Von Mann zu Mann: Kolumne: Vom Ziel, die Liebe jung zu halten

Romantischer Silvesterabend mit der Freundin?
Mann kann sich noch so ins Zeug legen – es nützt wenig

Komplimente, Geschenke, Zuwendung – Jens Clasen muss feststellen, dass wir keine Chance haben, es Frauen recht zu machen

Frauen halten mich für einen Supermann. Einen omnipotenten Eisenfresser. Eine Kreuzung aus dem Esel, der Gold kackt, einem Oberkellner und dem Italian Stallion. Sie finden, das sei ein Kompliment für mich? Von wegen. Ich bin kein Übermensch. Aber ganz offensichtlich beurteilen mich die Damen dieser Welt nicht nach meiner Person – sondern nach ihren Erwartungen. Und mittlerweile bin ich mir sicher: dieses Wort müssen sie erfunden haben. Die Ableitung ist jedenfalls eindeutig. Erwarten kommt von: „Warten, dass er macht.“

Indizien und Belege für diese Annahme gibt es ohne Ende. Und daran hat sich auch im Verlauf der Jahre nichts geändert. Das einzige, was an den neuen Superweibern wirklich super ist, sind ihre Anforderungen an die Männer. Um die allesamt erfüllen zu können, bräuchte ich wahrlich übermenschliche Fähigkeiten. Dabei besteht eine Männerhand doch nur aus fünf kleinen Fingern, und die sind ohnehin mit Geben beschäftigt.

"Mach mir ein Kompliment. Das ist ein Befehl!"
Mit den ersten Ansprüchen werden wir schon beim Kennenlernen konfrontiert. Jeder kennt die Phrase „nicht mit Komplimenten geizen". Wer bisher geglaubt hat, das sei ein Trick, mit dem man als Mann Punkte sammeln kann, der irrt. Das ist ein Befehl! Leicht zu raten, von wem. Die durchschnittliche Anzahl von Komplimenten, die eine Frau pro Tag fordert, konnte von einem internationalen Forscherteam aus einem einfachen Grunde nicht ermittelt werden: Sie verlangte immer noch mehr.

Sage einer Frau, wie schön ihre Augen sind und sie wird fragen: „Und meine Beine?" Sie wird weiter fragen – und der menschliche Körper besteht aus Millionen von Einzelteilen. Weswegen sich jeder Mann frühzeitig eine Antwort einfallen lassen sollte – etwa auf die Frage: „Wie gefallen dir eigentlich meine Nebennieren?“

Es ist sehr schattig unter dem Pantoffel
Wer hat hier die Hoden an?

Bett und Frühstück: Was erwarten Frauen?

Unser Autor Jens Clasen geht nun darauf ein, wie wir es den Frauen im Bett und am Frühstückstisch recht machen wollen und doch scheitern

Auch im Schlafzimmer hat Frau genaue Vorstellungen darüber, was Mann zu machen hat. Kaum ein Abend vergeht ohne die Aufforderung: „Zärtlich sein!" Dann darf ich kraulen, streicheln und verwöhnen, denn an ihre Haut kommen nur Wasser und ich. Und wehe, ich höre zu früh auf. Ansonsten verhält sie sich mir gegenüber im Bett wie unsereiner gegenüber einem x-beliebigen Tankwart.

„Einmal volltanken. Aber super, bitte!" Will heißen: Ich pumpe, mache, tue, während sie sich gemütlich zurücklehnt. Von wegen vorwärtsdrängende Frau der Neunziger. Der offensive Teil beginnt mit der Kritik danach. Hinterher war ich dann entweder nicht super genug – oder ich darf ihr vor dem Einschlafen gefälligst noch was zu trinken bringen.

Ein ganz besonderes Bonbon hält sie für den kommenden Morgen bereit. Bei einer Beziehung zwischen Mann und Frau geht es niemals darum, für wirklichen Ausgleich zu sorgen. Zu Anfang habe ich den Spruch „Tisch und Bett teilen" noch als romantische Verklausulierung des täglichen und nächtlichen Beisammenseins verstanden. Mittlerweile verstehe ich den Sinn dahinter. Als Mann habe ich den Tisch zu decken, das Bett zu machen – und ihr zu überlassen. Sonst wird sie wirklich offensiv.

