Fingernägelkauen gehört zu den psychischen Übersprungshandlungen. Die gibt's auch im Tierreich - Sie kennen das ja aus dem Zoo: Löwen laufen im Käfig hin und her, Pferde scharren mit den Hufen etc. Übersprungshandlungen sind Verhaltensweisen, die auftreten, wenn die Bewegungsfreiheit begrenzt ist, Lebewesen sich nicht so äußern können, wie sie wollen. Sehr lebendige Menschen haben manchmal das gleiche Problem - wenn sie sich in einer seelischen Dauerspannung befinden, die sie nicht kompensieren können.
"In schwierigen Situationen (etwa ein Blackout bei einer Prüfung) sind die Menschen sehr auf sich selbst bezogen. Es entsteht das Gefühl des Handlungsdrucks und tiefen Alleinseins", sagt Ulrich M. Schmitz vom Berufsverband Deutscher Psychologen. Folge: Sie kauen an ihren Fingernägeln.
Der erste Schritt zum Abgewöhnen ist Ehrlichkeit sich selbst gegenüber. Man muss sich seine extreme Aktivität eingestehen, bewusst überlegen, wie sehr man sich bei seinen täglichen Verpflichtungen manchmal allein fühlt. Geschafft? Dann sollten Sie sich von diesem Gedanken auch gleich wieder verabschieden, realisieren, dass Sie gar nicht alleine sind. Klingt zwar paradox, bedeutet jedoch, sich der eigenen, depressiven Haltung bewusst zu werden.
Immer dann, wenn man die Fingernägel in Richtung Zähne bewegt, sollte man sich seine Situation klar vor Augen führen, sich die innere Aktivität eingestehen und fragen, ob man wirklich so allein ist. Und man kann sich ablenken. Hilfreich können in dieser Situation kleine nette Spielzeuge sein, zum Beispiel ausgediente Squashbälle, kleine Holzkugeln, Heftklammern, die Sie nach Lust und Laune verbiegen können. Und was natürlich auch hilft: Sport, Geselligkeit und alle Dinge, die einfach Spaß machen.









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