Darmprobleme: Das hilft bei den 7 häufigsten Darmbeschwerden

Darmprobleme treffen jeden Mann einmal. Wenn Blut im Stuhl ist, sollten Sie einen Arzt aufsuchen

Ignorieren Sie Bauchschmerzen, Blähungen oder Verstopfung nicht einfach. So erkennen Sie, ob etwas Ernstes dahinter steckt

Sie haben einen Magen wie Stahl und essen auch bei Durchfall problemlos weiter? Sehr gut. Aber fühlen Sie sich nicht zu sicher. Bereits ein als harmlos wahrgenommener Durchfall, ausgelöst nur durch die Einnahme eines Antibiotikums, kann der Hinweis auf eine ernste Darmerkrankung sein. Da bleibt Ihnen das Essen im Halse stecken? Dann machen Sie sich lieber schlau: Das sind die 7 häufigsten Darmprobleme bei Männern und was sie bedeuten können.

In diesem Artikel:

1. Durchfall

Der Klassiker unter den Darmbeschwerden. Ob Aktien-Vorstands-Millionär oder Bauarbeiter – vor Durchfallperioden ist niemand sicher: "Sie treffen jeden Menschen bis zu 1-Mal im Jahr", sagt Dr. med. Carolin Manthey, Fachärztin für innere Medizin und Oberärztin am Universitätskrankenhaus Eppendorf (UKE) in Hamburg. Häufig dauern sie 1 bis 2 Tage an, manchmal etwas länger.

Die Gründe sind vielfältig: verdorbenes Essen (etwa aus dem Urlaub), Hygienemängel, Erreger. Oder Lebensmittelunverträglichkeit, wie etwa Laktose-Intoleranz. Hier kommt es bei Betroffenen zwischen 30 Minuten bis 2 Stunden nach der Aufnahme von Milchprodukten zu Krämpfen, Durchfall und starken Blähungen. Durchfall ist quasi ein körpereigenes Abwehrsystem, um die Erreger von außen wieder nach draußen zu befördern. In der Regel gibt es für Sie nichts zu befürchten. Wann Sie durchfallhemmende Medikamente nehmen sollten? "In dringenden Notfällen und wenn keine Warnsymptome vorliegen", rät die Expertin. Zeitraum: maximal 1 bis 2 Tage.

Was Sie tun können: Am wichtigsten ist eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme, sagt Dr. Manthey. Empfohlene Trinklösung: Mischen Sie sich 0,5 Liter stilles Mineralwasser (anstelle von Wasser kann auch Kräuter- oder Früchtetee verwendet werden) und geben 1 Teelöffel Kochsalz dazu sowie 7 bis 8 Teelöffel Traubenzucker (ersatzweise Haushaltszucker).

Medikamente: In Notfällen können Sie kurzfristig (maximal 1 bis 2 Tage) auf durchfallhemmende Medikamente wie etwa Loperamid zurückgreifen.

Blutiger Durchfall: Hier ist häufig eine Hämorrhoidenblutung die Ursache für Blut im Stuhl. Allerdings kann auch mal ein ernsterer Grund dafür verantwortlich sein. Die Ursache kann eine sogenannte chronisch-entzündliche Darmerkrankung oder ein Tumor sein.

Dann sollten Sie bei diesem Darmproblem zum Arzt: bei blutigem Durchfall oder wenn der Durchfall länger als 2 Wochen anhält. Denn chronischer Durchfall kann ein Symptom für verschiedene Erkranungen sein. Auch ein starker ungewollter Gewichtsverlust (minus 10 Prozent des ursprünglichen Körpergewichts) ist ein Warnsymptom und sollte abgeklärt werden, sagt die Expertin. In anderen Fällen kann ein sogenanntes Reizdarmsyndrom vorliegen. Das kann je nach Patient mit Durchfall oder Verstopfung auftreten.

