Naturmedizin nicht immer ungefährlich

In Kombination mit Medikamenten zum Teil lebensbedrohend

Hamburg — Falsch eingesetzt schaden pflanzliche Präparate mehr, als sie nutzen können. Und dies vor allem dann, wenn sie gleichzeitig mit anderen Medikamenten oder vor einer Operation eingenommen werden, berichtet das Männermagazin "Men’s Health" in seiner am Mittwoch, 16. Februar, erscheinenden März-Ausgabe. Danach haben britische Pharmakologen an der University of Exeter zum Teil lebensgefährdende Wechselwirkungen festgestellt.

So kann es beispielsweise bei Einnahme von Echinacea über acht Wochen zusammen mit anabolen Steroiden und Folsäure-Antagonisten (Methotrexat) unter Umständen zu einem Leberkoma kommen. Baldrian und Barbiturate, letztere früher als Schlafmittel und heute als Epilepsie-Medikamente eingesetzt, verstärken sich gegenseitig in ihrer Wirkung — mit der Folge, dass der Patient völlig ausgeschaltet wird. Absolut tabu ist für Diabetiker Ginseng, da es die Glukosekonzentration verändert. Kava-Kava verstärkt die Wirkung von Benzodiazepinen, häufig Bestandteil von Schlafmitteln und angstlösenden Medikamenten. Das Ergebnis dieses Cocktails ist im Extremfall Koma.

Ganz besonders gefährlich können die unerwünschten Effekte von Naturmitteln bei einem operativen Eingriff werden. So warnte die amerikanische Gesellschaft der Anästhesisten beispielsweise vor Fieberkraut, Ginkgo, Ginseng, Ingwer und Knoblauch. Sie würden die Blutungsneigung verstärken, wodurch ein gefährlich hoher Blutverlust während der Operation zu befürchten ist. Grundsätzlich sollten wenigstens zwei Wochen vor einem chirurgischen Eingriff sämtliche pflanzliche Arzneimittel und Nahrungsergänzungen abgesetzt werden.

Wie schwerwiegend diese Problematik ist, zeigt eine Untersuchung der West Virginia University. Danach nimmt etwa jeder vierte Patient von Schulmedizinern auch Naturpräparate ein. Jedoch nur 30 Prozent von ihnen informiert davon den Arzt.

Men’s Health

14.2.2000