Apple Watch 3 im Test: Ist Apples Smartwatch die ultimative Sportuhr?

Taugt die Apple Watch Series 3 als Sportuhr?
Taugt die Apple Watch Series 3 als Alternative zu Fitness-Trackern und Sportuhren von etwa Polar, Garmin oder TomTom?

Die Apple Watch Series 3 ist nicht nur Smartwatch, sie will als ultimativer Sport- und Fitness-Tracker überzeugen. Wir haben mit der Nike+-Version den Sporttest gemacht – beim Schwimmen, Laufen, Radfahren

In diesem Artikel:

Was ist der Unterschied zwischen der Apple Watch 3 zum Vorgängermodell?

Die dritte Generation der Smartwatch von Apple sieht zwar genauso aus wie das Vorgängermodell, hat aber einige Updates erhalten: Der Speicher wurde von 8 auf 16 GB verdoppelt. Neben dem GPS-Empfänger steht jetzt auch ein barometrischer Höhenmesser in der Uhr, der misst relative Höhenunterschiede und berechnet somit Kalorien auch beim Wandern in den Bergen oder Treppensteigen. Und Sie können das iPhone beim Laufen oder Biken auch zu Hause lassen. In der Uhr steckt ein winziges LTE-Modul. Damit lassen sich unterwegs ohne Smartphone Nachrichten schreiben, Wegbeschreibungen abrufen, telefonieren (frei oder mit Kopfhörer). Allerdings gibt es die Mobilfunkfunktion vorläufig nur mit Telekom-Laufzeitvertrag (4,95 Euro pro Monat, nur in Deutschland nutzbar). Weitere Neuerung: Apples Sprachassistent Siri gibt jetzt auch gesprochene Antworten auf der Uhr.

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Apple Smartwatch kann jetzt auch Snowboarden oder Skifahren tracken.
Apple Smartwatch kann jetzt auch Snowboarden oder Skifahren tracken.

Welche neuen Features gibt es für Sportler?

Schon das Vorgängermodell war für Sportler interessant: Die Apple Watch ist wasserdicht und besitzt integriertes GPS und jetzt auch einen Höhenbarometer. Heißt im Klartext, Sie können mit ihr schwimmen gehen oder ohne iPhone Lauf- und Traillaufstrecken aufzeichnen. Der optische Herzfrequenzmesser zeichnet den Puls am Handgelenk auf. Neu: Die Pulsmessung zeigt den Ruhepuls an und trifft Aussagen zur Trainingsbelastung oder empfiehlt Erholungszeiten nach einem Workout. Die Uhr warnt den Benutzer bei Unregelmäßigkeiten des Herzschlags. Zudem wurde die eigene Trainingsapp verbessert. Workouts lassen sich jetzt noch schneller starten (Trainings nach Zielen oder freie Trainings), mehr Fitnessdaten werden gespeichert und es gibt weitere Sportprofile (z.B. Intervalltraining). Während des Workouts können Sie jetzt sogar die Sportart wechseln (von Laufen auf Radfahren etwa). Sehr gut: Per Linkswisch ist die Musiksteuerung jetzt fest in Apples Trainings-App integriert. Und mit Drittanbieter-Apps wie slopes oder Ski Tracks können Sie jetzt auch Snowboarden oder Skifahren tracken. Die Uhr erkennt automatisch Liftanlagen und Abfahrten.

Die Apple Watch Series 3 ist  wasserdicht und hat einen eigenen GPS-Sensor und Höhenmesser.
Die Apple Watch Series 3 ist  wasserdicht und hat einen eigenen GPS-Sensor und Höhenmesser.

Klar, die 3. Generation Apple Watch gehört zur Oberklasse der Smartwatches, nicht nur beim Preis (ab 449 Euro mit LTE, ohne LTE-Modul ab 369 Euro). Die Bedienung ist intuitiv, Sprachbefehle und Spracherkennung funktionieren gut, das Display leuchtet angenehm hell und ist selbst bei direkter Sonneneinstrahlung gut ablesbar. Plus: Mit dem schnellen Prozessor laufen alle Apps flüssig. Zusammen mit Nike wurde eigens eine Sonderedition für Läufer entwickelt. Ist die Apple Watch Series 3 nun tatsächlich eine gelungene Sportuhr? Taugt sie als Alternative zu Fitness-Trackern und Sportuhren von etwa Polar, Garmin oder TomTom? Wir haben den Test gemacht.