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2. Verstopfungen

Es fühlt sich an, als hätte jemand Flüssigbeton in Ihrem Darm angerührt? Wir wollen nicht übertreiben: Bei der sogenannten Obstipation muss nicht immer gleich ein komplettes Darmversagen vorliegen. Von Verstopfung spricht der Experte bereits, wenn die Stuhlentleerung erschwert oder unvollständig ist. Oder Sie unverhältnismäßige "Press-Arbeit" aufbringen müssen. Nehmen Sie das nicht auf die leichte Schulter! So ist schon Elvis Presley gestorben, auf der Toilette und unter Schmerzen durch chronische Verstopfung. Grund: Missbrauch verschreibungspflichtiger Medikamente.

Was Sie tun können: Alle, die hin und wieder an einem aufgeblähten Bauch leiden, können vorübergehend ein Abführmittel einnehmen. Dauer: maximal 2 bis 3 Tage. Aber Vorsicht: Tritt ohne vorherige Leidensgeschichte plötzlich eine Verstopfung auf, ist das nicht zu ignorieren. Eine akute Darmträgheit kann das Warnzeichen für einen Darmverschluss sein. Das kann lebensgefährlich sein.

Dann sollten Sie bei diesem Darmproblem zum Arzt: "wenn eine hartnäckige Verstopfung neu auftritt sowie bei Verstopfung in Verbindung mit starken Bauchschmerzen", rät Dr. Manthey.

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Magen-Darm-Probleme treten oft bei Männern von 35 Jahren und jünger auf

3. Blähungen

Eigentlich sind die Darmwinde eine gänzlich normale, notwendige und unbedenkliche Folge von Verdauungsvorgängen. 10-20 Mal am Tag ist der Durchschnitt. Tritt die Gasentwicklung gehäuft und mit einer Frequenz deutlich darüber auf, liegt etwas im Argen im Darm und der Experte spricht von Meteorismus.

Dann sollten Sie bei diesem Darmproblem zum Arzt: wenn Sie blähende Lebensmittel (etwa Linsen, Zwiebeln, Kohl) oder eine Lebensmittelunverträglichkeit ausschließen können. Dann können Blähungen Anzeichen einer entzündlichen Magen- oder Darmerkrankung sein. Prüfen Sie, ob Sie Blut im Stuhl haben; bemerken Sie zudem einen plötzlichen Gewichtsverlust, sollten Sie zwingend medizinischen Rat ersuchen.

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4. Darmkrebs

Darmkrebs ist eine der häufigsten Tumorarten. Sie tritt gehäuft ab einem Lebensalter von 70 Jahren auf, weiss Dr. Manthey. Allerdings: Es gibt auch schon bei jüngeren Männern Fälle! Insbesondere dann, wenn eine familiäre Vorbelastung vorliegt.

Dann sollten Sie bei diesem Darmproblem zum Arzt: Generell gilt: Alle Männer ab 50 Jahren sollten eine Untersuchung auf Blut im Stuhl machen lassen. Tun Sie es! Je früher erkannt, desto höher die Heilungschancen. Falls der Test positiv ist, sollte sich eine Darmspiegelung anschließen. Die ist generell spätestens mit 55 Jahren vorgesehen.

Plus: "Wenn Sie einen Verwandten 1. Grades (also zum Beispiel Bruder oder Vater) haben, der unter Darmkrebs leidet, sollten Sie spätestens im Alter von 40-45 Jahren eine Darmspiegelung machen lassen", sagt Dr. Manthey. Hören Sie also in Zukunft hin, wenn etwa Ihr Bruder auf der Familienfeier anfängt über seine Darmprobleme zu sprechen, egal wie viel Bier er oder Sie schon getankt haben.

Wichtig: Falls der- oder diejenige Verwandte bereits in jungem Alter an Darmkrebs erkrankt ist, gilt für Sie: Spätestens 10 Jahre vor dem Erkrankungsalter des Verwandten sollten Sie eine Darmspiegelung vornehmen lassen. Denn es gibt eben auch Formen von erblichem Darmkrebs. Liegt dies in der Familie vor, sollten Sie sich früher in ein Vorsorgeprogramm begeben.

