Morgens um 7 ist meine Nacht vorbei, mit und ohne Wecker, unter der Woche wie am Sonntag. Ich bin ein Gewohnheitstier, brauche Rituale. Meine Routine hilft mir, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren, meine Zeit und Gedanken nicht für Kleinigkeiten zu verschwenden, die ich immer wieder neu entscheiden müsste. Und eigentlich fahre ich auch ganz gut damit. Nur manchmal frage ich mich, ob das nicht alles unterirdisch langweilig ist, ob ich nicht oberspießig lebe, mit all meinen gewöhnlichen Gewohnheiten. Das letzte Mal vor 3 Minuten, als ich mit der Reportage in diesem Heft durch war: "Wir sind so frei". Autor Björn Krause begleitet darin einen jungen Mann, der 3 Jahre und einen Tag lang alles Bekannte hinter sich lässt, um die Welt zu entdecken. Ganz ohne Geld, nur mit dem, was er bei sich trägt. Der morgens noch nicht weiß, wo er tagsüber arbeitet und abends schläft. Der sich ständig auf fremde Leute und neue Orte einlassen muss, ohne je eine dauerhafte Beziehung aufzubauen. Und für den diese 3 Jahre und ein Tag als Wandergeselle prägend sein werden – in Sachen Toleranz, Bescheidenheit und vor allem Flexibilität.
Abenteuer als neues Ritual?
Für die Walz bin ich zu alt (mal ganz abgesehen davon, dass ich weder Korn noch Holz besonders gerne mag). Aber es gibt schließlich einfachere Wege, alte Strukturen aufzubrechen, das eigene Leben einmal von einer ganz anderen Position aus zu betrachten, Neues zu wagen. Auch wenn es absurd klingt: Ich werde das zu meinem Ritual machen, werde von jetzt an versuchen, immer wieder auf Wanderschaft zu gehen – und sei es nur in meinem Kopf.

| Und was meinen Sie? Wie viele Rituale sind gut für uns, Männer? Und welchen Ausbruch möchten Sie in Ihrem Leben noch verwirklichen? |
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