Heft 06/2012
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Verlockende Aromen Immer der Nase nach

31.05.2005 , Autor: Kirsten Segler
© MensHealth.de

Dag Piper (37) ist Leiter der Geschmacks- und Konsumentenforschung bei Symrise, einem der weltgrößten Hersteller von Aromen und Duftstoffen mit Sitz in Holzminden
Angeschnitten riecht's noch stärker
Bei Brot verleitet bereits der Duft zum Kauf – und zum Essen
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Men’s Health: Wie kann man Düfte einsetzen, um Produkte für Käufer attraktiver zu machen?
Dag Piper: An Regalen wird immer häufiger der typische Duft für dort angebotene Produkte verbreitet – beim Kaffee duftet es nach frisch gemahlenen Bohnen.

Wird deswegen an jeder Ecke gebacken, damit es dort so lecker nach frischem Brot duftet?
Schon, aber wirklich gebacken wird da ja gar nicht, sondern nur aufgebacken, und dabei entsteht nicht besonders viel Duft. Deshalb werden extra Backaromen eingesetzt und rausgeblasen, um die Aufmerksamkeit der Kunden zu gewinnen.

Ist das nicht Betrug?
Das sehe ich nicht so. Die Kunden lieben es und sie fühlen sich wohler, wenn sie angenehmen Gerüchen ausgesetzt sind – selbst wenn die Düfte zu schwach sind, um sie bewusst wahrzunehmen.

Funktioniert das auch bei verpackter Ware?
Die Produkte sind heute so gut verpackt, dass man nichts mehr riecht. Deswegen werden immer öfter Duftpartikel in die Verpackung eingebaut, die beim Aufreißen frei werden, zum Beispiel bei Schokolade.

Wozu? Beim Aufreißen hat man die Schokolade doch bereits gekauft?
Ja, aber durch das Dufterlebnis hat man das Produkt später in viel angenehmerer Erinnerung, als wenn es nicht geduftet hätte. Dadurch steigt auch die Chance, dass man es später wieder kauft. Das Allerneueste auf diesem Gebiet wird gerade in Frankreich getestet: duftende Plakate.

Das soll funktionieren?
Sogar extrem gut. Die Plakate mit Harry-Brot enthalten einen Duft, der durch Kontakt mit der Luft frei wird und nach frisch Gebackenem riecht. Man hat gezeigt, dass diese Art der Werbung das semantische Gedächtnis – es ist unter anderem zuständig für Buchstabenerkennung – mit dem Duftgedächtnis verknüpft, obwohl die ansonsten nichts miteinander zu tun haben.

Und was passiert dann?
Wenn man den Schriftzug des Harry-Brotes sieht, dann erinnert man sich an den Brotduft – was wiederum angenehme Gefühle wachruft. Und riecht man später dann Gebackenes, denkt man an Harry-Brot.

Halten Sie es für verwerflich, Menschen über Düfte zum Essen zu verführen – obwohl viele ohnehin zu dick sind?
Es ist bisher nicht fundiert belegt, ob dadurch wirklich insgesamt mehr gegessen wird.

Kann man auch Sie noch mit Düften ködern?
Durch mein Wissen kaufe ich sicher anders ein als andere Menschen. Aber auch ich bewege mich gerne in angenehmer Einkaufs-Atmosphäre.

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