Östrogene lenken beispielsweise die Entwicklung der weiblichen Geschlechtsmerkmale. Früher nahm man an, dass hormonelle Rezeptoren und Botenstoffe funktionieren wie Schloss und Schlüssel. Stimmt auch – nur gibt es hier kein spezielles Sicherheitsschloss, sondern eher ein Loch in der Tür. Viele verschiedene Schlüssel passen. Ein Östrogen-Rezeptor unterscheidet nicht immer zwischen natürlichem Östrogen und einer Chemikalie, die sich wie Östrogen verhält. Aber ist deshalb jedes Stück Kunststoff unser Feind?
Androloge Schuppe ist weit davon entfernt, die Gefährlichkeit zu verharmlosen. "Wir wissen, dass etwa Phthalate im menschlichen Körper schlimme Dinge anrichten können. Aber ich habe einfach noch nicht genug harte Daten in der Hand, um zu sagen: Trinken Sie nie wieder aus Plastikflaschen." Wir haben also die Wahl: schwere Glasflasche ohne Risiko oder leichtes Plastik mit unbekannten Folgen. Welche Entscheidung man auch trifft: Es geht weniger darum, ob man seinem Körper schadet, sondern vielmehr, ob man gerne männliche Nachkommen hätte.
Wie groß ist die Zeitbombe, die da tickt? Reproduktionsmediziner Skakkebaek ist überzeugt: „Die Missbildungen an Genitalien und männliche Unfruchtbarkeit können ähnlich weitreichende Folgen haben wie die globale Erwärmung.“ Denn: Ohne Männer keine Menschheit. In den USA warnen namhafte Hormonforscher von der Endocrine Society, dass die Endokrinen Disruptoren ein ernst zu nehmendes Risiko für die öffentliche Gesundheit darstellen, da sie die Fortpflanzung beeinträchtigen, Krebs auslösen und andere gesundheitliche Probleme verursachen können. Der Biologe Dr. Thomas Zoeller von der University of Massachusetts stellt fest: "Die Forschung zeigt, dass es von besonderer Bedeutung ist, ob ein männlicher Fötus im Leib seiner Mutter diesen Chemikalien ausgesetzt ist."
Die Theorie, dass in Aamjiwnaang und an anderen Orten chemische Verschmutzungen zu schrumpfenden Jungszahlen führen, ist nach Zoellers Ansicht absolut „plausibel“.Und noch etwas: Eine Besonderheit dieser Pseudo-Hormone ist ihre Mengenwirksamkeit. Hier gilt nicht, dass nur viel davon viel schadet. Auch und gerade kleinere Mengen können durchaus gefährlich werden, wie Untersuchungen der Endocrine Society zeigen.
Noch immer gibt es Angler am St. Clair River, der auch außerhalb des Reservats verläuft
Dort stehen keine Warnschilder. Tim Williams ist einer dieser Angler. Er sagt, dass Barsche und Hechte die Stelle lieben und wie verrückt beißen. Er weiß, dass man den Fisch nicht essen soll, und lässt den Fang wieder frei. Ob andere das auch tun, ist fraglich. Viele wissen nichts von der Gefahr. Williams ist ein Anishinabek, wohnt mit seiner Familie aber nicht im Reservat. Seine Freundin ist auf dem verseuchten Land geboren. 3 Kinder haben sie, nur eines ist ein Junge. Eine Tochter kam mit perforiertem Rektum zur Welt. Sie fragen sich, was ihre Kinder und Enkel wohl in ihren Körpern mit sich herumtragen und was daraus wohl mal erwachsen wird. Sobald sie es wissen, werden wir es erfahren. Denn die Welt schaut jetzt auf Aamjiwnaang.












































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