Herzinfarkt vorbeugen: Diese 4 Tipps senken Ihr Herzinfarkt-Risiko

Ein Herzinfarkt kann Männern auch in jungen Jahren passieren
Ein Herzinfarkt kann auch junge Männer treffen

Ein Stechen in der Brust, Atemnot: Bei diesen Anzeichen sollten Sie hellhörig werden! Woran Sie einen Herzinfarkt erkennen und was zu tun ist

Meist beginnt es mit einem bedrohlichen Stechen in der Brust. Es scheint aus dem Nichts zu kommen und versetzt einen in Angst und Panik. Der erste Gedanke: ein Herzinfarkt! Doch nicht immer steckt hinter dem Stechen in der Brust auch gleich ein Herzinfarkt. Wir verraten Ihnen, bei welchen Anzeichen Sie sofort einen Notarzt rufen sollten und wie Sie diese lebensbedrohliche Situation vorbeugen können.

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Was ist ein Herzinfarkt (Myokardinfarkt)?

Um die Funktion des Herzens zu verstehen, stellt man sie sich am besten als eine Pumpe vor, die die Blutbahnen antreibt, um den gesamten Körper mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen. Damit das Herz einwandfrei Blut in die Adern pumpen kann, muss es selbst über die Herzkranzgefäße mit Blut und Sauerstoff versorgt werden.

Bei einem Herzinfarkt ist genau das jedoch nicht der Fall. Die Blutversorgung des Herzens ist stark beeinträchtigt oder komplett verhindert. Das passiert, wenn ein Herzkranzgefäß verstopft. "Das Herz bekommt ungenügend Sauerstoff und das entsprechende Herzgewebe stirbt daraufhin ab", erklärt Prof. Dr. Dr. med. Christian Jung vom Universitätsklinikum Düsseldorf. "In der Folge kann das Herz nicht mehr richtig pumpen." Nicht unwichtig ist, ob ein kleines oder ein größeres Herzkrankgefäß betroffen ist. Wenn eines der drei großen Herzkranzgefäße verstopft ist, stirbt ein vergleichsweise großer Teil des Herzens ab – dann kann der Herzinfarkt innerhalb weniger Minuten tödlich enden.

(A) Das Herz wird von den Herzkranzgefäßen mit Blut versorgt. (B) Durch Fett- und Kalkablagerungen können Engstellen im Herzkranzgefäß entstehen, welche die Blutversorgung verhindert. (C ) Das Herz wird in diesem Bereich nicht mehr mit Blut versorgt und das entsprechende Herzgewebe stirbt ab.
Das Herz wird von den Herzkranzgefäßen mit Blut versorgt (A). Durch Fett- und Kalkablagerungen können Engstellen im Herzkranzgefäß entstehen, die die Blutversorgung behindern (B). Das Herz wird in den betroffenen Bereich nicht mehr mit Blut versorgt. Folge: Herzgewebe stirbt ab (C). Quelle: Deutsche Herzstiftung

Welche Ursachen hat ein Herzanfall?

Ein Herzinfarkt, in der Medizin 'Myokardinfarkt' genannt, kann mehrere Ursachen haben. Der mit Abstand häufigste Grund für einen Herzinfarkt ist jedoch Arteriosklerose. Hierbei bilden sich Fett- und Kalkablagerungen an der Innenwand der Blutgefäße, die sogenannten Plaques. Diese Plaques sorgen für eine Engstelle innerhalb des Blutgefäßes. Mit der Zeit vergrößern sich diese Engstellen immer weiter. Das kann dazu führen, dass sich das Blutgefäß komplett verschließt und die Blutversorgung in diesem Bereich vollständig zum Erliegen kommt.

Durch Arteriosklerose kann zudem ein Blutgerinnsel, ein sogenannter Thrombus, entstehen. Partikel der entstandenen Fett- oder Kalkablagerungen können von der Gefäßinnenwand abreißen und daraufhin im Blut zirkulieren. Die abgerissene Plaque wird dann von Blutplättchen umhüllt. Das passiert bei Verletzungen und ist eigentlich lebenswichtig, da dadurch Wunden geschlossen und so Blutungen gestillt werden. Das Problem ist hier jedoch, dass sich der Durchmesser eines Plaques dadurch vergrößert, bis ein sogenannter Thrombus entsteht. Der Thrombus verfängt sich daraufhin in der Engstelle. Dort verstopft er das Blutgefäß und verhindert den Blutstrom. Folge: Herzinfarkt.

