Ordentlich festmachen: Kleine Knotenkunde fürs Alpine

Mit Doppelseil praktisch: der Yosemite-Bulin.
1 / 8 | Mit Doppelseil praktisch: der Yosemite-Bulin.

Ein fester Knoten ist beim Alpinklettern überlebenswichtig. Wir haben Ihnen einige grundlegende Knoten zusammengestellt, damit Sie nicht erst im Ernstfall damit konfrontiert werden

Anseilknoten

Einbindeknoten: Achter versus Bulin

Der Achter ist einfacher zu knüpfen als der Doppelte Bulin und ist einfach zu kontrollieren, lässt sich nach einem Sturz aber schwerer wieder öffnen. Der Doppelte Bulin ist der typische Sportkletter-Anseilknoten und wird immer dort verwendet, wo häufig gestürzt wird.

Eine Sonderform ist der eineinhalbfache Bulin oder Yosemite-Bulin. Er ist zum Anseilen mit zwei Doppelseilen angenehmer, weil mit ihm nur zwei Seilstränge durch die Anseilpunkte am Gurt gefädelt werden müssen (beim Doppelten Bulin wären es vier). Wie der Yosemite-Bulin geknüpft wird, zeigt die Grafik oben.

Eine detaillierte Erklärung der beiden Knoten finden Sie bei den Kollegen auf klettern.de

Zum Verbinden von Reepschnüren, Band­schlingen und Seilen dienen je nach Einsatz­bereich unterschiedliche Knoten.
2 / 8 | Zum Verbinden von Reepschnüren, Band­schlingen und Seilen dienen je nach Einsatz­bereich unterschiedliche Knoten.

Sackstich

Am häufigsten benötigt man den Sackstich. Dieser kann in Tropfen- oder Ringform geknüpft werden. In Ringform dient er zur dauerhaften Verbindung. In Tropfenform kommt er zum Einsatz, wenn die Schlinge öfters auf und zugeknotet werden soll/muss. Die Tropfenform wird gelegt, die Ringform muss gesteckt werden.

Einsatzbereiche:

  • Verbinden der Seilenden beim Abseilen. Vorteil: der Sackstich lässt sich beim Seilabziehen besser über Kanten ziehen und verhängt sich nicht so leicht. Er kann auch zum Verbinden unterschiedlich dicker Seile verwendet werden (Halb- und Einfachseil oder beim Verbinden von Einfachseil und Hilfsleine). Enden lang lassen, etwa 20 bis 30 Zentimeter. An allen vier Strängen fest ziehen.
  • Auch zum Verbinden von Reepschnüren als Sanduhrschlingen eignet sich der Sackstich. Müssen dünne Sanduhren im Einzelstrang gefädelt werden, kann man auch aus der Kletterposition einen Sackstich legen. Die Enden sollten lang aus dem Knoten reichen (etwa 10 bis 15 cm). Der Sackstich in Tropfenform würde bei großer Belastung „aufrollen". Da eine Sturzbelastung jedoch nur kurzzeitig und schockartig wirkt ist der Sackstich ausreichend, wenn die Enden lang genug sind.
  • Um ausreichend Bruchfestigkeit bei einer gefädelten Sanduhr zu erhalten, empfehlen wir nur Kevlar- oder Dyneema-Reepschnüre zu verwenden. Mit diesen Materia­lien kann alles gemacht werden: Standplatzbau, Sanduhren fädeln, Haken abbinden, als Selbstsicherungsschlinge und zum Prusiken. Polyamid-Reepschnüre taugen dagegen nur zum Prusiken – ein Auslaufmodell.
  • Eine Gefahr birgt der Sackstich beim Verbinden von Bandschlingen, da er sich auf den glatten Bandmaterial aufziehen kann. Hier besser den gesteckten Achterknoten benutzen. Auch zum Anseilen taugt der Sackstich nicht, weil sich das kurze Ende bei glatten neuen Seilen leicht zurückfädelt und der Knoten dann sofort offen ist. Hier wird deshalb der Achter verwendet.
Zum Verbinden von Reepschnüren, Band­schlingen und Seilen dienen je nach Einsatz­bereich unterschiedliche Knoten.
3 / 8 | Zum Verbinden von Reepschnüren, Band­schlingen und Seilen dienen je nach Einsatz­bereich unterschiedliche Knoten.

Spierenstich und Paketknoten

Möchte man eine Reepschnur dauerhaft verbinden (zum Beispiel als Kurzprusik), so kommen der doppelte Spierenstich oder der Paketknoten zum Einsatz.
4 / 8 | Zum Verbinden von Reepschnüren, Band­schlingen und Seilen dienen je nach Einsatz­bereich unterschiedliche Knoten.

