Wir sehen es relativ locker, wenn unsere Augen nachlassen. Das Heuschnupfen-Hatschi gehört fast schon zum guten Ton ("Ach, du auch?"). Sogar zu Erektionsproblemen kann man spätestens seit Viagra ganz offen stehen. Männer haben scheinbar keine Probleme mehr, mit ihren gesundheitlichen Problemen offen
umzugehen – außer, sie sind psychischer Natur.
Rund fünf Prozent der Deutschen leiden an Depressionen, doch kaum einer redet darüber. Schon gar nicht die Männer. Zu groß die Befürchtung, nicht ernst genommen zu werden ("Ach komm, jeder hat mal 'nen schlechten Tag!"), zu stark die Angst, als Schwächling zu gelten, der nicht mal mit dem normalen Alltag zurechtkommt. "Dabei reden wir hier über eine oft lebensbedrohliche Erkrankung", so Professor Ulrich Hegerl von der Stiftung Deutsche Depressionshilfe im Interview auf Seite 98 des am 14. Februar erscheinenden Heftes. 10 bis 15 Prozent aller an schweren Depressionen leidenden Menschen nehmen sich das Leben, vor allem Männer. Jedes Jahr in Deutschland ungefähr 5000, schätzen Experten.
5000 depressive Männer, die bei rechtzeitiger, konsequenter Behandlung in ein normales Leben zurückgefunden hätten. Denn die meisten Depressionen sind heute mit speziellen Medikamenten und Psychotherapie gut zu behandeln. Es wird also Zeit, dass wir Männer unsere Grenzen erkennen und Warnsignale richtig deuten (unser Selbsttest auf Seite 97 hilft dabei). Und wir müssen lernen, im Ernstfall Hilfe zu akzeptieren, anstatt immer weiter funktionieren zu wollen. Keine Krankheit verschwindet, indem man sie einfach ignoriert. Eine Blinddarmentzündung genauso wenig wie Depressionen.

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