Vielleicht sind deutsche Chemiewerke sicherer und vielleicht treten dort weniger Giftstoffe aus. Vielleicht aber auch, weil woanders dichtgehalten wird. Häufig finanzieren Konzerne die Wissenschaft – und drehen den Geldhahn zu, wenn die Ergebnisse unbequem werden. "Leider ist die Forschung oft abhängig von der chemischen Industrie", beklagt Toxikologin Margret Schlumpf, die gemeinsam mit einer Forschungsgruppe (im Internet unter www.greentox.org) versucht, möglichst viele Menschen für die Problematik der Umweltvergiftung zu sensibilisieren.
Immerhin gilt seit Juni 2007 in der EU die REACH-Verordnung (Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals, www.reach-info.de), derzufolge chemische Stoffe nur nach vorhergehender Registrierung und Bewertung in Umlauf gebracht werden dürfen. Seitdem müssen Hersteller die Ungefährlichkeit ihrer Produkte beweisen, nicht mehr die Verbraucher deren Gefährlichkeit.
Die Wissenschaft weiß, wie Chemie die Anzahl männlicher Föten verringern kann
Oder wie Chemikalien Geburtsschäden verursachen können. Es gibt zwar immer wieder Studien, die das Gegenteil von dem zu belegen scheinen, was die Menschen in Aamjiwnaang erleben. Aber ein Zusammenhang ist schwer zu leugnen. Untersuchungen zeigen, dass bestimmte Schadstoffe, die so genannten Endokrinen Disruptoren, im Körper wie Hormone funktionieren. Zu diesen Störenfrieden im Hormonsystem zählen als giftig bekannte Chemikalien wie Polychlorierte Biphenyle (PCB), wie sie im Boden von Aamjiwnaang stecken, aber auch alltägliche Stoffe wie etwa Bisphenol A und Phthalate, die vielen Kunststoffen beigemischt werden, etwa dem Plastik für Flaschen. Angenommen wird, dass die Störer die Produktion von Hormonen drosseln und deren Abgabe beeinflussen. Sie ahmen deren Wirkungen nach oder verhindern diese. Oder sie beschleunigen den Stoffwechsel der Hormone und hemmen dadurch deren Wirkung.












































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