Heft 06/2012
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Psychologische Fallen Größenwahn

31.05.2005 , Autor: Kirsten Segler
© MensHealth.de

Werbung ist nicht die einzige Strategie der Nahrungsmittelbranche, um Sie zum Futtern zu verführen
Darf's ein bißchen mehr sein?
Auch wer bereits satt ist, greift bei großen Portionen weiter zu
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Angebotene Portionen werden ständig größer. Pizzen haben den Umfang von Wagenrädern, Popcorn wird in Putzeimern verkauft, Schokolade gibt es in früher undenkbaren 300-Gramm-Tafeln, und auch die Größe von Riegeln ist geradezu obszön. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist bei den Riesen oft besser, deshalb greift man zu – und tappt in die Speckfalle. Studien von Dr. Brian Wansink von der Cornell-Universität in den USA zeigen, dass man größeren Behältern mehr entnimmt – bei Waschmittel wie bei Chips.

Weitere Studien ergaben: Wer größere Portionen vorgesetzt bekommt, futtert mehr – und zwar ohne sich hinterher voller zu fühlen oder bei den folgenden Mahlzeiten weniger zu essen. Das gilt für Frauen und Männer, Dicke und Dünne, Alte und Junge. Nur Dreijährige sind gegen den Portionsterror noch immun, sie aßen immer etwa gleich viel. Doch nicht nur Supersize-Portionen sind gefährlich, auch die Minis, die es von vielen Produkten gibt, unterlaufen die Kalorienkontrolle. „Allzu leicht verliert man den Überblick, wie viel man gegessen hat: Jedes einzelne Stück ist ja nur so klein“, sagt Ernährungspsychologin Jahnen. Dass Minis oft als Mischungen verschiedener Geschmacksrichtungen verkauft werden, vergrößert ihre Verführungskraft: Je abwechslungsreicher das Angebot, desto mehr isst man.

Abwechslung spornt an
In einer Untersuchung fand Wissenschaftler Wansink heraus, dass bei vier verschiedenen Gerichten, die zur Auswahl standen, im Schnitt 60 Prozent mehr gegessen wurde als von der Lieblingsspeise allein. Er belegte auch, wie automatisch man sich kleine Naschereien in den Mund steckt, wenn sie offen und erreichbar sind. Stehen die Süßigkeiten in Sichtweite, verlocken sie im Laufe des Tages durchschnittlich 9-mal zum Zugreifen. Befinden sie sich in einer Schublade, sinkt die Zahl der Zugriffe auf 6. Muss man aufstehen, um sich die Nascherei zu holen, verschwinden nur noch 3 Stück davon im Mund. Aber warum bremsen selbst große Energiemengen den Appetit so wenig?

Evolutionäre Gründe
Da vor allem getrunkene sowie dicht gepackte Kalorien vom Energiezähler im Gehirn nicht voll registriert werden, vermuten Experten evolutionäre Gründe. Jahrtausendelang gab es weder Cola noch Mega-Burger, und damit auch keinen Grund, den Körper darauf vorzubereiten. Zudem hängt das Gefühl der Sättigung stark von Volumen, Gewicht und Dauer einer Mahlzeit ab. Die stehen beim meisten Junkfood in keinem Verhältnis zu den Kalorien. So kommt es, dass beim Besuch eines Fastfood-Lokals unbemerkt mehr als 60 Prozent des täglichen Kalorienbedarfs verputzt werden, wie eine US-Studie der Universität Harvard ergab.

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