Jetzt am Kiosk
E-Mag
5 deutsche Top-Athleten verraten, was sie stark macht

Paralympics LaufenAuf die Tartanbahn mit Matthias Schröder

14.08.2012 , Autor:Oliver Bertram © MensHealth.de

Matthias Schröder gibt nicht nur auf der Tartanbahn Vollgas. Trotz 0,8 Prozent Sehstärke und Laufguide. Seine besten Tempotipps, inklusive Videointerview

Videointerview mit Läufer Matthias Schröder und seinem Guide Tobias Schneider
Teilen
Kommentare

0 Kommentare

Kommentar schreiben

Schlagworte

Kraftausdauer, Lauftraining

Matthias Schröder 29 Jahre alt, 1,84 Meter groß, 83 Kilo schwer

Disziplin: Sprint (200 Meter und 400 Meter)

Größte Erfolge: Paralympics-Sieger 2008 über 400 Meter, Zweiter bei den Weltmeisterschaften 2011 über 200 Meter

Bestleistungen: 200 Meter in 21,91 Sekunden (Europarekord), 400 Meter in 49,29 Sekunden (deutscher Rekord)

Handicap: Er ist sehbehindert, Sehstärke derzeit: 0,8 Prozent

Homepage: www.matthias-schroeder.net

Erfolgsmotto: »Wenn du eine Chance siehst, ergreife sie!«

Vergrößerte Ansicht
Matthias Schröder (vorne) und sein Guide Tobias Schneider geben nicht nur auf der Tartanbahn Vollgas
Schröder und sein Guide Schneider: Die beiden sind ein Herz und eine Seele © Sebastian Hänel

Matthias Schröder hat drei große Ziele. Erstens peilt der Sprinter bei den Paralympics eine Medaille an. Zweitens möchte er unbedingt einen Fallschirmspringerschein machen. Und drittens möchte er sich seine restliche Sehfähigkeit, die momentan bei weniger als 1 Prozent liegt, möglichst lange erhalten.

Für das erste Ziel trainiert der Industriekaufmann aus Berlin fast täglich zusammen mit Tobias Schneider, seinem Lauf-Guide, der zurzeit noch studiert. Schröder: „Tobias zeigt mir, wo es langgeht.“ Das zweite Ziel hat er fest für die Zeit nach seiner Leichtathletik-Karriere eingeplant. Bei Ziel Nummer drei aber kann ihm niemand helfen: Schröder leidet unter einer seltenen Augenkrankheit, die nach und nach seine Netzhaut zerfrisst. „Es kann sein, dass ich noch 30 Jahre lang alles so schemenhaft erkennen kann wie jetzt. Vielleicht sehe ich aber auch schon kurz nach diesem Interview plötzlich gar nichts mehr“, sagt Schröder. In dieser quälenden Situation der Ungewissheit ist nur eines klar: „Besser wird’s nicht mehr.“

Das gilt auch für das Verhältnis zwischen Schröder und Schneider. Die beiden sind ein Herz und eine Seele, „beste Freunde“, wie Schröder sagt. Das gute Verhältnis ist die Voraussetzung für ihren Erfolg, denn die beiden verbringen viel Zeit miteinander: 6-wöchige Trainingslager, Unterbringung im gemeinsamen Doppelzimmer, tägliches Training – keine Seltenheit, schon gar nicht während der Vorbereitung auf die Paralympischen Spiele. Dort lief Schröder vor 4 Jahren, als es um seine Sehkraft noch besser bestellt war, zu Gold – ohne Guide. Danach entschied er sich für den Mitläufer: „Ich kann die weißen Linien kaum noch erkennen. Geradeaus kann ich Vollgas geben, aber ich verpasse jede Kurve.“ Die zeigt heute sein Guide Schneider an. Ohne Worte, ohne ihn in die richtige Richtung zu drängen, denn beides ist im Wettkampf nicht erlaubt. Was bleibt, sind Vertrauen und Intuition – die beiden verstehen sich wahrlich blind. „Und über ein wenig Kommunikation, die keiner mitkriegt“, verrät Schneider. Das Wettkampf-Reglement ist streng: Guide Schneider darf keinen Millimeter vor Schröder laufen, sonst werden sie disqualifiziert. Gleiches gilt, wenn der Guide mehr als 52 Zentimeter hinter den Läufer zurückfällt oder vor ihm durch das Ziel geht. „So nehme ich auf den letzten 5 Metern immer den Gang raus“, sagt Guide Schneider.