Die Entstehung eines Thrombus kann auch andere Ursachen haben, zum Beispiel durch eine reduzierte Blutströmungsgeschwindigkeit. Das passiert häufig, wenn Sie sich über längere Zeit zu wenig bewegen, zum Beispiel in Folge eines Krankenhausaufenthaltes oder wenn Sie zum Beispiel weite Strecken mit dem Flugzeug oder der Bahn zurücklegen. Dieser Thrombus führt dann häufig zu einer Thrombose und seltener zu einem Herzinfarkt

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An welchen Symptomen erkennt man einen Herzinfarkt?

Bei einem Herzinfarkt zählt jede Sekunde! Daher ist es besonders wichtig, dass Sie die folgenden Anzeichen eines Herzinfarktes erkennen und sofort den Notarzt rufen:

  1. Plötzlich auftretende Schmerzen in der meist linken Brustkorbseite: Diese Schmerzen können zudem in den linken Arm, die Hals- und die Magengegend ausstrahlen.
  2. Engegefühl in der Brust: Sie spüren einen Druck oder Einschnürungsgefühl in der Herzgegend. Als würde ein Elefant auf Ihrer Brust sitzen.
  3. Atemnot: Die Pumpleistung des Herzens reduziert sich, daher fällt die Sauerstoffversorgung des Körpers ab und Sie bekommen das beklemmende Gefühl, keine Luft mehr zu kriegen.
  4. Angstgefühl mit kaltem Schweiß: In Ihnen entwickelt sich das Gefühl, dass Sie in einer lebensbedrohlichen Situation stecken. Angst, häufig begleitet von kaltem Schweiß, kommt in Ihnen hoch.

Diese Symptome gelten jedoch nur bedingt für Diabetiker. Durch die Zuckerkrankheit entstehen Nervenschäden, welche die Schmerzempfindung beeinträchtigen. "Da die Nervenschäden auch am Herzen auftreten können, nehmen viele Diabetiker die Herzinfarkt-Symptome weniger oder gar nicht wahr", erklärt Professor Jung. Ein solcher Herzinfarkt ohne Schmerzen wird als 'stummer Infarkt' bezeichnet.

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In Folge eines Herzinfarktes kann es zu Herzrhytmusstörungen oder zu einem Herzstillstand kommen
In Folge eines Herzinfarktes kann es zu Herzrhytmusstörungen oder zu einem Herzstillstand kommen

Welche Folgen hat ein Herzinfarkt?

Es gibt drei große Herzkranzgefäße, die das Herz mit Blut und Sauerstoff versorgen. Diese großen Herzkranzgefäße teilen sich weiter auf in kleinere Blutgefäße. Wie lebensbedrohlich ein Herzinfarkt letztendlich ist, hängt unter anderem auch davon ab, an welchem Blutgefäß die Verstopfung auftritt. Je größer das verstopfte Blutgefäß, desto mehr Herzgewebe stirbt ab. Das Areal vernarbt und wird durch Bindegewebe ersetzt, das die Leistung des Herzmuskels reduziert. Bei den Auswirkungen eines Herzinfarktes unterscheidet man zwischen kurzfristigen und langfristigen Gefahren:

  • Kurzfristig: Jeder Herzinfarkt stellt eine akut lebensbedrohliche Situation dar. "Während eines Herzinfarktes stirbt Herzgewebe aktiv ab und es kann zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen und Kammerflimmern kommen", so Professor Jung. Deswegen ist es so wichtig, dass Sie schnell reagieren und einen Notarzt rufen. Dieser startet eine Notfallversorgungskette, die beinhaltet, dass Sie in das nächstgelegene Herzkatheterlabor gebracht werden. Hier kann mit Hilfe eines Katheters, der durch eine Arterie, zum Beispiel am Handgelenk, eingeführt wird, die Engstelle am Herzen wieder geöffnet werden.
  • Langfristig: Das Herz ist für die Sauerstoffversorgung aller Organe im Körper zuständig. Wenn durch einen Herzinfarkt Herzmuskelgewebe abstirbt, dann bedeutet das eine verschlechterte Pumpfunktion des Herzens, wodurch die Leistungsfähigkeit des Körpers sinkt. Zudem erhöht sich durch einen Herzinfarkt das Risiko eines erneuten Herz-Ereignisses – von fatalen Herzrhythmusstörungen bis hin zu einem Herzstillstand.

