Ärzte wissen zu wenig über Arzneien

Jährlich sterben 25.000 Menschen an Nebenwirkungen von Medikamenten

Hamburg – Etwa 25.000 Menschen sterben in Deutschland jährlich an den Nebenwirkungen von Medikamenten. Einer der Hauptgründe hierfür, so Christoph Gleiter, Professor für Klinische Pharmakologie an der Uni-Klinik Tübingen, in einem Interview mit dem Männermagazin "Men’s Health": "Es gibt zu viele Arzneien und die Ärzte wissen zu wenig darüber." Seiner Ansicht nach ist die Meldepflicht der Ärzte über auftretende Nebenwirkungen unzureichend. Außerdem fühle sich keine Institution verantwortlich, die Daten zentral zu erfassen und auszuwerten.

Vor diesem Hintergrund können die Auswirkungen der Arzneimittelnebenwirkungen nur geschätzt werden. Experten gehen beispielsweise davon aus, dass fünf Prozent aller Krankenhauspatienten wegen solcher Vorkommnisse in die Klinik kamen. Weitere fünf Prozent treffe es während ihres Krankenhausaufenthalts.

Nach Ansicht von Gleiter wäre ein Großteil der Fälle vermeidbar, da es sich um direkte Nebenwirkungen durch die Eigenschaften des Medikaments selbst handelt. Die Ärzte seien jedoch bei etwa 50.000 Präparaten, die auf 2.000 bis 5.000 Stoffen und Gemischen beruhen, überfordert. Hinzu komme, dass die Pharmaindustrie "ein gewisses Monopol" bei der Informationsvermittlung habe. Gleiter: "Es mangelt an übergeordneten Einrichtungen, die Medikamente neutral bewerten und anschließend die Ärzte entsprechend neutral informieren."

Die Zahl der Todesfälle könnte auch reduziert werden, wenn sich Ärzte an einen durchaus bekannten Erfahrungswert hielten: Danach kann ein Allgemeinarzt 80 Prozent seiner Patienten mit 50 bis 100 Wirkstoffen behandeln.

Das komplette Interview veröffentlicht "Men’s Health" in seiner am Mittwoch, 17. Mai, erscheinenden Juni-Ausgabe.

Men’s Health / 15.5.2000

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