In Ihrer Rede zur Gleichstellungspolitik im Bundestag haben Sie von einer Zugfahrt berichtet, bei der Sie zufällig ein Gespräch zwischen einem Mädchen und seiner Mutter – einer Geschäftsfrau mit Notebook – mit angehört haben. Das Mädchen sagte, dass Mamas Zimmer die Küche und Papas Zimmer das Büro sei. Wäre es Ihnen lieber, wenn Papas Zimmer die Küche ist?
Ganz im Gegenteil, ich will überhaupt nichts vorschreiben. Das ist doch gerade der große Fortschritt, den unsere Familienpolitik in den vergangenen Jahren gemacht hat. Wie die Rollenverteilung innerhalb der Familie geregelt ist, das muss jede Familie für sich selbst entscheiden. Das kann und will ich als Bundesfamilienministerin nicht vorschreiben. Mit den Vätermonaten geben wir eine Anregung und setzen einen Anreiz. Aber alles, was darüber hinausgeht, finde ich anmaßend. Welches Zimmer wessen Zimmer ist, das muss jede Familie selbst wissen.
Viele Kritiker sprachen in Bezug auf die Elternzeit ja am Anfang vom „Wickel-Volontariat“. Was hat sich aus Ihrer Sicht durch die Vätermonate verändert?
Inzwischen nehmen mehr als 20 Prozent der Väter Elternzeit. Auch in Bayern, da ist die Quote sogar am höchsten. 20 Prozent – das ist eine kritische Masse, die dafür sorgt, dass sich im Bewusstsein etwas verändert. Väter, die wegen der Kinder eine berufliche Auszeit nehmen, sind keine Exoten mehr. Sie sind auf allen Hierarchiestufen zu finden, im öffentlichen Dienst wie in der Privatwirtschaft, Chefs genauso wie Fließband-Arbeiter. Das ist mehr als nur statistisch bedeutsam – das ist ein Kulturwandel. Es gibt kaum ein anderes politisches Projekt, das in so kurzer Zeit so viel verändert hat.
Es gab ja auch direkt Geld.
Geld ist oft ein Anreiz, aber nicht immer – viel wichtiger ist persönliche Motivation. Ein Freund von mir hat gerade seine Vätermonate genommen. Und der sagte: Der Unterschied ist, dass ich als Vater vorher nur für das Entertainment zuständig war. Aber immer wenn es ernst wurde, wenn die Kleine schlecht geträumt hat, wenn sie hingefallen ist, dann hat sie nach Mama gerufen. Jetzt, nach seinen Vätermonaten, ruft seine Tochter eben auch nach Papa. Und das, sagt er, kann ihm keiner mehr nehmen.
Wie zuversichtlich sind Sie, dass die Vätermonate drei und vier noch kommen?
Der Ausbau des Elterngeldes durch weitere Partnermonate und die Einführung eines Teilzeit-Elterngeldes sind Ziele, an denen ich auf jeden Fall festhalten möchte. Das ist gegenwärtig allerdings nicht finanzierbar.
Was verändert sich durch die Vätermonate in den Unternehmen?
Sie verändern die Unternehmenskultur. Das beginnt schon beim Vorstellungsgespräch. Wenn da ein 30-jähriger Bewerber sitzt, muss der Personaler davon ausgehen, dass der Bewerber mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit irgendwann mal Vater wird und Elternzeit nimmt. Das, was heute bei vielen jungen Frauen negativ in die Waagschale geworfen wird – die Gefahr, wegen einer Mutterschaft länger auszufallen –, gleicht sich so wieder aus. Wenn aber sowohl der 30-jährige Mann als auch die 30-jährige Frau wegen Elternzeit ausfallen kann, ist das Thema als heimliches Einstellungskriterium irgendwann irrelevant.
Wie finden Ihre männlichen Parteikollegen in der CDU eigentlich Ihre moderne Sichtweise auf Männer, Frauen und Familien?
Die Union lässt jungen Paaren und Familien die Wahlfreiheit, das ist inzwischen Konsens. Es mag immer noch einige geben, die ihr eigenes Familienmodell für allgemein verbindlich erklären wollen. Deshalb ist es sogar ein Vorteil, dass ich noch keine eigenen Kinder habe. Denn ich nehme das mit der Wahlfreiheit wirklich ernst und kämpfe dafür – weil ich selbst die freie Wahl haben möchte.












































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