Heft 06/2012
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POLITIK FüR MÄNNER

Bündnis 90/Die Grünen - Vaterrecht Gerechtigkeitslücken müssen geschlossen werden

11.09.2009 , Autor:Björn Krause, Philipp Kröger
© MensHealth.de

Das neue Unterhaltsrecht ist dazu angetan, mehr Gerechtigkeit in getrennte Familien zu bringen. Aber immer noch gibt es Väter, denen es nach einer Trennung nicht möglich ist, ihre Kinder zu sehen, weil die Kindsmutter jeglichen Kontakt boykottiert
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Bundestagswahl: Mehr Recht für Väter?
Väter wollen auf ihr Recht nicht mehr verzichten © Shutterstock
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Men’s Health: Was werden Sie tun, um die Rechte von Vätern an ihren Kindern im Trennungsfall zu stärken?

Bündnis 90/Die Grünen: Kinder haben ein Recht auf beide Eltern. Daher wollen wir die Sorgerechtsregelung für Nichtverheiratete reformieren. Das bisherige „Vetorecht“ der Mutter soll so geöffnet werden, dass der Vater im Einzelfall eine gerichtliche Entscheidung zur Erlangung des gemeinsamen Sorgerechts erreichen kann. Das Gericht muss sich dabei am Kindeswohl orientieren. So würde eine Gerechtigkeitslücke für Väter geschlossen und zugleich würde dem Grundgedanken der UN-Kinderrechtskonvention entsprochen. Flankiert werden soll dies durch ein besseres Angebot an Familienbildung, niedrigschwelligen Zugängen zu Mediation und professionelle Unterstützung zur Konfliktmoderation. Wichtig ist, dass elterliche Konflikte nicht eskalieren, sondern zum Wohl des Kindes gelöst werden.
Darüber hinaus setzen wir uns dafür ein, die Infrastruktur zur Verbesserung einer allgemeinen Eltern- und Erziehungskompetenz auszubauen und Kindertageseinrichtungen zu Eltern-Kind-Zentren zu erweitern.

Men’s Health: Das Elterngeld ist ein Erfolg. Aber welche Maßnahmen planen Sie für erwerbstätige Väter, die mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen wollen? Was ist Ihr Modell für die Zeit nach der Elternzeit? Anders gefragt: Welche Ideen haben Sie für die Umverteilung der Arbeit?

Bündnis 90/Die Grünen: Wir gehen davon aus, dass Kinder ein Recht auf beide Eltern haben und so unterstützen wir Eltern dabei, sich Zeit für ihre Kinder zu nehmen und Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren. Wir wollen die Elterngeldregelung so ausbauen, dass Mütter und Väter gleichzeitig Teilzeit tätig sein können. Ziel ist, die paritätische Aufteilung der Erziehungs- und Familienarbeit möglich zu machen. Wir wollen in einem ersten Schritt für jeden Elternteil vier Monate Elternzeit reservieren. Wir wollen weiterhin das Elterngeld dahingehend reformieren, dass Geringverdiener und Studierende nicht mehr benachteiligt werden.
Darüber hinaus gilt es, die Steuerpolitik zu ändern (Individualbesteuerung), Infrastruktur auszubauen und eine kluge Zeitpolitik einzuführen. Das umfasst viele Maßnahmen: flexible Arbeitszeitmodelle (z.B. durch die Einführung von Lebensarbeitszeitkonten), Ausbau der Betreuungsangebote für Kinder (gesicherte Betreuung für Kinder unter 12 Jahren); bis hin zur Verbesserung der betrieblichen Infrastruktur (Betriebskindergärten, Eltern-Kind-Büros).

Men’s Health: Nach wie vor verdienen Männer mehr als Frauen (durchschnittlich 23 % bei gleicher Qualifikation). Das hat zur Folge, dass viele Familien es sich gar nicht leisten können, dass der Vater bei den Kindern zuhause bleibt, während die Mutter arbeitet. Wie begegnen Sie dieser Ungleichbehandlung?

Bündnis 90/Die Grünen: Wir wollen uns vom Modell des Alleinernährers, der mit seinem Gehalt die Familie ernähren muss, ebenso verabschieden, wie von dem der teilzeitbeschäftigten Zuverdienerin, die ihre eigene Existenz nicht sichern kann. Frauen wie Männer sollen selbst bestimmt ihren Lebensentwurf verwirklichen können, ohne dabei in finanzielle Abhängigkeit zu geraten. Der Lohnunterschied von 23 Prozent zwischen Männern und Frauen ist ein Skandal. Wir fordern ein echtes Verbandsklagerecht, damit Frauen nicht allein gegen Firmen klagen müssen. Ein Gleichstellungsgesetz für die Privatwirtschaft würde mittelbar positiv auf die Entgeltgleichheit wirken. Der Öffentliche Dienst muss seine Eingruppierungskriterien geschlechtergerecht überarbeiten. Ein gesetzlicher Mindestlohn käme vor allem den vielen Frauen im Niedriglohnsektor zu Gute. Notwendig ist eine Änderung der Unternehmenskultur, die z.B. flexiblere Arbeitszeitmodelle für Frauen und Männer ermöglicht.

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