Sexsucht: So erkennen Sie, ob Sie sexsüchtig sind

Und wie oft schauen Sie Pornos im Internet?
Ein Hauptsymptom der Sexsucht ist ein hoher Konsum von Internetpornos

Ihre Gedanken kreisen ständig um den nächsten Orgasmus? An diesen 6 Anzeichen können Sie erkennen, ob Sie sexsüchtig sind

Klar: Sex ist der Hammer! Je öfter, desto besser, denn es hebt die Laune, verbessert die Beziehung und ist sogar gut für die Gesundheit. Kann man dann überhaupt zuviel Lust haben? Tatsächlich gibt es Menschen, die süchtig nach Orgasmen sind, und bei denen das Verlangen danach zum ernsthaften Problem wird. Aber keine Sorge, nur weil Sie oft und gerne der Sex haben, heißt das nicht, dass Sie krank sind. Unsere Expertin erklärt Ihnen, was hinter dieser Krankheit steckt und wie Sie sie erkennen.

Was ist Sexsucht?

Der Begriff "Sexsucht" bezeichnet umgangssprachlich das Problem, dass man seine sexuellen Triebe nicht mehr unter Kontrolle hat und man sie immer wieder zwanghaft befriedigen muss. "Offiziell heißt dieses Phänomen Hypersexualität, denn es ist eher eine Störung der Impulskontrolle als eine tatsächliche Sucht", erklärt die Paartherapeutin Christine Geschke vom Psychologicum in Hamburg. Den Betroffenen geht es dann nicht mehr um Nähe, Erotik und Leidenschaft, stattdessen jagen sie nur noch dem nächsten Orgasmus, dem nächsten Kick hinterher, ähnlich wie bei einer Droge. Schätzungsweise jeder 15. Deutsche hat zumindest solche Tendenzen, dabei sind Männer deutlich häufiger betroffen als Frauen. "Das könnte daran liegen, dass die Sexualität bei Männern einfacher und verlässlicher funktioniert als bei Frauen", vermutet Geschke.

>>> Erektionsprobleme mit 30? Das hilft!

Sexsucht kann die Beziehung schwer belasten
Sexsucht ist von der Weltgesundheitsorganisation WHO offiziell als Krankheit anerkannt

Wie entwickelt sich eine Sexsucht?

Die Krankheit entsteht in einem schleichenden Prozess. "Häufig steckt ein Gefühl der inneren Leere oder Frust dahinter, was kompensiert werden soll", erklärt die Therapeutin. Auch wenn man Selbstzweifel hat oder sich irgendwie unzulänglich fühlt, kann Sex als Fluchtmittel dienen. Der Orgasmus ist wie ein Rausch, der diese Gedanken dann für einen Moment betäubt, und den will man immer wieder. Nach einiger Zeit wird der normale Sex oder das Masturbieren aber zur Routine, es braucht dann neue und häufigere Reize, um befriedigt zu sein. Aus diesem Teufelskreis kommt man irgendwann nicht mehr heraus und verliert nach und nach die Kontrolle über das eigene sexuelle Verhalten. "Die Betroffenen bemerken das Problem oft erst, wenn selbst ein hoher Pornokonsum nicht mehr ausreicht oder die Beziehung leidet", beschreibt Geschke. Doch dann stecken sie meistens schon sehr tief in diesem zwanghaften Verhalten drin und können ohne Hilfe kaum wieder herauskommen.

>>> Glücklich werden kann man lernen

Machen Pornos süchtig?

"Eines der Hauptsymptome von Hypersexualität ist ein hoher Konsum von Internetpornos", sagt die Expertin. Im Netz braucht man keinen Partner und es gibt keine sozialen Hemmschwellen mehr wie in der realen Welt. Stattdessen kann man sich auf den Sexseiten ungehemmt austoben und sich durch die verschiedensten Fantasien und Praktiken klicken. Dadurch können Hypersexuelle sich relativ lange Befriedigung verschaffen, ohne dass es im Alltag große Probleme gibt. Die Krankheit wird aber nur schlimmer, weil sich das zwanghafte Verhalten immer mehr verfestigen kann. Ob Pornos eine Sexsucht auch auslösen, ist aber umstritten. Immerhin schauen viele Menschen solche Videos, aber nur wenige werden abhängig davon. Sie verstärken eher die Tendenzen, die einige sowieso schon haben, können dann aber zum ernsthaften Problem werden.  