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Die Apple Watch 3 ist ein sehr solider Lauftracker
Die Apple Watch 3 ist ein sehr solider Lauftracker

Das müssen Läufer bei der Apple Watch 3 beachten

Die Apple Watch 3 hat einen eingebauten GPS-Chip mit barometrischem Höhenmesser, Sie können also ohne iPhone laufen gehen und trotzdem Ihre Joggingstrecke aufzeichnen. Das funktioniert etwa mit der Apple-eigenen Workout-App, der Nike+-Run Club-App oder Apps wie Runkeeper. Mit Apples Workout-App können Sie Ziele festlegen (Strecke, Zeit oder Kalorien) oder einfach loslaufen. Die Datenwerte auf dem Display sind leider nicht sehr flexibel: Die App zeigt Puls, aktuelle Pace, Durchschnitts-Pace, Zeit, Kalorien, Höhenmeter und Strecke – und davon maximal 5 Datenfelder gleichzeitig. Das war’s. Für die meisten Läufer wird das sicherlich ausreichen. Die Apple Watch 3 sagt übrigens nicht, ob eine GPS-Verbindung besteht oder wie gut diese ist. Weiß die Uhr überhaupt, wo ich bin? Anscheinend schon. Die gelaufene Strecke in der Auswertung stimmt jedes Mal exakt. Bei ungenauem GPS-Signal rechnet die Uhr offenbar hoch. Denn in der Kartenauswertung meiner Läufe sehe ich Kurven (die auch mal mitten durch ein Gebäude gehen), wo ich eigentlich im 90-Grad-Winkel um die Ecke gelaufen bin. Praktisch: Wenn ich loslaufen will, sage ich einfach "Hey Siri, starte einen 30-minütigen Lauf."

Fürs Intervalltraining empfiehlt sich ein Bluetooth-Brustgurt 

Wir hatten die Uhr 4 Wochen Dauertest mit mehreren 5 bis 10-Kilometer-Läufen. Ergebnis: Wenn das Armband eng anliegt ist der Herzfrequenzsensor zuverlässig. Hin und wieder gab es allerdings Aussetzer, die meist einige Sekunden anhielten. Im Direktvergleich mit einer Pulsuhr plus Gurt (Polar V800) lag die Herzfrequenz etwa 2-4 Schläge höher, was völlig in Ordnung ist. Die Pulsmessung am Handgelenk hat aber Nachteile: Beim Intervalltraining oder schnellen Sprints ist sie nicht zuverlässig. Abhilfe: Sie können die Apple Watch 3 direkt mit einem Bluetooth-Brustgurt koppeln. Der optische Sensor unten am Gehäuse schaltet sich dann automatisch ab und die Uhr trackt die Herzfrequenz des Gurts. Das hat im Test hervorragend funktioniert.

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Die Apple Watch Nike+ ist perfekt auf die Nike+ Run Club-App abgestimmt
Die Apple Watch Nike+ ist perfekt auf die Nike+ Run Club-App abgestimmt

Der Akku hält 5 Stunden durch

Etwas ungenau ist die Messung der Pace. Diese schwankt beim Laufen teilweise. Und das obwohl mein Lauftempo immer relativ gleichmäßig war. In der Auswertung weichen die Rundenzeiten (pro Kilometer) daher auch von den Daten anderer Geräte ab (Bei der Polar V800 war ich beim selben Lauf häufig etwas langsamer). Gut gelöst: Pro gelaufenem Kilometer gibt’s Vibrationshinweise ans Handgelenk. Manuelle Runden nehme ich, wenn ich 2 Mal aufs Display tippe. Der Akku hält im GPS-Betrieb etwa 5 Stunden durch. Das reicht sogar knapp für einen Marathon. Eine ausführliche Auswertung der Läufe finden Sie nur in der Aktivitäts-App auf dem iPhone. Nachteil: Diese Daten lassen sich nicht auf andere Plattformen exportieren.

