Normalerweise lassen wir Politikern 100 Tage Zeit, um sich einzuarbeiten, die ersten Duftmarken zu setzen. Die neue Bundesfamilienministerin Kristina Köhler hat nur wenige Stunden gebraucht, um sich von ihrer Vorgängerin abzusetzen. Wo Ursula von der Leyen noch erklärte, sie fände es "nicht schlimm, wenn Mädchen in Sachen Bildung an den Jungen vorbeiziehen", setzt die Neue das Thema ganz oben auf ihre Prioritätenliste: Sie will sich stärker kümmern um Jungs in Kindergarten und Grundschule, "die oft nicht so optimal gefördert werden wie die Mädchen". Darüber hinaus ist für sie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein großes Thema – gerade im Hinblick auf junge Väter.
Klingt fast zu gut, um ernst gemeint zu sein – aus dem Munde einer jungen Frau, die bislang höchstens als Innenpolitikerin aufgefallen war. Doch wer sich etwas näher mit der neuen Ministerin befasst, stößt schon früher auf männerfreundliche Spuren: 2005 stellte sie in einer Rede fest, man habe vergessen, "dass Gleichberechtigung nicht nur eine Frage des Arbeitsplatzes ist – und daher auch nicht nur die Frauen im Blick haben darf". Sie setzt sich für die Stärkung der Rechte von Scheidungsvätern ein und erreicht 2007, dass die Rolle der Väter bei der Erziehung erstmals im Grundsatzprogramm der CDU anerkannt wird.
Erst schafft es die Männerförderung in den Koalitionsvertrag, jetzt haben wir eine Familienministerin, die unsere Anliegen offenbar wirklich ernst nimmt. Wenn wir jetzt am Ball bleiben, könnte 2010 ein erfolgreiches Jahr für Deutschlands Männer werden – nicht nur bei der WM in Südafrika!

Und was meinen Sie?
Werden Jungs in den früheren Jahren benachteiligt? Sollte man Männer besser unterstützen und ihnen mehr Hilfe anbieten?
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