers und Taschenklappen, Knöpfe aus Naturmaterialien wie Büffelhorn oder Steinnuss (und nicht aus Plastik) und ein von Hand eingenähtes Ärmelfutter.
Ein 300-Euro-Anzug kann all das nicht bieten. Wer sich von einer Maßanfertigung auch hohe Qualität verspricht, darf sich deshalb nicht vom Herumgefuchtel mit Maßband und Stoffbündeln täuschen lassen.






















































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