Trainings-Logbuch: Maximilians Vorbereitung zur L'Etape du Tour +++ Updates +++

Max Immer: so schaffe ich die L’Étape du Tour de France
Maximilian: "Das ist die härteste Challenge meines Lebens"

Team, Trainingslager, Alltag — Hier berichtet Maximilian über seine Erlebnisse beim Team Alpecin auf dem Weg zur härtesten Etappe der Tour de France

+++ 17. Juni 2019, "Sommer, Sonne... " +++

Lieber Leser, Sie haben es selbst erleben dürfen, wir befinden uns auf dem Weg in den Sommer. Am Wochenende lud das schöne Wetter alle zum Grillen und Entspannen in die Parks dieser Republik ein. Alle? Nein, natürlich nicht... 

Max Immer: So schaffe ich die L’Étape du Tour de France

PS. Statt des erwähnten "Swipe" gibt's hier am Donnerstag oder Freitag meinen hammerharten neuen Trainingsplan zum Nachfahren für Sie, wenn Sie fit sind, an dem ich mich bereits abarbeite.... Bis dahin, bleiben Sie in meinem Windschatten.

+++ 05. Juni 2019, "Rund um Köln": brutal schnell und am Limit aufm letzten Kilometer +++

Max Immer: So schaffe ich die L’Étape du Tour de France
Meine Daten von der Rund-um-Köln Fahrt 2019

Lieber Leser, wie versprochen, diesmal wollte ich auf keinen Fall mit Energieüberschuss ins Ziel trudeln wie in Luxemburg. Deshalb: vom Start an Vollgas und aufs Ganze gehen! Ein Zufall sollte mir bei meinem Vorhaben unter die Arme greifen. Bei den Startblöcken A bis F, die absteigend nach Schnelligkeit geordnet werden (die schnellsten Fahrer starten vorne im Block A), hatte ich mich eigentlich in Block C oder D eingeplant. Unerwartet bekam ich die Möglichkeit in Block B zu starten und griff bei dieser Gelegenheit spontan zu —volles Risiko.

Fazit: Block B hat für mich richtig gut funktioniert. Ich merke, wie das Training anschlägt. Ich bin fast immer in Gruppe gefahren und konnte mich mit den Kollegen bei der Führungsarbeit abwechseln. Ergebnis: eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 35 km/h! In Luxemburg waren es "nur" 30km/h — allerdings musste ich da auch deutlich mehr Höhenmeter klettern. Dennoch: ich bin super zufrieden. Auf den letzten Kilometern vor dem Ziel ging bei mir kaum noch was, ich war am Limit und kämpfte gegen Krämpfe, sodass ich kaum noch zum Sprint ansetzen konnte. Eine Grenzerfahrung, herrlich. Ich bin auf einem guten Weg.

Bleiben Sie bei mir im Windschatten, bis nächste Woche!

Lust zu sehen, was ich jeden Tag so abradel? Folge mir bei Strava

+++ 29. Mai 2019, Mein erster Formcheck in Mondorf les Bains (Luxemburg) beim Schleck Gran Fondo: 3 Krisen für eine Erkenntnis: Ich bin im Fieber! +++

Max Immer: So schaffe ich die L’Étape du Tour de France
Lockeres Aufwämrprogramm im Team Alpecin: Arm- und Fingerdehnübungen

Lieber Leser, ich bin mein erstes Radrennen gefahren! Vorweggenommenes Fazit: Meine gesamte Muskulatur zieht gewaltig, körperlich fühle ich mich am Ende und mental bin ich im Fieber, im Rad-Fieber. Und jetzt, tauchen Sie ein, ich erzähle Ihnen, wie es am vergangenen Samstag in Luxemburg war, Platzwunden, Krisen und Irrungen und Wirrungen inklusive und exklusiv für Sie als Men's Health-Leser!

Die Strecke

Im schönen Luxemburg warten 155 Kilometer und 2500 Höhenmeter auf insg. 1619 Teilnehmer. Am Vorabend des Renntages hole ich zusammen mit meinen Kollegen aus dem Team Alpecin die Startnummern ab (meine: 2535), wir schlendern über die Rennrad-Messe, lauschen dem Security-Briefing (zu beachtende Regeln für das Rennen etc.) und beenden den Tag mit einer Pasta-Party: Nudeln & Bolo en masse für ausreichend Kohlenhydrat-Energie am kommenden Tag.