5. Morbus-Crohn

Das ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Darmschleimhaut und/oder Darmwand, die den gesamten Magen-Darmtrakt befallen kann. Die Ursachen sind noch nicht abschließend erforscht. "Studien deuten jedoch auf ein Zusammenspiel von genetischen Faktoren, einem veränderten Immunsystem im Darm und Darmbakterien hin", erklärt Dr. Manthey. Die Erkrankung betrifft vor allem Menschen im Alter von 15 bis 35 Jahren. "Häufig leiden die Betroffenen auch an Gewichtsverlust und fühlen sich schwach."

Dann sollten Sie bei diesem Darmproblem zum Arzt: Wenn Sie unter wochenlangem Durchfall leiden und Blut im Stuhl ist. Schmerzen treten oftmals aber nicht ausschließlich als Druckgefühl im rechten Unterbauch auf. Das perfide dabei ist, dass die Krankheit in Schüben verläuft. Das heißt: Betroffene können nach einem Schub schnell dem Irrglauben erliegen, es handle sich nur über etwas Vorübergehendes.

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6. Colitis Ulcerosa

Bei dieser Darmkrankheit entwickeln sich Geschwüre, in der Regel nur im Dickdarm. Resultat: blutiger Durchfall. Ebenso wie Morbus-Crohn sind hier die Ursachen nicht abschließend erforscht. Plus: Auch Colitis Ulcerosa verläuft in Schüben. Die Erkrankung äußert sich vor allem bei Menschen im Alter von 20 bis 35 Jahren.

Dann sollten Sie bei diesem Darmproblem zum Arzt: Wenn Sie unter anhaltenden Durchfall leiden und dabei Blut im Stuhl auftaucht. Schmerzen treten oftmals (aber nicht ausschließlich) als Druckgefühl im linken bis gesamten Unterbauch auf.

7. Darminfektionen

Norovirus

Der berüchtigte Norovirus ist in Deutschland die häufigste Infektionskrankheit überhaupt. Infektionen mit ihm kommen gehäuft in den Wintermonaten vor. Das Virus ist hochansteckend und verbreitet sich durch Tröpfcheninfektion. Heißt: Schon kleine Mengen reichen aus, um den berüchtigten Brechdurchfall auszulösen. In der Regel klingen die Symptome innerhalb von 2 bis 3 Tagen wieder ab. Bereits bei dem Verdacht auf eine Infektion sollten Sie deshalb strenge Hygiene einhalten. Konkret heißt das, Ihre Hände nach jedem Toilettengang zu desinfizieren!

Was Sie tun können: eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme. Die Ansteckungsgefahr ist üblicherweise spätestens 2 Tage nach Ende des Durchfalls nicht mehr relevant.

Dann sollten Sie bei diesem Darmproblem zum Arzt: Eine spezifische Therapie existiert nicht, sagt Dr. Manthey. Besondere Aufmerksamkeit gilt älteren Menschen und Kindern oder Patienten mit Immunschwäche. Sie können durch das Virus schwerer beeinträchtigt werden. Für sie ist eine kurzfristige Behandlung im Krankenhaus oft sinnvoll und notwendig.

Salmonellen

"Eine Infektion mit Salmonellen tritt heutzutage seltener auf", so die Expertin. Klassischerweise werden die Salmonellen über kontaminierte Lebensmittel übertragen: vor allem über Eier oder rohes beziehungsweise nicht ausreichend erhitztes Fleisch. Aber: Es sind größere Mengen an Bakterien notwendig, um eine Infektion auszulösen. Wie lange ist der Zeitraum von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Erkrankung? In der Regel 5 bis 72 Stunden, schreibt der Bundesverband Deutscher Internisten e.V. (BDI). In seltenen Fällen bis zu 7 Tagen. "Eine antibiotische Therapie braucht es in der Regel nicht", sagt Dr. Manthey. Nur bei Personen mit Immunschwäche oder anderen Vorerkrankungen kann ein Antibiotikum nötig sein.

Dann sollten Sie bei diesem Darmproblem zum Arzt: Die Beschwerden verschwinden je nach Schwere der Infektion in der Regel nach einigen Stunden oder Tagen von selbst, so der BDI. Sehr schwere Verläufe sind selten. Dessen Symptome: starker wässriger Durchfall mit erheblichen Flüssigkeits- und Elektrolytverlusten. Brenzlig wird es bei einer Salmonellen-Sepsis. Hinweise: Schüttelfrost, sehr hohes Fieber, dazu ein Kreislaufkollaps und Versagen verschiedener Organe, beschreibt der BDI. Das kann tödlich enden. Ab zum Notarzt. Letzteres ist aber selten und betrifft besonders sehr junge und sehr alte Patienten sowie Menschen mit Abwehrschwäche. 

