Aufregender als nackt: Gebrauchsanweisung für Dessous

Bei ihr spielen die Hormone verrückt

Erotisch verpackt ist aufregender als nackt – findet unser Autor Stefan Lemle. Eine Liebeserklärung an die Dessous (mit Gebrauchsanweisung).

Nackt ist schön und gut, erotischer sind Dessous. Ihr Zauber liegt im Reiz des Verborgenen, in der Andeutung. Ein nackter Po zum Beispiel – und sei er noch so perfekt in Form – kann mit einem in zarte, nur leicht transparente Spitze gehülltem Hintern nie und nimmer mithalten. Mag sein, dass wir nur unserem naturgegebenen Spieltrieb freien Lauf lassen wollen, aber eine ansprechende Verpackung wirkt auf uns nun einmal um einiges reizvoller als eine Frau gewordene Fleischauslage.

Wir können also ruhigen Gewissens davon ausgehen, dass Frauen uns mit dem Material, dem Schnitt und der Farbe ihrer Unterwäsche etwas signalisieren wollen. Nur was? Nach einer Umfrage in meinem männlichen Freundeskreis kristallisierten sich fünf Prototypen heraus (Angaben ohne Gewähr).

Die Spitzen-Reiterin
Spitze total, oben wie unten, in diversen Farben, zumeist Schwarz oder Rot. Früher die Ausnahme, heute eher Hausmannskost. Als klassische Verführungswäsche nur wenig überraschend, trotzdem immer wieder gern gesehen. Spitzen wollen einfallsreich erobert werden, und: Die romantische Rüschenbody-Variante erfordert oft mehr Zeit, als einem in bestimmten Situationen lieb sein kann.
Erotik-Faktor: mittel bis hoch

Der Schummel-Look
Wonderbra, Push-up, Padded Slip – das sind die Problemkinder unter den Dessous. Auf den ersten Blick ist darin supersexy, was sich manchmal als enttäuschende Mogelpackung entpuppt. Was ist schon wirklich echt in der Cyberspace-Ära? Selbstbewusst getragen sehr anziehend, weil entwaffnend ehrlich.
Erotik-Faktor: erst hoch, dann niedrig, je nachdem; auf jeden Fall zukunftsweisend


Die Profi-Dessous
Problematisch und Geschmackssache, denn Lederkorsagen oder Metallapplikationen mit Primärzonen-Betonung sind in den seltensten Fällen typgerecht. Falls doch, sollten Sie die Sache noch einmal überdenken oder Ihre Grenzen abstecken. Allerdings: Viele Männer fühlen sich von übertriebener Reizwäsche eher eingeschüchtert als angeregt. Frauen, die gleich beim ersten Mal mit goldgelackten Brustpanzern und konischen Spiral-BHs à la Madonna aufwarten, brauchen vermutlich eher einen Schlosser und keinen Liebhaber.
Erotik-Faktor: aus sicherer Distanz reizvoll, im Nahkampf ist dagegen Vorsicht geboten

Der Weiße Riese
Früher als langweilig und altdamenhaft verschrieen, ist sie heute oftmals der Favorit spitzenmüder Männer und heimlicher Testsieger: Schnörkellose und gut geschnittene Baumwolle in blendendem Weiß lenkt nicht ab und lebt vom Überraschungseffekt. Mit dem Körper darin ist alles ist möglich – von einem Strohfeuer bis zum Flächenbrand.
Erotik-Faktor: null bis unendlich

Die Marathon-Wäsche
Enganliegende Sport-Bustiers in High-Tech-Materialien und grellen Neonfarben. Keine Haken, keine Ösen, keine Verschlüsse – und trotzdem nicht einfach im Handling. Nicht selten wird so etwas von extrem sportlichen Frauen getragen, die stolz auf ihren durchtrainierten Körper sind. Allerdings, auch Sie sollten gut in Schuss sein. Stellen Sie sich vorsorglich Iso-Drinks und Energieriegel ans Bett – Ihr Stehvermögen wird gefragt sein.
Erotik-Faktor: schneller, höher, weiter – und vor allem: so oft und lange Sie können

Dessous-ABC
Kleines Wörterbuch, damit Sie in der Damenwäsche-Abteilung mitreden können:

  • Body: Ein Stück Stoff für alles.
  • Bügel: Draht-Element im BH mit Haltefunktion.
  • Bustier: Kurzes, formendes Hemd.
  • Cup: Körbchen für die Brüste.
  • Corsage: Oberteil mit Haltestäben.
  • Demi-Cup: Halbschale für Brüste.
  • G-String: Hinten nur ein Faden.
  • Hebe: Hebt den Busen von unten, ganz stofffrei.
  • Korsett/Korselett: Für die Üppigen, hält alles fest.
  • Negligé: Leichtes Mäntelchen, wird nachts getragen.
  • Ouvert: An den entscheidenden Stellen zu öffnen.
  • Rio-Slip: Ist an den Hüften hoch ausgeschnitten.
  • Tanga-Slip: Seitlich nur Fäden.

Buchtipp: Hervé Lewis: Aubade, Augenblicke der Verführung. Mit einem Vorwort von Jean Reno. Knesebeck, 39,80 Mark.

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