Erste Hilfe bei einem Herzanfall

In manchen Fällen kann es aufgrund eines Herzinfarktes zu einem Herzstillstand kommen. Wenn Sie bemerken, dass eine Person in Ihrem Umfeld plötzlich nicht mehr ansprechbar ist und kein Anzeichen eines Kreislaufs hat, wählen Sie sofort den Notruf 112 und beginnen als Ersthelfer mit Reanimationsmaßnahmen (Herzdruckmassage oder abwechselnd Herz-Druck-Massage und Mund-zu-Mund-Beatmung: im Wechsel 30-mal drücken und 2-mal beatmen)! Je länger eine Person unter Herzkreislaufstillstand leidet, desto lebensgefährlicher ist er. Jede Minute zählt! Ist der Betroffene ansprechbar, sollten Sie – während Sie auf den Notarzt warten – seinen Oberkörper aufrecht lagern, Hemdkragen und Krawatte lockern und beruhigend auf ihn einwirken, so dass er möglichst langsam und tief atmet.

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Risikofaktoren für einen Herzinfarkt

Es gibt eine Reihe von Risikofaktoren, die das Auftreten eines Herzinfakrtes fördern. Einige Faktoren, wie Übergewicht, können Sie direkt beeinflussen, andere, wie eine genetische Veranlagung, weniger.

Zu den Risikofaktoren für einen Herzinfarkt zählen:

  • Bewegungsmangel
  • Übergewicht
  • Rauchen
  • Bluthochdruck
  • Erhöhte Blutfette
  • Diabetes mellitus
  • Stress
  • Genetische Veranlagung, z.B. durch eine Blutgerinnungsstörung oder Blutfettstörung

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Stärken Sie Ihr Herz mit viel Gemüse, Obst, Fisch und guten Fetten
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4 Tipps, wie Sie einen Herzanfall vorbeugen können

Mit diesen Verhaltensregeln können Sie Herzinfarktrisiko effektiv minimieren:

  1. Sagen Sie 'Nein' zum Glimmstängel: "Die meisten jungen Patienten, die einen Herzinfarkt erleiden, sind Raucher", erklärt Professor Jung. Durch das Rauchen werden die Blutgefäße starr, die Arteriosklerose wird vorangetrieben und auch der Blutdruck steigt.
  2. Achten Sie auf Ihren Alkoholkonsum: Gegen ein kleines Glas Rotwein ist nicht viel einzuwenden. Wichtig ist es jedoch, es nicht zu übertrieben. Achten Sie darauf, nicht mehr als 20 Gramm Alkohol pro Tag zu sich zu nehmen. Doch das ist schneller erreicht, als man denkt. Trinken Sie zwei kleine Flaschen Bier, haben Sie bereits die Grenze von 20 Gramm überschritten.
  3. Ernähren Sie sich gesund: Eine mediterrane Diät, die viel Gemüse und Obst, Fisch und gute Fette (etwa Olivenöl oder Rapsöl), dafür wenig Fleisch, Salz und gehärtete Fette enthält, ist gut für das Herz. Denn eine ausgewogene Ernährung wirkt sich positiv auf den Blutdruck aus. Zusätzlich beugt sie Arteriosklerose vor und versorgt den Körper mit ausreichend Nährstoffen.
  4. Treiben Sie Ausdauersport: Moderates und kontinuierliches Training senkt Ihr Herzinfarkt-Risiko. Optimal sind Joggen, Crosstrainer, Schwimmen oder Rad fahren. Ausdauersport verstärkt die Blutzirkulation, beschleunigt die Blutströmungsgeschwindigkeit, stärkt das Herz und begünstigt die Neubildung von Blutgefäßen. Auch beugt sportliche Betätigung Übergewicht und Bluthochdruck vor und baut Stress ab. 

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Zwar geht die Zahl der Herzinfarkte in Deutschland langsam zurück, trotzdem gehört der Herzanfall zu den häufigsten Todesursachen bei Männern. Wenn Sie die Vorbeuge-Empfehlungen ernsthaft befolgen, senken Sie nicht nur Ihr Herzinfarktrisiko, sondern auch die Gefahr, an Krebs oder Bluthochdruck zu erkranken. Es lohnt sich, etwas für seine Gesundheit zu tun!