Ankerstich

Zum Verbinden von vernähten Bandschlingen verwendet man den Ankerstich. Vorsicht aber, wenn an solchen Schlingen längere Zeit Toprope geklettert wird und der Knoten am Fels scheuert. Dabei kann die Schlinge am Knoten aufscheuern. Der Ankerstich kommt auch beim Standplatzbau zum Einsatz, um sich das lästige und zeitaufwändige Öffnen des Sackstich­auges zu sparen.
5 / 8 | Klemmknoten dienen zur Selbst- oder Kameraden­rettung, wenn keine andere Seilklemme zur Hand ist.

Klemmknoten

Klemmknoten dienen zur Selbst- oder Kameraden­rettung, wenn keine andere Seilklemme zur Hand ist.

Prusik und Kreuzklemmknoten

Der Prusik ist der universale Klemmknoten in der Bergrettung und klemmt in beide Richtungen. Er funktioniert auch mit dickeren Reepschnüren und an dünnen Einfachseilen, wenn er drei Mal statt nur zwei Mal gewickelt wird. Er kann auch mit Bandmaterial angewendet werden.

Der Kreuzklemmknoten wird mit Bandmaterial gelegt und klemmt nur in eine Richtung zuverlässig, lässt sich dafür aber gut weiterschieben.

6 / 8 | Zur Selbstsicherung und Schlingenfixierung am Stand empfiehlt sich der Mastwurf.

Standplatzknoten

Zur Selbstsicherung und Schlingenfixierung am Stand empfiehlt sich der Mastwurf.

Neben dem Bulinauge, das wir auf der vorherigen Seite dieses Artikels vorgestellt haben, dem Sackstich und dem Ankerstich kommt am Standplatz vor allem der Mastwurf zum Einsatz. Er hat gegenüber allen anderen Knoten den großen Vorteil, dass er sehr einfach in der Länge verstellbar ist.

Der Mastwurf wird meistens zur Selbstsicherung verwendet. Dazu legt der Sichernde den Knoten mit dem von seinem Gurt kommenden Seil in einen Schraubkarabiner am Standplatz. Zur Einstellung der Länge der Selbtsicherung wird der Knoten leicht gelockert und das Seil in die gewünschte Richtung verschoben.

Zur Fixierung der Schlinge bei einer Ausgleichsverankerung kann der Mastwurf ebenfalls eingesetzt werden.

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Knoten- und Schlingenfestigkeiten

Jeder Knoten reduziert die Festigkeit, als Faustregel kann man von 50 Prozent ausgehen. Die Werte im Detail finden Sie in dieser Tabelle und darunter.

Gemessene Knotenfestigkeiten bei statischer Belastung

Die höchste Festigkeit der Verbindungsknoten hat der doppelte Spierenstich, gefolgt vom Achter und schließlich dem Sackstich in Ringform. Knoten in Tropfenform auf Ringbelastung getestet halten weniger. Hier ist der Achter, gefolgt vom Paketknoten und dem Sackstich am besten. Doch auch der Sackstich hält bei einer 5,5 mm Kevlar-Reepschnur locker einen Sturz aus, wenn die Enden lang genug sind.

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Festigkeit von fertig ge­knoteten Schlingen

Wie sich die Gesamtfestigkeit von geknoteten Reepschnüren und Bandschlingen verhält, sehen Sie hier. Die Prozentzahl bezieht sich auf die theoretische Festigkeit der Reepschnur oder des Bandmaterials im Einzelstrang. Da diese aber nur selten im Einzelstrang, sondern meist als einfache oder doppelt genommene Rundschlinge eingesetzt werden, sind die entsprechenden Festigkeiten angegeben.

Beim Mehrseillängen-Klettern benötigt man eine kleine Auswahl an Knoten, nicht nur zum Anseilen. Wenn möglich sollte man aber, wo immer es geht, fixe Vernähungen bevorzugen, da diese wesentlich höhere Festigkeiten bieten. Für die meisten Einsatzgebiete können solche vernähten Schlingen verwendet werden (große Sanduhren, Köpfel, Haken abbinden, Kurzprusik, Zwischensicherungen, Selbstsicherungsschlinge).


Doch zum Abseilen (Seilverbindung), Anseilen oder für Sanduhren und Bergrettungsinhalte benötigt man immer noch den einen oder anderen „Knopf". Welcher wofür empfohlen wird, stellen wir Ihnen hier vor.


Einen Knoten kennen ist leider nicht das Gleiche wie einen Knoten können. Im alpinen Gelände bedeutet die Beherrschung der Knoten ein Sicherheitsplus. Die wichtigsten Knoten sollte man deshalb beinahe blind knüpfen können. Denn wenn es beim Wettersturz in der Wand kalt und nass wird oder Sie extrem unter Zeitdruck geratet, wollen Sie nicht anfangen, die Knoten zu üben. Wer da seine Sache beherrscht, spart Zeit und ist sicherer unterwegs. Deshalb unser Tipp: üben, üben, üben. In der Bahn, als Beifahrer im Auto, in der Vorlesung, vor dem Fernseher: Knoten üben, bis sie sitzen.

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