Spaß ist, wenn man trotzdem läuft. Spaß ist, wenn die Sonne strahlt, die Luft aber so kalt ist, dass der Atem an den Zähnen zu klirren scheint. Spaß ist, inmitten einer Horde schwitzender Kerle in voller Laufmontur bei vier Grad Celsius mit einem Schrei in das Wasser eines lehmigen Teiches zu springen und mit großen, schlammigen Schritten auf das andere Ufer zuzuhalten, dabei weiter Unverständliches zu brüllen und japsend zu atmen, als wäre das aufspritzende Wasser in der Luft ein kostbares Labsal, das nur mit offenem Mund eingefangen werden kann, als sammele der Läufer nur so in diesem Spiel Punkte, indem er wie ein Super-Mario aufstiebende Schlammspritzer fängt und herunterschluckt. Ja, herunterschluckt.
Stopp, Film anhalten! Großaufnahme: Eine Horde ausgewachsener Männer im Läuferdress schwebt in einer Wolke aus spritzendem Schlamm über dem kalten Wasser eines kleinen Sees, den die Truppe gerade durchläuft. Alle sind völlig verdreckt, überall sind weitere schmutztropfende Läufer zu sehen. Irgendetwas stimmt nicht an diesem Bild? Zoom auf einen der Läufer, einen Mann in ehemals schwarzer, jetzt brauner Laufhose und rotem Shirt. Zoom auf sein Gesicht.
Das ist es! Nein, nicht die Dreckspritzer auf seiner Stirn. Der Mann grinst. Trotz Kälte, Nässe, Schlamm, Schmerz und Erschöpfung. Der grinsende Mann, das bin ich, und ich will Ihnen kurz erzählen, wie es dazu kam.
Schlamm, Stroh und Eiseskälte
Men’s Health beim Crosslauf
Das Spiel, in dem der Super-Mario Schlammspritzer schluckt, ist ein Lauf, und am Anfang dachten wir, er sei ein Kinderspiel. Ein Hindernislauf, hieß es in der Ausschreibung, zweimal sechs Kilometer im Kreis um einen Truppenübungsplatz. Ach ja, dachten wir, die Bundeswehr. Auf der Stube hängen, selbst geleerte Bierdosen kneten und unkontrolliert zunehmen. Was der deutsche Soldat kann, das können wir erst recht, haben wir gedacht. Und dann kam das Stroh, kam der Schlamm, kamen die Wände, die wir hoch mussten, meterhoch aus Strohballen und aus Schlamm, und die Gräben dahinter, in die wir am Anfang freudestrahlend sprangen, später immer nasser, sackähnlicher fielen. Und wir begannen, uns unseres Hochmuts zu schämen. Zwölf Kilometer können so lang sein.
1500 Menschen und eine Strohmauer
Es ist die Dekoration eines Krippenspiels. Die meisten der insgesamt 22 Hindernisse beim ersten Strongman Run in der Nähe der Lützowkaserne zu Münster sind aus Strohballen gefertigt. Mal unterbrechen 1,50 Meter hohe Ballen-Barrieren die Strecke auf ganzer Breite, mal türmt sich das pieksende Mauerwerk auf 8 Meter Höhe. Wer zuerst da ist, klettert einfach drüber. Das gelingt aber nur dem Sieger, der nach gut 40 Minuten im Ziel ist. Da haben wir vier von Men’s Health gerade die erste Runde geschafft. Aber wir sind ja auch nicht Deutsche Vizemeister im 10 000-Meter-Lauf.
Übrigens: Es dauert nicht so lange, weil wir so langsam laufen. Es dauert, weil wir so lange stehen. Weil 1500 Menschen nicht einfach so über eine Mauer aus Schlamm und Stroh klettern. Besser: weil 1000 Menschen nicht einfach so über eine Mauer aus Schlamm, Stroh und 500 Menschen klettern können.














































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