Biorhythmus: So krank werden Sie, wenn Ihre innere Uhr aus dem Takt gerät

Ignorieren Sie häufig das Ticken Ihrer inneren Uhr, kann Ihre Gesundheit langfristige Schäden davontragen

Schichtarbeit und Partys bringen den Biorhythmus ordentlich durcheinander – und schaden auf Dauer Ihrer Gesundheit. Das passiert, wenn der Biorhythmus gestört ist

Unser Körper hat seinen eigenen Rhythmus. Das merken Sie spätestens, wenn äußere Einflüsse diese innere Uhr durcheinanderbringen. Beispielsweise, wenn wir zu Zeiten arbeiten, an denen wir todmüde sind oder versuchen zu schlafen, auch wenn das Schlummer-Bedürfnis noch gar nicht da ist. 

Was ist die innere Uhr?

Sie ist auch als biologische Uhr oder innerer Taktgeber bekannt: Die innere Uhr gibt vor, wann wir essen sollten, wann wir müde sind und zu welcher Zeit wir am besten Sport treiben sollten. "Genau genommen haben wir nicht nur eine innere Uhr, sondern eine in jeder Zelle", sagt Wissenschaftsautor Dr. Peter Spork aus Hamburg ("Wake Up!" Hanser Verlag, 18,90 Euro). Die Leber arbeitet zum Beispiel abends aktiver als morgens, weshalb Sie am Abend auch Alkohol besser vertragen. Die Blase hingegen ist glücklicherweise in der Nacht sehr inaktiv – sonst müssten Sie ständig auf Toilette. Das Tempo der inneren Uhr ist übrigens genetisch festgelegt und lässt sich daher nur schwer beeinflussen.

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"Lerchen" sind morgens schon topfit

Wie tickt meine innere Uhr?

In der Chronobiologie wird zwischen Lerchen und Eulen, also Frühaufstehern und Spätaufstehern unterschieden. Die meisten Menschen liegen irgendwo dazwischen, tendieren aber zu einem der Chronotypen. "Der Durchschnittsdeutsche geht um halb 1 ins Bett und steht um halb 9 auf – natürlich meist nur, wenn er nicht arbeiten muss", so Spork. Ob Sie eher Lerche oder Eule sind, können Sie mit diesen Fragen einfach selbst herausfinden: Wenn Sie am Wochenende oder im Urlaub keinen Wecker stellen, wann sind Sie dann wach? Hauen Sie lieber früh oder spät von Partys ab? Wann treiben Sie lieber Sport: eher früher oder später am Tag? Lautet die Antwort in allen Fällen früh, dann sind Sie wahrscheinlich eher eine Lerche. Sind Sie später fitter, ist Ihr Chronotyp eher die Eule.

Wie gerät unser Biorhythmus aus dem Gleichgewicht?

Dafür gibt es eine Menge Gründe, der triftigste ist wohl die Arbeit. Bei den meisten Jobs ist man an feste Zeiten gebunden, ohne Rücksichtnahme auf die individuelle Innere Uhr. Besonders Nacht- und Schichtarbeit stellt ein hohes Risiko für einen intakten inneren Rhythmus da, weil Sie zu eigentlichen Ruhezeiten arbeiten. "Versuchen Sie mit Ihrem Arbeitgeber über flexiblere Arbeitszeiten zu reden, wenn Sie im Job nicht optimal leistungsfähig sind", rät Spork. Schließlich haben beide Seiten etwas davon, wenn Ihre Arbeitszeiten an Ihre Leistungskurve angepasst sind. Aber auch die Partylöwen unter Ihnen bringen ihren Rhythmus ordentlich durcheinander: Lange Abende liegen Eulen zwar meist gut, jedoch werden daraus auch meist kurze Nächte, besonders, wenn Sie am nächsten Tag früh raus müssen. Reisen in andere Zeitzonen und die Zeitumstellung bringen den Biorhythmus zudem durcheinander, auch wenn Sie sich an Zeitverschiebung nach einigen Tagen gewöhnen. 

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Was passiert, wenn die innere Uhr ständig aus dem Takt gerät?

Sie plagt ein ständiges Jetlag-Gefühl, obwohl Sie nicht verreist sind? Schuld könnte Ihr Lebensstil sein: Wenn Sie nicht auf Ihren inneren Taktgeber hören, drohen langfristig ernsthafte Störungen und Krankheiten.

1. Schlafstörungen

Schlaflose Nächte können eine Folge von einer gestörten inneren Uhr sein. "Sie sollten möglichst oft zur persönlichen Optimalzeit ins Bett gehen. Das ist dann, wenn man von alleine schläfrig wird. Das Gehirn schüttet zwei Stunden davor das Nachthormon Melatonin aus", rät Spork. Wenn Sie sich ständig zu unterschiedlichen Zeiten schlafen legen, wird Ihnen das Einschlafen langfristig schwer fallen. So kann auch ein großes Schlafdefizit entstehen, das wiederum andere Konsequenzen hat. Auf Handys und Monitore sollten Sie übrigens am besten zwei Stunden vor der nächtlichen Ruhepause verzichten. Das blaue Licht der Bildschirme unterdrückt die Melatonin-Produktion.

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Blähbauch? Eine häufige Folge von einer gestörten inneren Uhr

2. Verdauungsprobleme

Blähungen, Verstopfungen, Durchfall: Probleme im Darm hinterlassen ein unangenehmes Gefühl. Die Hormone Ghrelin, Insulin und Leptin, die mit der Verdauung zu tun haben, werden bei Störungen dann nicht mehr zu aufeinander abgestimmten Zeiten, sondern zufällig und durcheinander ausgeschüttet. Das Resultat: Ihr Magen rumort. Häufig kommen Verdauungsprobleme deshalb auch nach der Zeitverschiebung vor.

3. Stoffwechselkrankheiten

Die innere Uhr steuert den Zuckerstoffwechsel. Gerät sie jedoch aus dem Takt, drohen Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes Typ 2. Nachts leidet nämlich die Fähigkeit des Körpers, Zucker ohne Blutzuckeranstieg abzubauen. Nachtschichten und Partys sind daher ein Risiko-Faktor: Der Heißhunger zu solchen Zeiten kann dazu führen, dass Sie mehr essen und Ihr Blutzucker in die Höhe schießt.

4. Übergewicht

"Wenn Sie nachts essen, arbeitet die Leber im falschen Modus und reagiert deshalb verkehrt – das kann langfristig zu Übergewicht führen", sagt der Experte. Besonders gefährdet sind also Nachtschichtarbeiter. Auch Schlafmangel, der häufig mit Störungen im Biorhythmus einhergeht, ist ein Faktor für eine Gewichtszunahme. 

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5. Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Tickt Ihre innere Uhr nicht richtig, ist das Risiko für Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und sogar Herzinfarkte höher. Forscher des Klinikums Augsburg fanden 2015 heraus, dass das Herzinfarktrisiko bei Männern nach einer Zeitumstellung deutlich anstieg – also dann, wenn Ihre innere Uhr zwangsmäßig aus dem Takt gerät. 

6. Psychische Krankheiten

"Nicht nur Depressionen, sondern psychische Krankheiten aller Art können durch eine dauerhaft gestörte innere Uhr mitverursacht sein", warnt Spork. Das macht eine Studie der Universität Glasgow (2018) deutlich: Unter den 90.000 Teilnehmern erkrankten diejenigen häufiger an Depressionen und bipolaren Störungen, die während eigentlicher Ruhezeiten aktiv waren und sich umgekehrt tagsüber zur Ruhe gelegt haben.

Fazit: Hören Sie auf Ihre innere Uhr

Versuchen Sie Ihrer Gesundheit zuliebe, Ihre Schlaf- und Wachzeiten an Ihre innere Uhr anzupassen. Sprechen Sie beispielsweise mit Ihrem Chef über andere Arbeitszeiten und gehen Sie nicht zu häufig bis tief in die Nacht aus, sondern nehmen Sie die Signale Ihres Körpers ernst – er wird es Ihnen danken.