Max Immer: So schaffe ich die L’Étape du Tour de France
Noch ist die Stimmung ist gut: Leasure Time im 1. Block

Der Renntag

Der beginnt früh: um 09:30 Uhr ist Startschuss. Dafür finden wir uns mit einigen Teammitgliedern im 1. Start-Block ein für die Altersklasse 25–35 Jahre, so war die Ansage — bei der wir prompt übersehen haben: die Altersklasse ist korrekt, aber auf unseren Startnummern stehen kleingedruckt die Buchstaben "LR", was übersetzt "Leasure Ride" heißt: Freizeitfahrer. Diese starten nachvollziehbar in den hinteren Blöcken. Denn: Der 1. Block ist reserviert für alle, die sich für Weltmeisterschaft qualifizieren wollen! Als der Startschuss fällt, ist jeglicher Leasure-Gedanke fehl am Platze, es ist eng und geht kompromisslos zur Sache. Immerhin: Es gelingt mir unfallfrei in der Masse mitzuschwimmen. Mein Ziel für heute: Die 155 Kilometer in unter 7 Stunden befahren und sollte ich richtig gut drauf sein, sogar in unter 6 Stunden.

Max Immer: So schaffe ich die L’Étape du Tour de France
Die Strecke mit ihren Auf- und Abfahrten immer vor Augen

Die ersten Kilometer fühlen sich gut an, alles easy. Dann bei Streckenkilometer 30 erwischt es jemand aus unserem Team. Auf gerader Strecke wird er in Gruppe fahrend in einen Crash verwickelt. Ergebnis: Platzwunde, Abschürfungen, Kieferfraktur; Sanis kümmern sich um die Ersthilfe, danach geht's ins Krankenhaus. Der Alltag eines Rennfahrers.

Für die folgenden Kilometer ist es wichtig, eine Gruppe zu finden, der ich mich anschließen kann. Alleine fährt man zu langsam, vielleicht würde ich auf 32 km/h kommen; eine Gruppe bietet Windschatten, zieht einen mit und man wechselt sich bei der Führungsarbeit ab. So schafft man glatt 10 km/h mehr im Durchschnitt. Doch einige Gruppen sind zu schnell für mich, andere wiederum zu langsam, also fahre ich streckenweise alleine. Die ersten Bergabfahrten liegen vor mir. Ich nehme ich mich zurück, es ist viel los auf der Strecke, das Gewusel und die Geschwindigkeit ringen mir Respekt ab. Aber unterm Strich radel ich die kommenden 80–90 Kilometer gut weg.

Ab Kilometer 120 wird es plötzlich problematisch

Mich überkommt Übelkeit. Entweder ist es die körperliche Anstrengung oder meinem Magen bekommen die Energieriegel nicht, die ich in Häppchen auf den vergangenen Kilometern vorbereitend für die letzten zwei harten Anstiege, die noch vor mir liegen, gefuttert hatte. Da ich nicht weiß, wie ich das flaue Gefühl loswerden kann, trete ich weiter in den Pedalen. Nomen est omen!

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Die Muskel beißen zurück: Ich quäle mich am Anstieg

Streckenkilometer 130: meine Oberschenkel- und Wadenmuskeln meutern. Ich spüre, wie sie kurz davor sind "dicht" zu machen. Dabei hatte ich Energie gespart, um für die letzten zwei langen Anstiege ausreichend Power übrigzuhaben. Wer will bei seiner ersten Fahrt schon kurz vor dem Ziel schlapp machen?! Und nun das! Es geht nicht, ich fahre an eine Verpflegungsstation, fülle meine Wasserflaschen auf und esse zwei Stücke Orangenfilets. Danach geht’s weiter. Nach 5 Kilometern sind meine Muskeln back in business und laufen rund. Stark. Jetzt heißt es die Anstiege in Angriff nehmen!

Die letzten Kilometer

Dafür nehme ich mich erneut etwas zurück, nicht zu früh das Pulver verschießen, allerdings bringt mich mein selbst auferlegter Energiesparmodus aus dem Rhythmus. Andere Fahrer rauschen an mir vorbei. Endlich kommt der erste Anstieg. Der flutscht gut weg, kürzer und weniger stark, als eingeplant. Das verunsichert mich — Na gut, umso härter wird vermutlich der letzte Anstieg sein. Nicht zu früh die Zügel loslassen. Da, ich kann ich sehen, und ich hab ausreichend Power übrig, auf geht’s. Und erneut, auch dieser Anstieg ist deutlich kürzer und weniger stark als geplant. Verdammt, das ist bitter, ich kann doch nicht mit überschüssiger Energie ins Ziel einfahren. Ich lege den Sprint-Gang ein, pack alles rein, was die Muskeln hergeben. Die letzten Kilometer presche ich mit 50–60 km/h über die Strecke. Geschafft.