Passen Sie auf Ihr Butterbrot auf
Am besten bringe ich ihr den Tisch samt Frühstück ans Bett und füttere sie mit frischen Brötchen oder mit Croissants. Wenn ich aber länger liegen bleiben will, sieht das opulente Frühstück anders aus. Da ist dann Knäckebrot wieder sooo lecker, Kaffee kann auch mal instant gesetzt werden und alte Erdbeermarmelade ist plötzlich das Nonplusultra der gesunden Ernährung. Dieses Verhalten setzt sich über den Tag fort. Auch erwachsene Frauen verlieren nie die offensichtlich angeborene Fähigkeit, mit der sie früher auf dem Schulhof den Jungs ihr Butterbrot wegschönäugelt haben.

Kaum habe ich etwas Essbares, Trinkbares oder sonstwie Neidenswertes in den Fingern, versucht sie, es zu ergattern. Wenn sie wenigstens nur auf ihren aufgesperrten Mund zeigen würde. Aber nein, sie muss mich wie einen Idioten behandeln: „Oh, Schokolade, darf ich mal probieren?" Was soll der Mist? Hallo, ich bin der erste zivilisierte Mensch, der noch nie Schokolade gegessen hat oder was? Von wegen geteiltes Leid ist halbes Leid. Ich jedenfalls bin Geteiltes leid!

Was tun wir nicht alles, damit die Beziehung gut läuft...
Machne machen den Hampelmann

Weibliche Anforderungen: Verlangen Frauen zu viel von den Männern?

Im letzten Teil der Kolumne diskutiert Herr Clasen, ob wir den Ansprüchen der Frauen nicht gewachsen sind oder ob die Mädels zu viel verlangen

Denn mal ehrlich, der weibliche Wunschextremismus kennt doch keine Grenzen mehr. Am schlimmsten sind die Tage, an denen von mir nicht nur das Standard-Verwöhnprogramm verlangt wird. Sprich: Geburts-, Valentins-, Hochzeits- oder Namenstage. Zu diesen Anlässen muss ich das Mitbringsel, ohne das ich mein eigenes Haus nicht betreten kann, aufs Vielfache vergrößern.

Frauen verstehen es nämlich nicht nur, Nebensächlichkeiten hochzuspielen. Sie schaffen es auch noch, uns Männer dafür bluten zu lassen. Dabei sind Geschenke für uns etwas Selbstverständliches. Und natürlich schenken wir gerne, solange wir nicht von den Nehmerqualitäten unseres weiblichen Gegenübers unter Druck gesetzt werden. Doch genau das machen manche Frauen vorzüglich.

Mein Engel etwa schafft es, mir in gespielter Dankbarkeit auch noch Geiz zu unterstellen. Bekommt sie eine Brosche, sagt sie mit einem strahlendem Lächeln: „Och, wie schön, hast Du doch die kleinere genommen. Die ist ja richtig niedlich!" Oder sie macht ihre weitergehenden Erwartungen auf sehr charmante Weise deutlich: „Dazu passen doch auch noch diese süßen Ohrringe ganz toll, wo haben wir die gleich gesehen?" Eine Variante, die besonders gerne angewendet wird, wenn Mutter oder Freundin danebenstehen. Und wer kann sich schon zwei Frauen widersetzen? Keiner wird das schaffen.

Da bleibt uns nur noch festzustellen: Frauen teilen gerne – alles, was ihnen nicht gehört. Unser Essen, unsere Zeit, unser Geld – nur nicht unsere Meinung darüber, wie Mann und Frau zusammenleben sollten. Egal, ich jedenfalls fordere jetzt die Wiedereinführung der Mitgift. Denn die war nie eine Benachteiligung der Frauen. Es ist nur eine Anzahlung, die sie sich später ohnehin wieder zurückholen.

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