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Männerpolitik: Schröder fordert: Jungen brauchen männliche Vorbilder

12.07.2010 , Autor:Wolfgang Melcher, Jens Clasen
© Men's Health

Familienministerin Dr. Kristina Schröder spricht über eine neue Jungenpolitik und die wichtige Rolle des Vaters in der Erziehung
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Männerpolitik: Familienministerin spricht über neue Jungenpolitik
Laut Schröder sind Jungen in Bildungstätten stark benachteiligt © Michael Trippel
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Frau Ministerin, wir finden Sie echt nett.
Das freut mich.

Aber sollte es der Bundesfrauenministerin nicht zu denken geben, wenn Redakteure eines Männermagazins sie mögen?
Weil ich Frauenministerin bin? Die Zeiten, in denen Männer gegen Frauen oder Frauen gegen Männer zum Ziel kommen wollten, sind doch längst vorbei. Ich war immer davon überzeugt, dass beide Geschlechter dann am erfolgreichsten sind, wenn sie jeweils ihre Stärken ausspielen, gemeinsam im Team. Als Ministerin bin ich für Familie, Senioren, Frauen, Jugend zuständig – dem Namen nach also für alle, außer kinderlose Männer im mittleren Alter. Wenn Men’s Health mich trotzdem mag: umso besser.

Wollen Sie die Lücke schließen und Männer irgendwann in Ihren Titel aufnehmen?
Die Männer sind ja zum Glück bereits als Teil der Familie direkt angesprochen – und auch als Senioren und Jugendliche. Es geht mir nicht um die Verpackung, sondern um den Inhalt: Familienpolitik ist nur mit Männern stark. Wir können die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Frauen nie ohne die Männer erreichen. Die Rolle der Väter in den Familien wurde lange Zeit unterschätzt. Gerade weil Männer und Frauen eben doch unterschiedlich sind, spielen Väter eine sehr wichtige Rolle, vor allem aus Sicht der Kinder.

Zum ersten Mal überhaupt wird in einem Koalitionsvertrag Jungenförderung explizit erwähnt. Was verstehen Sie darunter?
Die Zeit ist reif für eine neue Jungenpolitik. In den 1950er- und -60er-Jahren hatte das katholische Arbeitermädchen vom Land die schlechtesten Bildungschancen in Deutschland. Heute haben Mädchen und junge Frauen auf breiter Front aufgeholt. Dafür gelten jetzt oft die Jungen als Sorgenkinder. Sie haben schlechtere Noten, besuchen eher die Hauptschule, bleiben öfter sitzen und brechen häufiger die Schule ab. Inzwischen gehen junge Männer sogar seltener auf die Universität. Wir müssen uns also fragen: Wie können wir Jungen genauso optimal fördern wie Mädchen. Dabei darf es keine Nivellierung nach unten geben. Wenn der Abstand zwischen Jungen und Mädchen schmilzt, weil Mädchen wieder schlechter werden, dann ist das natürlich keine Lösung. Ich will eine Angleichung nach oben.

Spielt das Geschlecht der Lehrer und Erzieher bei der Jungenförderung eine Rolle?
Zum Teil. In den Kindertagesstätten gibt es fast ausschließlich Erzieherinnen, in den Grund-, Haupt- und Realschulen unterrichten immer noch deutlich mehr Lehrerinnen als Lehrer. Wenn den Jungs zu Hause dann auch noch der Vater fehlt oder er sich kaum an der Erziehung beteiligt, kann es passieren, dass sie weitgehend ohne männliche Vorbilder aufwachsen. Doch gerade realistische männliche Vorbilder können eine Menge bewirken. Deswegen lautet mein Ziel: mehr Männer in die Kitas und Grundschulen.

