In den Ernährungskursen des Adipositas-Programms gibt es keine Zaubertricks zu lernen oder fancy Kochrezepte à la Jamie Oliver. „Das hätte ja keinen Sinn“, so Dr. Guido Veile, in Warendorf zuständig für die Ernährungsschulung. „Für diese Soldaten gibt es die gleiche Truppenverpflegung wie für die anderen auch. Da wird für niemanden extra gekocht.“ Also lernen die rundlichen Rekruten, sich für die gesünderen, weniger fettigen Speisen zu entscheiden. Das Richtige auszuwählen und miteinander zu kombinieren. Reis statt Kartoffeln, Pute statt Schwein.
Mittlerweile gibt es in den meisten Kantinen eine Salatbar, in einigen sogar ein Fitness-Menü. In der Sportschule stehen heute zwei Gerichte zur Auswahl: Schweinebraten mit Kartoffeln, Gemüse und Salat oder Nasigoreng. Ole Franke nimmt nur ein Schälchen gedünstetes Gemüse und bedient sich dann an der Salatbar.
Michael Kerk nimmt das Nasigoreng. Früher wären beide nach nebenan gegangen, in den Heimbetrieb, und hätten sich dort Currywurst mit Pommes einverleibt. Einen solchen Betrieb – ein von Privatleuten betriebenes Restaurant – gibt es auf beinahe jedem Kasernengelände. Viele der Soldaten geraten dort in einen Kalorien-Hinterhalt. „Ich kannte einige Kameraden, die haben dreimal am Tag im Heimbetrieb gegessen und sich dann abends um 22 Uhr noch das Pizzataxi auf die Stube bestellt“, erzählt Michael Kerk. Ole Franke nickt dabei stumm, ein wissendes Lächeln auf seinem Gesicht.
Das Nasigoreng sieht aus wie das von Iglo, das Mama früher aufgewärmt hat, wenn sie keinen Bock aufs Kochen hatte. Es schmeckt aber ganz gut. „Im Ausland ist das Essen meist besser“, sagt Kerk. „Nichts verdirbt die Stimmung im Camp mehr als eine miese Küche.“ Die Ansprüche bei Auslandseinsätzen sind hoch – auch an die Köche. In großen Camps gibt es neben gutem Essen sogar ein Fitness-Zelt mit Gewichten, Crosstrainern und gelegentlich auch Laufbändern.
Bei einem sechs-monatigen Aufenthalt in Skopje, Mazedonien, hat sich Michael Kerk als Logistik-Fachmann sogar selbst darum gekümmert, dass Sportgeräte rangeschafft werden. „Aber längst nicht alle nutzen diesen Kram“, sagt er mit einem Grinsen. „Einige stapeln lieber die Bierdosen im Betreuungszelt, um sich damit die Zeit zu vertreiben. Kannst halt niemanden zwingen.“
Jeder Soldat kommt freiwillig nach Warendorf. Es gibt keinen Befehl zum Abnehmen. Es gibt den so genannten Sportbefehl, der Soldaten dazu antreiben soll, sich körperlich in Form zu halten. Aber wenn der Soldat IT-Experte ist wie Ole Franke und sich neben seinem PC die Akten stapeln, hat die Arbeit Vorrang. Das geht dann so weiter, bis es bei manchem zu weit geht.
Für Piloten und Panzergrenadiere gibt es ungefähre Vorgaben, wie schwer und wie dick sie sein dürfen – wer nicht mehr durch die Luke passt, hat ein Problem. Aber wer nur mit dem Kopf und den Fingern arbeitet, kann ansonsten aussehen, wie er will. Dies ist ein freies Land, das gilt auch für diejenigen, die diese Freiheit verteidigen.
Auch die Uniform bietet keine Grenze. „Uniformen für 150-Kilo-Männer bekommen Sie locker“, sagt Ole Franke, und er muss es wissen. „Und was Sie nicht sofort bekommen, das wird angefertigt“, fügt Michael Kerk hinzu. Mittlerweile werden Kerk und Franke nicht mehr im Rahmen des Adipositas-Programms beraten, sondern im Rahmen der Sportlerbetreuung.












































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