Max Immer: So schaffe ich die L’Étape du Tour de France
Am Ende, aber für die Archivierung des Ereignisses reicht's noch gerade

Nach dem Ziel (ist vor dem nächsten Rennen)

Lieber Leser, es-war-der-Wahnsinn. Ich bin noch nie so eine Distanz gefahren. Mein erstes Rennen habe ich als 1136. in 5:23:24 Stunden beendet — für mich ein Erfolg! Ich habe fast 500 Konkurrenten hinter mir gelassen; der Sieger benötigte für die Distanz knapp 4 Stunden. Das beste Team Alpecin Mitglied war nur 45 Minuten vor mir im Ziel. Am Ende waren es sogar 160 Kilometer und doch "nur" 2111 Höhenmeter. 

Die Schleck Gran Fondo in Luxemburg war der perfekte Form-Test für mich. Jetzt weiß ich, dass ich die L'Étape du Tour am 21.07. schaffen werde, auch unter 10 Stunden! Am kommenden Wochenende greife ich das nächste Rennen an, den Klassiker am Rhein: die "Rund um Köln"-Fahrt. 127 Kilometer und 1800 Höhenmeter — die brenn’ ich ab. Solange bin ich noch angeschlossen am PowerDot, um meinen Muskelkater zu kurieren.

Also, bleiben Sie bei mir im Windschatten, bis nächste Woche!

 +++ 22. Mai 2019, Kurzurlaub im heimischen Köln +++

Maximilian Immer auf dem Weg zur Tour: Team Alpecin
Ob im Boot oder aufm Rad: Das Rheinland ist immer eine Reise wert

Das Rheinland! Eine Landschaft zum idyllischen Entspannen, in den Tälern und auf den sachten Gipfeln will man verweilen, auf dem Wasser will man flussabwärts schippern, die Seele baumeln lassen und einfach sein. Es ist eine Genusslandschaft — für alle anderen . . .

Maximilian Immer auf dem Weg zur Tour: Team Alpecin
Der Name ist Motto: Maximilian ist immer im Training

Ich musste trotz redaktionellem Kurzurlaub übers Wochenende ran ans Rad, Kilometer und Tempo machen. Denn: In 8 Wochen ist es soweit, dann geht’s ums Ganze! So langsam fängt es an zu kribbeln . . . Dagegen hilft nur Radfahren. Erst draußen, dann drinnen, Tag und Nacht, immer.

+++ 13. Mai 2019,  Kuchen, überall Kuchen und für mich nix als Training! +++

Kuchen-Fest vs Maximilian Immer
#EscapeTheCake wer der AlpecinCycling Family angehören will

Liebe Leser, als wäre der Montag nicht bereits hart genug, wird meine Trainingsdisziplin momentan auf eine weitere Probe gestellt: Meine geliebten Kollegen tellern seit Tagen Kuchen in aller Form und Menge auf die Tische der hiesigen Redaktions-Flure.

Es begann vergangene Woche. Kuchen, immer wieder wurde via E-Mail Kuchen angekündigt. Die Anlässe rissen nicht ab. Mich empfing bei jedem Marsch zur Teeküche für eine Tasse Frischkaffee ein weiteres Kuchenblech und meine Kollegen, die herzlich zulangten und fröhlich im Zuckerwahn schwelgten ("Mmmh, ist-der-safffftig!"). Ich kämpfte an allen Fronten, gegen die Völlerei der Kollegen, den lieblichen Duft von Apfel, Himbeer- oder Himmel-weiss-was-für Kuchen, der mir samtweich den Magen kitzelte, und gegen meine bröckelnde Disziplin.


Einzig unter Anwendung eisenharter Selbstdisziplin, und sehr viel Fahrtraining, konnte ich mich, ohne zu sündigen, ins Wochenende retten — und heute nun das: erneut Backbleche voller Kuchen! Der Weg eines Fahrrad-Profis ist auf beiden Seiten gesäumt mit Versuchungen. #EscapeTheCake    

+++ 06. Mai 2019,  Allergie und Fernsehen +++

Maximilian Immer: So schaffe ich die L’Étape du Tour de France
Der Sportjournalist Hugo Camps war allen voraus in Sachen Weisheit: "Je mehr du im Training schwitzt, desto weniger musst du im Wettkampf bluten."

Am Wochenende gab's Training in den eigenen vier Wänden statt im Freien: denn trotz des mäßigen Wetters in Hamburg machen mir die Allergien heftig zu schaffen — Nase läuft, Augen tränen und jucken, da strampel ich lieber ein paar Kilometer aufm heimischen Rollentrainer herunter. Aber mein Gesicht ist eigentlich das geringste Problem. Schon Rudi Altig wusste: "Ein Radrennfahrer muss seinen Hintern besser pflegen als sein Gesicht."