Ansonsten geben beide immerzu Vollgas, auch im Training. 6 Tage pro Woche müssen sie ran, nur sonntags ist frei. Trainingsschwerpunkte sind Sprint-Intervalle, die sich in einer typischen Woche etwa so verteilen: „Montags kurze Läufe über etwa 30 Meter, aus dem Lauf heraus; dienstags 2 Serien mit je 6 Läufen über 100 oder 200 Meter, dazwischen immer 10 bis 15 Minuten Pause“, erklärt Schröder, der auch als Weitspringer schon Erfolge feierte und mit 7,47 Meter in seiner Handicap-Klasse den Weltrekord hält. Mittwochs trainieren die beiden Kraft und Technik (siehe Übungen, links), und am Donnerstag stehen längere Läufe über 300 bis 500 Meter an. „Freitags trainieren wir mit Zugband, samstags steht dann Ausdauer auf dem Programm“, ergänzt Guide Schneider.

Der bekommt schon bald Konkurrenz – Schröder hat sich nämlich für einen weiteren Helfer entschieden: einen auf vier Pfoten, für den Alltag: „Ein Blindenhund schützt mich auch vor mir selber.“ Damit spielt Schröder auf seinen Freiheitsdrang an, der von einem Gedanken getrieben ist: „Ich lasse mir nicht vorschreiben, was ich machen kann und was nicht, auch nicht von meinen Augen.“ Das hat schon zu der einen oder anderen brenzligen Situation geführt, etwa beim Mountainbike-Downhill oder, ganz banal, beim Überqueren einer Straße. „Einmal habe ich es bloß noch quietschen hören – dann stützte ich mich mit der Hand auf einer warmen Motorhaube ab.“

Sein wichtigstes Utensil für den Alltag hilft Schröder in solchen Fällen nicht: Es ist eine kleine Handlupe. Neben Schneider ist sie seit Jahren sein treuester Begleiter. „Damit checke ich die Preise im Supermarkt, und SMS kann ich damit auch lesen“, sagt Schröder und führt es vor, wobei seine Nase das Handydisplay fast berührt. Eine ähnliche Verbeugung macht er beim Blick in seine Sporttasche. Da ist alles in kleinen Plastiktüten vorsortiert: eine für das Wettkampf-Outfit, eine für die Trainingskleidung, eine fürs Duschzeug und so weiter: „Sonst suche ich mir ’nen Wolf!“ Sich dabei von seinem Guide helfen zu lassen, kommt nicht in Frage. Schneider wird auf der Tartanbahn gebraucht, damit Schröder die Kurven kriegt, auch die im Londoner Olympiastadion. Und das am liebsten am 6. und 8. September, wenn die Finalläufe über die 200 und die 400 Meter anstehen – und Schröders erstes seiner drei großen Ziele in greifbare Nähe gerückt ist.

Rezept des Tages
Apfel-Sauerkraut mit Kasseler und Kartoffelpüree
Bei Mutti schmeckts immer noch am besten? Klar, aber probieren Sie mal ... mehr
Mitmachen
Gewinnspiele

Laufoutfit von NEW BALANCE gewinnen

New Balance verlost ein Running-Outfit mit Shirt, Jacke und Hose

So starten Sie perfekt ausgestattet in den Laufherbst: New Balance verlost ein Running-Outfit mit Shirt, Jacke und Hose

JETZT MITMACHEN

Invictus-Duftset zu gewinnen

Invictus-Duftset von Paco Rabanne zu gewinnen

Einzigartig, sinnlich, frisch. Invictus ist der neue Duft von Paco Rabanne. Wir verlosen jeden Monat ein Duftset für echte Siegertypen

JETZT MITMACHEN
alle Gewinnspiele
Umfragen

Sagen Sie uns Ihre Meinung!

User-Umfrage: Sagen Sie uns Ihre Meinung!

Helfen Sie mit, unsere Seite zu verbessern: Damit Sie MensHealth.de noch mehr genießen können!

JETZT MITMACHEN
alle Umfragen
Online-Tests

Wie fit sind Sie wirklich?

Sind Sie MH fit? Der Men's Health Form-Check

Machen Sie den Men's Health Form-Check. Testen Sie Ihre Fitness mit diesen fünf Prüfungen

JETZT MITMACHEN
alle Online-Tests
Spiele

Lassen Sie die Muskeln spielen

Workout-Mahjong: Spiel mit den Muskeln

Beweisen Sie Ihr scharfes Fitness-Auge und finden Sie jeweils ein Paar Workouter

JETZT MITMACHEN
alle Spiele
Community
Blogs
Fitnesstudio

Suchen Sie ein Fitnesstudio?

Wählen Sie Ihre Stadt: