6 Irrtümer über die Benutzung des Smartphones in Auto & Co.

6 Irrtümer über die Benutzung des Smartphones in Auto & Co.
Tippen bitte nur, wenn das Fahrzeug steht. Ansonsten wird's schnell gefährlich

Es gibt inzwischen viele Gerüchte darüber, was Sie am Steuer eines Fahrzeugs mit Ihrem Smartphone machen dürfen und was nicht. Schluss damit! Wir klären die größten Irrtümer

Wir nutzen unser Smartphone für gewöhnlich wann, wo und wie wir es wollen; da lassen wir uns ungern reinreden. Doch es gibt Situationen, da sollten Sie besser auf die Verbote hören. Wäre da nicht das Problem, dass viele Menschen gar nicht wissen, wann sie ihr Smartphone besser weglegen sollten – und wann nicht. Hier sind die größten Irrtümer:

Irrtum 1: Als Fahrer eines Autos ist das Benutzen des Smartphones generell verboten

Das ist nur die halbe Wahrheit. In der Straßenverkehrsordnung (StVO) steht zwar unter § 23 Absatz 1a: "Wer ein Fahrzeug führt, darf ein Mobil- oder Autotelefon nicht benutzen, wenn hierfür das Mobiltelefon oder der Hörer des Autotelefons aufgenommen oder gehalten werden muss." So lange Sie aber das Smartphone nicht konkret in der Hand halten oder damit bedienen, dürfen Sie es beispielsweise per Freisprecheinrichtung oder über den Sprachassistenten auch benutzen. Wer sich nicht an diese Regelung hält, muss derzeit mit 60 Euro Bußgeld rechnen, wenn die Polizei Sie auf frischer Tat ertappt. Allerdings hat der Bundesrat nun einer Gesetzesinitiative zugestimmt, nach der die Strafe auf 100 Euro angehoben werden soll. Kommt es obendrein noch zu einer Sachbeschädigung während des Handygebrauchs, steigt das Bußgeld auf 200 Euro. Wann genau das Gesetz in Kraft treten wird, ist allerdings noch unklar. "Davon abgesehen können Sie das Handy ganz normal nutzen, sobald das Fahrzeug steht und der Motor aus ist", sagt Benjamin Castro Tellez vom Polizeipräsidium München. 

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Irrtum 2: Auf dem Fahrrad kann das Smartphone ganz normal genutzt werden

Viele gehen davon aus, doch es stimmt nicht. Genau wie im Auto gilt: Sobald Sie Ihre Finger am Smartphone haben, verstoßen Sie gegen die Straßenverkehrsordnung. Momentan liegt das Bußgeld hier noch bei milden 25 Euro, aber auch hier soll es bald eine Anhebung geben, nach der Radfahrer künftig mit 55 Euro rechnen müssen.

Irrtum 3: Das Filmen der Fahrt ist in Deutschland nicht erlaubt

In Russland ist der Dashcam-Trend weit verbreitet, um etwa im Falle eines Unfalls die Aufnahme vor Gericht oder der Versicherung als Beweismittel vorlegen zu können. Hierzulande fehlen dazu bislang allerdings konkrete, gesetzliche Regelungen – egal ob Dashcam oder Smartphone. Denn: "Grundsätzlich ist eine anlasslose Aufzeichnung aus datenschutzrechtlichen Bestimmungen nicht zulässig und wird auch bei Gericht in der Regel nicht als Beweismittel zugelassen", so Tellez. "Vereinzelt wurden derartige Aufnahmen allerdings bereits im Zivil- oder Strafverfahren bei Gericht zugelassen. Es ist also immer auch eine richterliche Einzelfallentscheidung."

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Irrtum 4: Wer während der Smartphone-Nutzung einen Unfall baut, trägt immer die komplette Schuld

Falsch! "Zuerst einmal muss Ihnen die Nutzung des Handys während des Unfalls überhaupt nachgewiesen werden", sagt Christian Demuth, Rechtsanwalt für Strafrecht und Experte für Verkehrsstrafrecht aus Düsseldorf. "Gibt es Zeugen oder haben Sie sich bei Ihrer Aussage verplappert, muss Ihnen als nächstes nachgewiesen werden, dass die Ablenkung auch Ursache für den Unfall gewesen ist. Es gibt also durchaus Spielraum." Die Polizei bemisst den Ermittlungsaufwand meist nach der Schwere des Unfalls: Erst bei fahrlässiger Körperverletzung oder Tötung lässt sich in der Regel eine Auswertung des Mobiltelefons, das Sie übrigens nur bei konkreter Sicherstellung durch die Polizei zwingend herausgegeben müssen, durchsetzen. Und hier gilt: Sofern Sie nicht gegen die StVO verstoßen haben (siehe Irrtum 1), brauchen Sie sich diesbezüglich keine Sorgen zu machen.

Irrtum 5: Flugzeuge können abstürzen, wenn das Smartphone nicht ausgeschaltet wird

Früher wurde das Handy für Störungen der Bordelektronik verantwortlich gemacht. Tatsächlich konnte in der Praxis allerdings nie ein klarer Zusammenhang hergestellt werden. Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) hat 2014 wohl auch deshalb die Nutzung von elektronischen Geräten selbst ohne speziellen Flugmodus zugelassen.  Allerdings regelt weiterhin jede Fluglinie selbst, in wie weit die Smartphone-Nutzung während eines Fluges erlaubt ist.

Irrtum 6: Das Smartphone-Verbot an der Tankstelle gilt wegen der hohen Strahlung

Das stimmt so nicht. Die Strahlung könnte (theoretisch) im Flugzeug oder Krankenhaus problematisch werden. An einer Tankstelle ist sie allerdings nicht gefährlich. Vielmehr gilt das Smartphone-Verbot an der Tanke aufgrund des verbauten Akkus: Fällt das Handy auf den Boden, könnte der Akku Funken bilden und so mögliche Benzindämpfe entzünden, was wiederum zu einer Explosion führen könnte.

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Oft verrät Ihnen Ihr gesunder Menschenverstand, ob Sie das Smartphone besser beiseite legen sollten. Insbesondere dann, wenn Sie merken, dass Sie dadurch zu sehr abgelenkt werden. Gerade im Straßenverkehr gilt deshalb: Je weniger Sie sich mit dem Handy beschäftigen, desto besser für Sie und andere Teilnehmer.

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