>>> Die größten Porno-Lügen im Check

Woran erkenne ich, ob ich sexsüchtig bin?

Eines vorab: Nur weil Sie eine gesunde Libido haben, müssen Sie sich noch lange keine Sorgen machen. Sie vergnügen sich gerne mal solo und suchen sich dabei Inspiration aus dem Internet? Das ist vollkommen normal und sogar gesund. Und wenn Sie sich häufig mit Ihrer Liebsten leidenschaftlich in den Laken wälzen, können Sie sich getrost darüber freuen. "Problematisch wird es, wenn man sich trotz allem nie wirklich befriedigt fühlt, das Verlangen nicht mehr kontrollieren kann oder Ihre Partnerschaft leidet", erklärt Geschke. Sie nennt folgende Warnsignale, auf die Sie achten sollten:

  • Sie masturbieren sehr häufig.
    Legen Sie jeden Tag mehrmals Hand an? Auch regelmäßig bei der Arbeit oder unterwegs? Dann sollten Sie sich fragen, ob das wirklich freiwillig ist oder ob Sie es eher aus Gewohnheit oder sogar Zwang tun.
  • Sie schauen stundenlang Pornos.
    "Ab wann der Pornokonsum zuviel wird, ist schwer zu sagen", so die Therapeutin. Aber wenn Sie sich immer für Stunden auf diesen Seiten aufhalten und dafür vielleicht sogar andere Dinge vernachlässigen, sollten Sie aufmerksam werden.
  • Sie haben ständig andere im Bett.
    "Viele Betroffene wechseln häufig den Sexpartner", erklärt die Expertin. Vor allem wenn Sie das Gefühl haben, dass ein und dieselbe Person sie auf Dauer nur langweilen kann, ist das ein Warnsignal.
  • Ihr Partner kommt nicht hinterher.
    Sie wollen ständig, Ihre Freundin aber nicht? Zugegeben, das Problem gibt es in vielen Partnerschaften. Trotzdem sollten Sie dem nachgehen. Im schlimmsten Fall bekommen sonst beide das Gefühl, dass einer von beiden nicht "genug" ist. "Das belastet beide enorm und führt leider auch immer wieder zu Seitensprüngen", beschreibt die Paartherapeutin.
  • Sie sind nie richtig befriedigt.
    Sie sind gerade gekommen und sehnen sich schon nach dem nächsten Mal? "Mit der Zeit setzt ein Gewöhnungseffekt ein und die Betroffenen spüren immer weniger eine tatsächliche Befriedigung", so Geschke.
  • Sex spielt eine immer größere Rolle
    "Irgendwann dreht sich alles nur noch darum, den nächsten Höhepunkt zu erleben", beschreibt die Therapeutin. Statt sich auf die Arbeit zu konzentrieren, wird geplant, wie man die nächste Frau ins Bett bekommt, oder der Abend in der Kneipe wird ersetzt durch den Laptop und Taschentücher. "Spätestens wenn Ihr Verhalten negative Konsequenzen im Alltag hat, sollten Sie etwas ändern", rät Geschke.

>>> Die Erfolgsgeheimnisse bei Erektionsproblemen

 



Von Sexsucht Betroffene sollten Hilfe bei einem Therapeuten suchen
Von Sexsucht Betroffene sollten Hilfe bei einem Therapeuten suchen

Kann man Sexsucht behandeln?