Lauf-Fazit: 

  • Vorteile: Für Läufer ist die Apple Watch 3 eine sehr gute Wahl, vielleicht nicht die beste. Einsteiger und Freizeitläufer, die der hohe Preis nicht abschreckt, bekommen zu den Smartwatch-Features einen sehr soliden Lauftracker mit vielen Features.
  • Nachteile: Ambitionierte Läufer werden individuelle Einstellungen Daten wie Schrittfrequenz oder maximale Herzfrequenz vermissen.

Taugt die Apple Watch Nike+ für Läufer?

Die Nike-Sonderedition unterscheidet sich zur regulären Uhr nur durch ein leichtes Armband, das Schweiß besser durchlassen soll, einige auf die Nike+-Run-Club-App abgestimmte Watchfaces und ein paar exklusive Siri-Kommandos. Die Hardware ist die gleiche. Mit der Nike-App läuft es sich ähnlich komfortabel wie mit der Apple-Workout-App. Bonus: Mit dem Running Coach können Sie ein Lauftraining mit unterschiedlichen Zielen absolvieren. Die Uhr erinnert dann rechtzeitig an die Trainings. Auch hier sind Datenfelder und Auswertung auf die Standards beschränkt.

Ist die Apple Watch 2 die ultimative Sportuhr?
Die Apple Watch zeichnet die wishtigsten Daten beim Radfahren auf

Ist die Apple Watch eine Alternative für Radfahrer?

Wer ohne iPhone seine Radstrecken aufzeichnen will, ist momentan noch auf die Apple Workout-App angewiesen. Damit werden zuverlässig Dauer, Tempo, Durchschnittstempo, Herzfrequenz, Strecke und Kalorien aufgezeichnet (maximal 5 werden angezeigt). Die Uhr zeichnet sogar Höhenmeter auf. Eine richtige Auswertung des Radtrainings bekomme ich nur über eine auf dem iPhone gestartete App (von beispielsweise Strava). Hier können Sie auch andere Messwerte (z.B. per Bluetooth verbundenem Trittfrequenzsensor etc.) tracken. Dann muss das Handy aber mit auf die Bike-Tour.

Radfahr-Fazit: 

  • Vorteile: Die Uhr speichert und wertet die wichtigsten Daten aus (sogar Höhenmeter).
  • Nachteile: Es fehlen Trittfrequenz und maximale Herzfrequenz. Die Apple Watch kann Geräte von Garmin & Co. nicht komplett ersetzen. Für passionierte Rennrad- und Mountainbike-Fahrer, die nach Watt oder Trittfrequenz trainieren, ist die Uhr als Trainingscomputer eher ungeeignet. 

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Die Apple Watch funktioniert im Becken und im Freiwasser
Die Apple Watch funktioniert im Becken und im Freiwasser

Die Apple Watch als zuverlässiger Schwimmtracker

Die Apple Watch ist wasserdicht (50 Meter), funktioniert im Becken und auch im Freiwasser. Fürs Bahnschwimmen gibt man nur die Bahnlänge ein, der Bewegungssensor erkennt dann automatisch die Wende. Im Test funktionierte das tatsächlich einigermaßen zuverlässig (+- 1 Bahnlänge) – vergleichbar mit der TomTom Multisport-Uhr. Das Tracking soll genauer werden, wenn man die Watch häufiger nutzt. Gemessen wird die Gesamtstrecke, Intervalldistanz, Runden, der Kalorienverbrauch, durchschnittliche Pace des Trainings sowie die Pace für einzelne Bahnen, die Anzahl der Schwimmzüge, einschließlich Anzahl der Schwimmzüge pro Bahn. Im Schwimmmodus ist übrigens der Touchscreen blockiert. Einsperrt man diesen wieder, bläst ein Ton automatisch das Wasser aus den Lautsprechern. Nachteil: Das Display leuchtet nur beim Anheben des Handgelenks oder wenn man an der Krone dreht. Beim Schwimmen kann ich also keinen kurzen Blick auf den Fortschritt der Trainingseinheit werfen. 

