Heft 06/2012
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Die ewige Anzug-Frage

03.09.2003 , Autor: Bernhard Roetzel
© MensHealth.de

Das Wort Maßkleidung sagt es schon: Es geht irgendwie um Messwerte.

Es ist genug für alle da: Ob Stoff... © Katja Runge
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Herrenanzug

Der Laie denkt dabei an die Ärmel- und Hosenlänge oder den Bauchumfang, viel wichtiger sind aber die so genannten Haltungsmaße. Sie verraten dem Fachmann, wie gleichmäßig die Figur des Kunden gewachsen ist. Je ausgeglichener und symmetrischer sie ausfällt, desto besser passt ein Standardschnittmuster, das von einer absolut regelmäßigen Normalfigur ausgeht. Die besteht allerdings nur theoretisch. Im wahren Leben gilt: „No body is perfect“, zum Beispiel hängt den meisten Leuten eine Schulter tiefer als die andere.

So wichtig das korrekte Maßnehmen und die genaue Einschätzung der Körperhaltung auch sein mögen, ohne Anprobe haut es nicht hin. Der Maßschneider braucht bei einem Neukunden mindestens zwei Anproben, mehr als drei sind eher ein Hinweis auf mangelnde Treffsicherheit beim Zuschnitt.

Die meisten Maßkonfektionäre verzichten auf die Anprobe und beschränken sich auf die abschließende Passformkontrolle bei der Auslieferung. Diese so genannte Fertigprobe ist aber keine echte Anprobe. Die Anprobe nach Komplettierung des Anzugs veranstaltet ist eigentlich nicht Sinn der Sache. Sie sollte in einem früheren Stadium stattfinden, das Änderungen und Verbesserungen am Schnitt zulässt. Dagegen wenden Maßkonfektionäre gern ein, dass ihre Schnitte mit mathematischer Genauigkeit am Computer entstehen und die Anzüge deshalb exakt so ausfallen wie abgemessen. Das ist aber leider nicht der Fall, denn unterschiedliche Stoffqualitäten führen immer zu Unterschieden im Ergebnis.

... oder auch Knöpfe. © Katja Runge

Beim Maßanzug liegt der Witz darin, dass er bei solchen körperlichen Schieflagen gegensteuert, damit er auch auf der unebenen Figur so glatt sitzt wie der Konfektionsanzug auf dem normgerechten Idealbody. Im Fall der Hängeschulter wird das Schnittmuster zum Beispiel auf der abschüssigen Seite so angepasst, dass sich vor und hinter dem Ärmel keine Falten bilden.

Für den Maßschneider ist das kein Problem, er entwirft für jeden Kunden ein komplett neues Schnittmuster und berücksichtigt diese Dinge von Anfang an. Der Maßkonfektionär doktert dagegen an einem Standardschnitt herum und ändert lediglich an den kritischen Stellen. Das funktioniert nur in gewissen Grenzen: Wenn der Schnitt am Ende zu sehr vom Standard abweicht, ist die Fabrikproduktion nicht mehr möglich. Deshalb sind Leute mit extrem schwierigen Konturen beim Schneider besser aufgehoben, die anderen kommen in der Regel auch mit der weniger individualisierbaren Maßkonfektion aus.

Maßschneider und Maßkonfektionär

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