Sie planen neben dem bereits etablierten Girl’s Day, an dem sich Mädchen über technische Berufe informieren können, auch ein Pendant für Jungen. Glauben Sie wirklich, Sie können gewaltbereite Gettokids dazu motivieren, sich an so einem Tag etwa über Pflegeberufe zu informieren?
Weder beim Girl’s Day noch beim Boy’s Day geht’s darum, Kinder umzuerziehen. Männer und Frauen sind unterschiedlich. Wir werden wohl nie 50 Prozent Elektrotechnikerinnen oder 50 Prozent Säuglingspfleger haben. Aber es ist doch so: Wenn Mädchen sich für Elektrotechnik interessieren oder Jungen für den Beruf des Erziehers, dann ist ihr Umfeld meist irritiert. Das muss sich ändern. Girl’s Day und Boy’s Day wollen dafür Optionen eröffnen, Angebote machen. Letztlich muss jeder Junge und jedes Mädchen den Beruf ergreifen können, auf den er oder sie Lust hat – ohne schiefe Blicke zu kassieren.
Ist das die Abkehr vom Gender-Mainstreaming, einem Konzept, das in der Öffentlichkeit eher als das Gleichmachen beider Geschlechter wahrgenommen wurde?
Ich glaube nicht an die alte These Simone de Beauvoirs, dass man nicht als Frau geboren, sondern dazu gemacht wird. Das gilt umgekehrt auch nicht für den Mann. Ich glaube zwar, dass die Gesellschaft den Menschen mitbestimmt, aber ich denke auch, dass es biologische Unterschiede gibt, die über die Geschlechtsorgane hinausgehen. Die etwas mit Fähigkeiten, mit Wesenszügen zu tun haben. Ich sage nicht, dass es keine Frauen gibt, die sensationelle E-Technikerinnen sind. Aber im Schnitt gibt es Unterschiede – weltweit, über Generationen hinweg. Diese Unterschiede lassen sich nicht wegerziehen.
Es gibt nur sehr wenige Top-Managerinnen. Hat das auch mit Wesenszügen zu tun?
Nein. Frauen in Führungspositionen sind immens wichtig – etwa in Aufsichtsräten von Konzernen, an der Spitze von Behörden oder von mittelständischen Betrieben. Gerade weil Frauen anders sind als Männer, können wir auf sie nicht verzichten. Deshalb ist es wichtig, Väter in den Familien für die Erziehung zu gewinnen. Gerade weil sie anders sind. Ich möchte alle männerdominierten Bereiche für mehr Frauen öffnen und umgekehrt – davon profitieren nicht allein die Familien, sondern es nützt der Gesellschaft insgesamt.
Thema Zivildienst: Früher war es unter Zivis ein Witz zu fragen, ob man freiwillig verlängert. Jetzt könnte das tatsächlich möglich werden. Was steckt dahinter?
Die Verkürzung des Dienstes auf sechs Monate stellt die Träger vor eine große Aufgabe. Aus dem Grund begrüßen etwa die Wohlfahrtsverbände unsere Einigung zur freiwilligen Verlängerung. Oft ist es ja wichtig, dass der Zivi einen persönlichen Draht zu den Leuten aufbaut, zum Beispiel in der Arbeit mit Kindern oder alten Menschen. Und das ist auch eine Frage der Zeit. Wir gehen davon aus, dass etwa jeder dritte Zivi freiwillig verlängert, um die biografische Lücke zwischen Zivildienst und Ausbildung zu schließen. Und das werden gerade die besonders Engagierten sein. Die freiwillige Verlängerung rettet den Zivildienst, viele Träger könnten sonst keine Stellen mehr anbieten – und das kann sich niemand ernsthaft wünschen.
Vielleicht wollen es ja aber die Zivis?
Eben nicht! In Umfragen sagt eine beeindruckende Mehrheit der Zivildienstleistenden, der Dienst habe ihre persönliche Entwicklung positiv beeinflusst und neue Perspektiven eröffnet. Wir wollen den Zivildienst zum Lerndienst machen, damit alle davon profitieren. Übrigens: Die wenigen männlichen Erzieher, die in Kitas arbeiten, sind fast immer über den Zivildienst oder Freiwilligendienst gekommen. Die hatten vielleicht am Anfang auch nur wenig für den Beruf übrig. Und plötzlich haben sie festgestellt: Mensch, hier bin ich ja der Star! Und sind geblieben.
Lesen in Teil 3 des Interviews mit Ministerin Schröder mehr über Väter, die sich Elternzeit nehmen.












































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