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Parasiten

Es gibt eine Vielzahl von Parasiten (etwa Giardia lamblia), die unterschiedliche Abschnitte des Darms befallen können. Einige können auch hierzulande zu Infektionen führen. Die tierischen Einzeller sind sich für niemanden zu schade: Sie nisten sich im Dünndarm von Menschen und Tieren ein – gleichgültig, ob Haustier wie Katze und Hund oder Reptil. Das Problem: Parasiten werden fäkal-oral übertragen. Beste Voraussetzung dafür ist ein geschwächtes Immunsystem. Besonders häufig tritt der Parasit in südlichen, warmen Gefilden auf.

Tipp: Achten Sie immer darauf, sich die Hände zu waschen, bevor Sie mit Essen hantieren.

Dann sollten Sie bei diesem Darmproblem zum Arzt: "Wenn Sie chronischer Durchfall von 2 bis 4 Wochen befällt und Sie Schmerzen im Bauchraum haben", sagt Dr. Manthey. Aber: Die Schmerzen müssen nicht dauerhaft vorhanden sein. Dann sollte eine Stuhluntersuchung und gegebenenfalls auch eine Magen- und Darmspiegelung erfolgen.

Clostridien

Der Keim Clostridium difficile kann lebensbedrohlich werden. Häufig tritt er in Zusammenhang mit einer Antibiotika-Behandlung auf. Danach ist die Darmflora geschwächt, so dass die Clostridium difficile-Bakterien ungehemmt wachsen können.

Häufiger betrifft der Keim Patienten im Krankenhaus, deshalb wird er oftmals auch den sogenannten "Krankenhauskeimen" zugerechnet (obwohl Sie ihn sich auch bei einer Zahnarzt-OP einfangen können). Im schlimmsten Fall bleibt dieser gefährliche Erreger als resistenter Keim im Darm zurück und löst wiederholte Infektionen aus. Resultat: eine lebensbedrohliche Infektion.

Dann sollten Sie bei diesem Darmproblem zum Arzt: Wenn Sie kürzlich eine Antibiotika-Behandlung hinter sich haben und nun an wiederkehrendem Durchfall leiden. "In etwa 10 Prozent der Fälle ist der Grund eine Infektion mit dem Keim Clostridium difficile", sagt Dr. Manthey. Tipp: Forschungsuntersuchungen zeigen: Durch eine parallele Einnahme von Probiotika während einer Antibiotika-Behandlung kann das Risiko einer Clostridium difficile Infektion gesenkt werden.

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Wer häufig unter Darmproblemen leidet, sollte Kaffee meiden
Wer häufig unter Darmproblemen leidet, sollte Kaffee meiden

Generelle Tipps für Männer, die häufig unter Darmproblemen leiden

  • "Statt wie üblich 1 bis 2 große Mahlzeiten sollten Sie lieber mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt zu sich nehmen", rät Dr. Manthey.
  • Viel trinken und viel Bewegung, möglichst aber täglich eine halbe Stunde.
  • Nehmen Sie gesunde Lebensmittel zu sich: viel unterschiedliches Gemüse. Das stärkt die Darmflora.
  • Reduzieren Sie Alkohol und Tabak. Denn: Beides reizt den Magen-Darm-Trakt.
  • Schrauben Sie Ihren Kaffeekonsum herunter. Zu viel Kaffee kann den Magen übersäuern, mit schlechten Auswirkungen auf den Darm.

Sie hören Darmscreening und denken: Das ist doch was für Ü-50 Sektion? Falsch. Auch junge Männer bis 45 Jahre sollten auf Ihren Verdauungstrakt achten. Checken Sie, ob eines oder mehrere der 7 Darmprobleme auch Sie betrifft und holen Sie sich bei Bedarf medizinischen Rat.