Dass das Workout mit Musik mehr Spaß macht, weiß jeder Fitnessfreak. Und bei der richtigen Musik juckt es einem nicht nur in der Disko in den Beinen. Dass diese Binsenweisheit aber nicht nur bei Gesunden gelten, hat ein amerikanischer Musiktherapeut herausgefunden. Er macht mit den richtigen Rhythmen Gehbehinderten Beine. Und Berliner Wissenschaftler gehen sogar noch weiter: Sie behaupten, mit Musik die Leistung von Spitzensportlern steigern zu können.
Michael Thaut, Musiktherapeut an der Colorado State University, fand heraus, dass es eine schnelle Verbindung zwischen den Hörzentren und dem Bewegungszentrum im Gehirn gibt. In Experimenten konnte er nachweisen, dass Rhythmen direkt und unbewußt Bewegungen des Körpers stimulieren.
Der Therapeut vermutet, dass dieser Mechanismus dem Menschen hilft, sich in seiner Umwelt besser zu bewegen. Er sei zum Beispiel effektiv für die reflexartige Flucht bei einem ungewohnten Geräusch.
Dieses Wissen nutzte Thaut für einen besonderen Therapieansatz: Patienten mit Schlaganfall lernten bei ihm das Gehen im Takt von Marschmusik – mit Erfolg. Normalerweise noch unsichere Kranke bewegen sich automatisch geschmeidiger und konnten nach einiger Übung auch ohne die Musik wieder besser gehen.
Seine Ergebnisse stellte, der Forscher kürzlich bei einem Kongress in London vor. Andere Forscher belegten, dass Musik die Motorik bei allen Bewegungen unterstützt – nicht nur bei rhythmischen wie dem Gehen.
<b>Musik als Dopingmittel</b>
In eine ganz andere Richtung wollen Bonner Wissenschaftler Musik als Trainingsverstärker benutzen. Heinz Mechling und Alfred Effenberg von der Uni in Bonn haben die Bewegungen von Sportlern vertont. Die Klänge sollen den Athleten zeigen, in welchen zeitlichen Abläufen sie ihre Kräfte einsetzen müssen, um ihre Bewegungen noch effektiver und dynamischer zu machen.
Dazu bestimmten die Wissenschaftler die biomechanischen Kräfte eines Bewegungsablaufes an den entscheidenden Körperstellen: Bei Brustschwimmern zum Beispiel an Körperschwerpunkt, Hand- und Fußgelenken, bei Tänzern an den Füßen. Diese Daten gaben sie in einen Computer und ließen sie in verschiedene, passende Töne umsetzen und so das entsprechende Musikstück für jede Sportart zu komponieren.
Die Wirkung der Musik entspricht einem akustischen Dopingmittel: Mechling sagt, dass die musikalische Unterstützung Leistungssportlern mehr hilft als Videoaufnahmen ihrer Bewegungsabläufe. Die Athleten könnten nämlich intuitiv erfassen, was man auf den Videos nicht erkennen kann. Auch beim Lernen von Bewegungen sei die Musik hilfreich, kann sie doch als Untermalung während des Trainings das Gefühl für die gewünschten Bewegungsabläufe vermitteln.
Für eine kommerzielle Ausnutzung ihrer Idee fehlt den Bonnern allerdings noch der Industriepartner.












































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