Wie kann dieses Ziel erreicht werden?
Wir müssen den Erzieherberuf attraktiver gestalten, beispielsweise dadurch, dass wir ihn durch FH-Abschlüsse aufwerten und Aufstiegsmöglichkeiten bieten. Außerdem will ich zusammen mit der Bundesagentur für Arbeit nach Möglichkeiten suchen, gezielt Arbeitslose zu Erziehern umzuschulen.
Natürlich muss die Ausbildung fundiert sein, Erzieher ist schließlich ein anspruchsvoller Beruf. Brandenburg hat so etwas Ähnliches vorgemacht, das Projekt geht jetzt schon in die zweite Runde, weil es so gut funktioniert.

Dauert das alles nicht sehr lange?
Natürlich funktioniert so etwas nicht von
heute auf morgen. Aber die Frage ist ja nicht nur, was der Staat anbieten kann, sondern wie sich die Bürger selbst einbringen wollen. Deshalb möchte ich das freiwillige Engagement stärken. Da gibt es große Potenziale – etwa den Handwerker im Ruhestand, der einmal die Woche an eine Grundschule geht und dort mit den Kindern zusammen Vogelhäuschen baut. Das ist ganz praktisch, mit wenig Aufwand verbunden – und kann eine ungemeine Wirkung auf die Jungs haben.

Das wäre dann auch eine Maßnahme, die relativ schnell wirken könnte.
Eben! Ich wette, dass es in jeder Stadt und in jedem Landkreis in Deutschland Handwerker gibt, die darauf wirklich Lust haben – und es gibt Schulen, die davon profitieren. Man muss nur beides zusammenbringen.

Und es würde den Haushalt nicht belasten.
Ja, denn der Wille der Menschen, sich ehrenamtlich zu engagieren, ist groß.

Oft versagen Jungs in der Schule auch, weil etwa Diktate über Ponys und Prinzessinnen sie schlicht nicht interessieren. Was muss bei der Unterrichtsgestaltung geschehen?
Die Bildung ist zwar Ländersache, trotzdem möchte ich gemeinsam mit den Kultusministern die Lehrpläne kritisch durchforsten und nach Wegen suchen, die Jungen besser und gezielter zu fördern, ohne natürlich die Mädchen zu vernachlässigen. Dazu gehört zum Beispiel entsprechendes Unterrichtsmaterial. Jungs interessieren sich nun mal eher für mittelalterliche Ritterburgen oder für die Geschichte des Fußballs. Da ist einfach Kreativität gefordert. Es geht mir aber auch um das Bewusstsein der Lehrerinnen und Lehrer. Ich wünsche mir, dass sie öfter sagen: Jetzt machen wir mal etwas, worauf die Jungs Lust haben. Auch ein getrennter Unterricht von Jungen und Mädchen kann in manchen Fächern sinnvoll sein. Dafür sollten wir zumindest aufgeschlossen sein.

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Männer spielen eine wichtige Rolle in der Erziehung von Jungen

Väter sind wichtige Vorbilder für Jungen

© Shutterstock

Macht ein Vater es sich Ihrer Meinung nach zu leicht, wenn er nur auf Probleme hinweist, die in Kitas und Schulen existieren?
Kitas und Schulen sind wichtige Bausteine in der Entwicklung der Kinder. Wichtiger ist allerdings, was zu Hause passiert. Keine noch so gute Schule, kein noch so ausgefeilter Lehrplan kann einen präsenten, aktiv erziehenden Vater ersetzen. Glücklicherweise hat sich da in den vergangenen Jahren einiges geändert – der Vater, der zu Hause bleibt, gilt nicht mehr als Weichei. Jeder fünfte. Vater nimmt inzwischen Partnermonate, dazu zählen ganz sicher auch viele Men’s-Health-Leser. Ein Faible für Fitness und Vaterfreuden, das schließt sich nicht mehr aus.

