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Leistungsschwimmer wie Paul rasieren sich vor Wettkmp;auml;mpfen von Kopf bis Fuß, um an ihrer Stromlinienform zu feilen. "Das bringt auf 100 Metern bis zu eine Sekunde Zeitersparnis", erklärt Schwimm-Experte Hahn. Ein Problem ist allerdings die Beschaffenheit der menschlichen Haut. "Im Vergleich zu Fischen ist sie wabbelig. Überall dort, wo beim Schwimmen kleine Falten entstehen, bilden sich winzige Verwirbelungen. Zusammen genommen erzeugen sie einen Wirbelwiderstand, der eine große Bremskraft hat."
Die Wissenschaft tüftelt daher schon seit geraumer Zeit an Materialien für Schwimmanzüge, die den Fischhäuten nachempfunden sind. Seit den Olympischen Spielen von Sydney im Jahr 2000 zwängen sich immer mehr Leistungsschwimmer in die eng anliegenden Ganzkörper-Overalls, mit deren Hilfe sie sich einen Weltrekord nach dem anderen angeln. Wie Paul bei der Schwimm-WM in Rom. Embacher beziffert den Effekt des Hightech-Materials im 200-Meter-Finale auf eineinhalb Sekunden. "Es reduziert nicht nur den Wasserwiderstand, sondern sorgt auch für einen besseren Auftrieb", erklärt er. Der Weltmeister selbst ist dennoch dafür, die Kunststoff-Anzüge so schnell es geht aus den Wettkampfbecken zu ziehen. "Im Moment muss jeder einen tragen, um vorn mitschwimmen zu können", erzählt er. "Aber unterm Strich ist es ein viel zu großes Hilfsmittel. Ich vergleiche das gerne mit Hochspringern: Was, wenn die anfangen würden, Sprungfedern unter ihre Schuhe zu schnallen – und niemand sagt etwas dagegen?"
Nach zähen Diskussionen hat das nun auch der Schwimmweltverband FINA eingesehen: Ab 1. Januar 2010 sind die Schwimmhäute verboten. Dann sollen Athleten wieder in Badehosen ins Wasser springen. Paul ist sich sicher: Seine Weltrekord-Zeiten wird er auch ohne Anzug erreichen können – auch wenn es noch eine ganze Weile dauern kann.
Pauls Erfolgsgeheimnis ist der Killerinstinkt
Paul scheut sich auch nicht vor großen Persönlichkeiten. "Sein Erfolgsgeheimnis ist der Killerinstinkt", sagt der Trainer. "Er hat keine Angst vor großen Namen. Im Gegenteil: Es motiviert ihn wahnsinnig, diese herauszufordern." Wer Paul abseits der Wettkämpfe begegnet, spürt von seinem außergewöhnlichen Biss ebenfalls wenig. Selbst nachdem er Phelps in Rom regelrecht versenkte, wirkte er vor den Fernsehkameras ganz gelassen. Kaum zu glauben, dass dieser Mann eine Leidenschaft für schwere Heavy-Metal-Musik hat! Doch sie hilft ihm auch, auf Knopfdruck eine breite Brust zu zeigen: "Schnelle Gitarren pushen mich ungemein", erzählt er. Oft setzt er seine Kopfhörer erst wenige Minuten vorm Startsprung ab. Dann ist er bereit für den Kampf.
Paul Biedermann in Zahlen
Alter 23 Größe 1,94 Meter Gewicht 95 Kilo
Disziplin Freistil Wohnort Halle/Saale
Website www.paul-biedermann.de
Größte Erfolge
- Weltmeister über 200 und 400 Meter (2009),
- Europameister über 200 Meter, 5. Platz bei Olympia über 200 Meter (2008)
Bestleistungen
- 1:40,83 Minuten auf 200 Meter (Weltrekord)
- 3:40,07 Minuten auf 400 Meter (Weltrekord)
Nächste Wettkämpfe
- 14.–15.11. Kurzbahn-Weltcup, Berlin
- 26.–29.11. Deutsche Kurzbahn-Meisterschaft, Essen
- 10.–13.12. Kurzbahn-Europameisterschaft, Istanbul
Mit sechs Jahren begann Pauls Karriere beim SV Halle. "Beim ersten Mal bin ich zwar noch durch die Seepferdchen-Prüfung gefallen, danach habe ich aber richtig geübt", erzählt er. Mit Erfolg: 1996 wurde er ins Sportgymnasium Halle aufgenommen, 1999 übernahm Frank Embacher sein Training. Die ersten internationalen Erfolge hatte er 2004, als er Junioren-Europameister über 200, 400 und 1500 Meter wurde. Den Durchbruch schaffte er im Jahr 2008: Gold über 200 Meter bei der EM. Bei der diesjährigen WM in Rom kam es dann zu der Sensation: Zuerst brach er den sieben Jahre bestehenden Rekord des Australiers Ian Thorpe über 400 Meter und zwei Tage später schlug er in einem spektakulären Rennen über 200 Meter den 14-fachen Olympiasieger Michael Phelps.














































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