Sie sind sich nicht sicher, ob Ihr sexuelles Verhalten vielleicht zwanghaft wird? Dann ist der wichtigste und schwerste Schritt, diesen Gedanken erst einmal zuzulassen. "Über sexuelle Probleme zu sprechen, ist enorm schwer. Doch wenn die Hypersexualität erst einmal erkannt hat, kann man sie gut behandeln", erklärt die Therapeutin. Wenn Sie den Verdacht haben, die Kontrolle über Ihre Sexualität verloren zu haben, können Sie deshalb Folgendes tun:

  1. Seien Sie ehrlich zu sich selbst.
    Vor sich selbst gibt es keine peinlichen oder "falschen" Gedanken. Suchen Sie sich einen Moment für sich allein, in dem Sie in Ruhe über Ihre Sexualität reflektieren können. Gehen Sie unsere Liste mit Symptomen durch. Aber schauen Sie dabei, wie Sie es wirklich wahrnehmen, und nicht wie Sie es vielleicht gerne hätten. Egal bei welchem Ergebnis: Sie sind nicht schwach, unzureichend oder unmännlich, machen Sie sich das immer wieder klar.

  2.  Suchen Sie sich eine Vertrauensperson.
    Reden Sie mit jemandem, dem Sie vertrauen. Das kann, muss aber nicht Ihr Partner oder Freunde sein, Sie können auch zu einem professionellen Ansprechpartner wie etwa einem Sexualtherapeuten. Die Gedanken auszusprechen und die Meinung und Unterstützung anderer zu hören, hilft ungemein.

  3. Lernen Sie, alte Muster zu durchbrechen.
    "Bei einer Hypersexualität ist eine Verhaltenstherapie das Beste, um den Teufelskreis zu unterbrechen", rät Geschke. Dabei finden Sie erst heraus, was für Handlungsmuster Sie eigentlich belasten, und lernen nach und nach Tricks, diesen Impulsen nicht mehr nachzugeben. "Außerdem lohnt es sich, die Ursachen zu ergründen und auch die zu behandeln", so die Therapeutin.

  4. Akzeptieren Sie die Situation.
    Ja, Sie stehen gerade vor einer Herausforderung, und ja, die Lösung dafür braucht etwas Zeit. Aber Sie sind damit nicht allein, es gibt andere mit dem gleichen Problem und Ihr Umfeld wird Ihnen den Rücken stärken. Halten Sie sich vor Augen, dass Sie am Ende glücklicher sein werden als jetzt, und dass Sie dann auch Sex wieder viel besser genießen können.

"Das Wichtigste für eine Heilung ist die Einsicht des Betroffenen", erklärt die Expertin. Doch das ist gar nicht so leicht, weil der Begriff Sexsucht ziemlich negativ klingt und auf viel Unverständnis stößt. Dass die Weltgesundheitsorganisation WHO die Krankheit inzwischen offiziell anerkennt, ist auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung. "Wenn die Gesellschaft für diese Krankheit sensibilisiert wird, können auch die Betroffenen das leichter akzeptieren", so Geschke.

>>> Das passiert, wenn Videogames süchtig machen

Ist Sexsucht nur eine Ausrede?

Eine heikle Frage: Kann man einem Abhängigen sein unmoralisches Verhalten vorwerfen? Promis wie Tiger Woods, Charlie Sheen oder zuletzt Harvey Weinstein in der #metoo-Debatte rechtfertigen ihre Eskapaden mit ihrer Sexsucht. Es ist eine schwierige Gratwanderung: Hypersexualität ist eine offizielle Krankheit und muss in jedem Fall ernst genommen werden, denn keiner ist freiwillig von einer Sucht oder einem Zwang betroffen. Doch wenn das Problem so groß wird, dass man selbst oder andere darunter leiden, muss man sich frühzeitig professionelle Hilfe holen. Fest steht: Für sexuelle Übergriffe gibt es keine Entschuldigung!

Viel Sex ist super, die Sucht danach ist aber eine ernste Krankheit, die dazu noch häufig verschwiegen wird. Wenn Sie Ihre Lust irgendwie nicht mehr richtig genießen können, lassen Sie diesen Gedanken vor sich zu und suchen Sie sich jemanden, der Ihnen damit helfen kann. Dann kommen Sie schnell wieder aus diesem Teufelskreis heraus oder geraten gar nicht erst hinein.