Ist also alles in Butter für Väter?
Natürlich nicht. Wer als Mann zum Beispiel sagt: „Können wir diesen Termin nicht auf 17 Uhr erlegen? Um 19 Uhr müssen meine Kinder ins Bett“, der hat es immer noch sehr schwer in seinem Job. Männer müssen dabei viel mehr Mut aufbringen als Frauen. Immer noch. Deswegen: Hut ab vor jedem Mann, der da stark bleibt! Denn er trägt wirklich dazu bei, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch für Frauen zu verbessern. Allerdings nehme ich die Männer in die Pflicht: Sie sind mitverantwortlich, meine Herren!

Nur die Familienväter oder alle Männer?
Es ist natürlich toll, wenn sich auch Kinderlose, Männer wie Frauen, für familienfreundliche Arbeitszeiten einsetzen. Mindestens genauso wichtig ist es, dass Unternehmen sich grundsätzlich von den Präsenzritualen verabschieden. Es kommt schließlich nicht auf die Zeit an, die jemand im Büro sitzt, sondern auf das Ergebnis. Viele können ihre Arbeit zum Teil von zu Hause aus erledigen. Das gilt auch für Kinderlose, und deswegen müssen alle an einem Strang ziehen.

Aber zielt diese Idee nicht auf eine ganz bestimmte Berufsgruppe, auf eine ganz bestimmte Art von Arbeitnehmern ab? Es dürfte relativ schwierig sein, den VW von zu Hause aus zusammenzuschrauben.
Klar, für den Fließbandarbeiter ist Telearbeit nicht möglich. Dafür kann Teilzeit eine gute Lösung sein. Ein großes Potenzial haben 30-Stunden-Jobs. Wir haben in Deutschland noch immer diese Zweiteilung: Entweder Sie arbeiten 20 oder 40 Stunden. Bei 20 landet die Karriere oft auf dem Abstellgleis, auch finanziell wird es schwierig. 40 Stunden sind für die meisten Mütter und Väter mit kleinen Kindern einfach zu viel. 30-Stunden-Jobs würden dagegen allen entgegenkommen – vor allem den Männern. Aus der Sicht des Arbeitgebers erfordert diese Variante zwar etwas mehr Flexibilität, weil er quasi drei Jobs auf vier Leute verteilen muss statt wie bisher einen auf zwei. Aber dafür hält er die guten Mitarbeiter auch 30 Stunden im Unternehmen.

In einem Interview haben Sie mal gesagt, dass die Abwesenheit von Männern in der Erziehung eine „Machokultur“ begünstigt. Wie zeigt sich diese bei jungen Männern?
Es gibt Familien, wo der Vater grundsätzlich sehr dominant ist, sich gleichzeitig jedoch kaum an der Kindererziehung beteiligt. Wenn Jungen aus solchen Familien dann in der Kita oder in der Schule ebenfalls nur auf Frauen treffen, suchen sie ihre Männlichkeitsideale eben woanders. Besonders betroffen davon sind Jugendliche mit Migrationshintergrund, vor allem aus muslimisch geprägten Kulturen, aber auch rechtsextremistisch geprägte Jugendliche. Überproportional viele von ihnen hängen einer Machokultur an, sie verbinden Männlichkeit automatisch mit Gewalt – ein Grundstein für die oft blutigen Auseinandersetzungen unter Jugendlichen.

Was wollen Sie dagegen unternehmen?
Da hilft kein Gesetz, da muss sich etwas in den Köpfen ändern. Das betrifft zum einen die Schulen, zum anderen sehe ich, was die Jugendlichen mit einem Migrationshintergrund angeht, aber auch die muslimischen Gemeinden in der Pflicht. Denn sie tragen eine Verantwortung dafür, welches Bild von Männlichkeit bei ihnen transportiert wird. Und sie tragen eine klare Verantwortung dafür, jegliche Gewalt zu verurteilen, auch im Falle so genannter Ehrverletzungen.

Lesen in Teil 2 des Interviews mit Ministerin Schröder, welche weiteren Möglichkeiten es gibt, Jungen gezielter zu fördern.

 

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