Schwimm-Fazit: 

  • Vorteile: Die Apple Watch 3 funktioniert im Wasser zuverlässig (selbst die Herzfrequenzmessung). Da ich sogar Werte zum Trainingsfortschritt erhalte (Armzüge pro Bahn) ist sie fürs zielorientierte Schwimmtraining durchaus geeignet. Es gibt jetzt übrigens einen Multisport-Modus. Triathleten können also von der Schwimmeinheit direkt zum Radfahren oder Laufen wechseln. Die Auswertungen in der Smartphone App sind gut. Plus: Die Uhr erkennt sogar den Schwimmstil.
  • Nachteile: Auswertungen wie swolf-Wert fehlen. Ich kann beim Schwimmen schwer den Fortschritt checken.

Funktioniert ein Workout mit der Apple Watch 3?

Die Apple Watch kann keine Krafttrainingssession tracken (es gibt lediglich Ausdauergeräte, wie Crosstrainer, Rudergerät und Laufband). Klar, ich kann die Trainingszeit und die Herzfrequenz aufzeichnen. Bewegungen, Wiederholungen und Pausen registriert die Uhr nicht. Einige Drittanbieter wie "Seven" und "Runtastic Six Pack"haben Apps entwickelt, mit denen Sie ein Workout nachturnen können (z.B. Rumpf oder Ganzkörper). Auf dem Display werden die zu absolvierenden Übungen als Animationen gezeigt und ein Countdown sagt Wiederholungen, Dauer und Pausenzeiten an.

Workout-Fazit: Die Workout-Apps sind hilfreich für Trainingseinsteiger und Menschen, die zu Hause trainieren. Sie ersetzen aber weder einen individuellen Trainingsplan noch das Feedback eines Trainers.

Die Apple Watch warnt den Benutzer bei Unregelmäßigkeiten des Herzschlags
Die Apple Watch warnt den Benutzer bei Unregelmäßigkeiten des Herzschlags

So steuern Sie Musik beim Training

Wer mit Uhr und ohne iPhone läuft oder radelt, muss auf seine Trainingsmusik nicht verzichten. Die Apple Watch lässt sich direkt mit einem Bluetooth-Kopfhörer koppeln. Über die Watch-App auf dem iPhone können Sie eine Playlist direkt auf die Uhr übertragen. Das ist zugegeben etwas umständlich (die Uhr muss auf der Ladestation liegen), funktioniert aber einwandfrei. Sehr gut: Ich kann die Playlist direkt in den Workout-Apps steuern.

Fazit: ein Alleskönner unter den Fitness-Trackern

Ist die Apple Watch Series 3 die ultimative Sportuhr? Nicht ganz. Apples Smartwatch ist weder die perfekte Uhr für Läufer noch für Biker. Aber sie ist auf dem besten Weg dahin. Denn momentan ist die Apple Watch 3 ein bemerkenswerter Alleskönner unter den Fitness-Trackern. Kein anderes Gadget deckt derzeit so viele Sportarten ab. Selbst der integrierte Aktivitätstracker geht etwas andere Wege als viele Fitness-Armbänder (Apple setzt nicht nur auf "Schritte zählen", sondern auch auf Steh-, Trainings- und Bewegungsziele). Zwar sind die gesammelten Daten und Fitness-Modi noch ausbaufähig, auch bei den Community-Features (Teilen und Export der Daten in anderen Portalen, sportlicher Vergleich mit anderen Nutzern). Lauf- bzw. Sporteinsteiger bekommen ein wertvolles Tool, um ihr Training zu planen, zu tracken und auszuwerten. Die Apple Watch 3 ist besonders sportbegeisterten Menschen zu empfehlen, die sich nicht nur auf eine Sportart fixieren. Ambitionierte Sportler, die nach Herzfrequenz-Zonen oder Watt trainieren, brauchen ein anderes Gadget. 

Preis der Apple Watch Series 3: Ab 369 Euro
Voraussetzungen: iPhone 5 oder neuer mit iOS 10

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