Maximilian Immer: So schaffe ich die L’Étape du Tour de France
Neben den Hamburger Cyclassics und Rund um Köln das wichtigste Eintagesrennen in Deutschland: Eschborn–Frankfurt

Das Motto habe ich mir am Tag der Arbeit zur Brust genommen. Um nicht ganz untätig zu bleiben und mein Theorieverständnis zu erweitern, Bildung muss schließlich sein, habe ich die Kollegen beim Radklassiker Eschborn–Frankfurt studiert. Wattzahl, Geschwindigkeit, Taktik. Ganz stark, wie die da Schwitzen!

+++ 29. April 2019,  Schwitzen während der Mittagspause in Hamburg +++

Schwitzen während der Mittagspause
Hochmotivierte Flucht vor der redaktionellen Arbeit: ich aufm Weg zum Waseberg

Schöne Grüße in die Redaktion und alle Büros dieser Republik: Das war bei einer schönen Ausfahrt in der Mittagspause. Eine Stunde entlang der Elbe und den höchsten Berg Hamburgs hoch, runter und wieder hoch: den Waseberg. In Hamburgs gibt's Berge? Ja, durchaus. Der Waseberg steht im Hamburger Nobelviertel Blankenese und liegt 87 Meter über NN und noch besser für mich: er hat harte 18 Prozent Steigung! Jedes Jahr zu den Hamburg Cyclassics quälen sich hier die profis hoch — und heute ich.

Name verpflichtet: langsam wird es ernst
Name verpflichtet: langsam wird es ernst.

+++ 19. April 2019, Trainingslager Zusammenfassung: Beeindruckend, tragisch und überwältigend +++

Diese drei Wörter beschreiben die Zeit im Trainingslager für mich am besten. Unser Kollege, Stefan Keul (Pro Sport Manager der Radmarke Canyon), ist hier bei einem tragischen Unfall ums Leben gekommen. Das hat alle im Team schwer mitgenommen. In dieser schlimmen Zeit hat man gemerkt, wie dieses Team —, das sich ja noch nicht lange kennt — zusammenhalten, wie es funktionieren kann und es trotzdem klappt, das jeder an seine mentalen und körperlichen Grenzen geht und darüber hinaus. Das hat mich beeindruckt. Der Zusammenhalt gibt Stärke um Krisen zu überstehen und hat mich unendlich gepusht.

Ein Beispiel aus dem Training: ich war auf einer Bergfahrt, wunderschöne Weinberge und gleichzeitig knüppelhart mit einem Anstieg von 20 Prozent. Ich kraxelte unten am Berg zum Aufstieg herum und das Einzige, was mühelos war, war das Schwitzen. Ich war auf dem kleinsten Zahnrad unterwegs, ackerte und kämpfte gegen das Brennen in meinen Oberschenkeln. Ich ließ nur noch mein Gewicht in die Pedalen fallen, statt aus Muskelkraft zu treten. Und was haben die Profis und Halbprofis vom Team Alpecin, wie Maurizio Fondriest und Jörg Ludewig und die Alpecin-Allstar gemacht, die uns unterstützen? Die waren natürlich längst oben am Berg. Sie sind dann für die weniger Fitten umkehrt, fuhren neben uns her und haben auf uns eingeredet, "Komm, du packst das!" — "Nimm dir kleine Ziele vor." — "Ja, los!!".

Lieber Leser, Sie glauben gar nicht, wie unfassbar geil das ist und wie heftig das einen nach vorne treibt. Die haben mich überwältigt in ihrer Motivation uns zu unterstützen und mit ihrer Hingabe an den Sport. Selbst während der größten Qual macht das dadurch Spass, Rennen zu fahren und sich zu quälen. Durch sie bin ich Strecken gefahren, von denen ich nicht dachte, dass ich sie schaffen könnte: 120 Kilometer — OK, aber gleichzeitig über 1000 Höhenmeter, nie hätte ich mir vorgestellt, dass ich solche Strecken so früh im Training bewältigen könnte.

Deshalb nehme ich aus dem Trainingslager, neben dem hervorragenden Essen, folgendes mit: was diesen Sport so faszinierend macht, von dem man annimmt, er sei ein Einzelkämpfer-Sport, ist das Team. Es ist der Support untereinander. Und auch wenn ich bereits einen Eindruck bekommen habe, wie derbe hart es werden wird im Juli: Ich bin jetzt noch heißer darauf die L’Étape du Tour zu fahren! Bleiben Sie dran, auch in bin gespannt, was ich als nächstes zu berichten habe. 

+++ 08. April 2019, Südtirol — ES GEHT LOS!! — +++

Maximilian Immer, Team Alpecin 2019

+++ 01. April 2019, Hamburg +++

Liebe Men's Health Leser, hier berichte ich ab sofort für Sie über die Höhen und Tiefen meiner Challenge im Alpecin Jedermann-Team. Das ist kein April-Scherz. 

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