So gefährlich ist Shisha-Rauchen wirklich

Beim Shisharauchen entsteht viel Wasserdampf
Shisha-Rauchen findet auch unter eigentlichen Nichtrauchern immer mehr Fans

Shisha ist das neue, gesündere Rauchen – oder? Von wegen! Finger weg von der Wasserpfeife! Erfahren Sie alles über die gesundheitlichen Gefahren und Folgen von Shisha-Rauchen

Ob im Park, bei Freunden zuhause oder wenn man an Bars vorbeigeht: Immer öfter steigt einem der süßliche Geruch einer Shisha in die Nase. Die arabische Wasserpfeife erfreut sich seit einigen Jahren in Deutschland immer größerer Beliebtheit, auch weil sie viel besser schmeckt und weniger im Hals kratzt als Zigaretten. Heißt das, dass sie auch weniger schädlich ist?

Warum ist Shisha rauchen so beliebt?

Shisha, im Englischen auch als Hookah bekannt, raucht man nicht einfach zwischendurch, es ist viel eher ein kleines Ritual. "Anders als beim Rauchen einer Zigarette ist das Shisha-Rauchen ein soziales Event, bei dem man mit Freunden zusammenkommt und entspannt. Das gibt dem Ganzen einen vermeintlichen positiven Charakter", erklärt der Pneumologe Dr. Björn Laudahn von der Schwerpunktpraxis Colonnaden in Hamburg. Zudem ist der Tabak aromatisiert und wird durch das Wasser heruntergekühlt, wodurch er weniger im Hals kratzt und besser schmeckt. Kein Wunder also, dass auch Jüngere oder eigentliche Nicht-Raucher gerne mal an der Wasserpfeife ziehen. Doch genau da steckt auch die Gefahr. Denn trotz des leckeren Geschmacks bringen Shishas die gleichen Gefahren mit sich wie Zigaretten.

Wasserpfeife rauchen ist mindestens so schädlich wie Zigarettenrauch

Was passiert, wenn man Shisha raucht?

"Shishan", also Shisha-Rauchen, ist wie jede Rauchform ein Verbrennungsprozess. Die Kohle heizt den Tabak auf, dadurch lösen sich Stoffe wie Nikotin heraus und werden eingeatmet. Das Nikotin wirkt euphorisierend, deshalb steigt nach dem Rauchen die Stimmung und die Konzentration leicht an. Bei der Verbrennung von Kohle und Tabak entstehen aber auch noch Giftstoffe wie etwa Teer, Blausäure oder Stickoxide. "Je nach Zusammensetzungen werden bis zu 4000 verschiedene Stoffe eingeatmet, von denen mindestens 100 erwiesenermaßen krebserregend sind", so Laudahn. Auch die werden in die Lunge gezogen und richten dort Schäden an.

>>> So schaffen Sie es, mit dem Rauchen aufzuhören

Wie wirkt der Rauch im Körper?

"Zuerst wirkt der Rauch lokal: Die Schleimhäute der Atemwege entzünden und verengen sich, das Erbgut wird beschädigt. Dadurch steigt das Risiko für Lungen-, Zungen- oder Mundhöhlenkrebs", erklärt Laudahn. Außerdem zerstört der Rauch auch das Lungengewebe, das dann nicht mehr richtig arbeiten kann. Der Rauch irritiert oder zerstört außerdem Schleimhäute oder Gewebe in Mund und Nase. Dadurch wird der Geruchs- und Geschmackssinn beeinträchtigt. "Ich habe schon oft von Patienten gehört, die das Rauchen aufgegeben haben, dass sie beim Essen vollkommen verblüfft und begeistert waren, weil sie plötzlich viel mehr schmeckten", sagt der Lungenarzt.

Zudem gelangen einige der Stoffe über die Lunge ins Blut und verkalken dort die Blutgefäße. Passiert das beispielsweise im Bein, können sich dort Wunden bilden oder Teile komplett absterben, dann spricht man vom Raucherbein. Aber auch Gefäße im Gehirn oder im Herz können verkalken und verstopfen, dann erleidet man einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt. Zuletzt müssen die Gifte wieder ausgeschieden werden und wandern deshalb in die Blase. Deshalb ist auch das Risiko für Blasenkrebs bei Rauchern erhöht.

Für Sportler ist Rauchen besonders schädlich

"Bei körperlicher Aktivität braucht es 3 Dinge: Durchblutete Muskeln, einen starken Kreislauf und eine gesteigerte Sauerstoffzufuhr. Rauchen beeinträchtigt all das", erklärt Laudahn. Die Muskeln werden weniger durchblutet, weil die Gefäße verkalken. Da auch das Herz ein Muskel ist und entsprechend weniger leisten kann, wird Ihr Kreislauf schwächer. Außerdem werden Teile der Lunge zerstört und sie kann deshalb nicht so viel Sauerstoff in den Körper transportieren. Wenn Sie sportliche Höchstleistung erreichen wollen, lassen Sie also lieber die Finger von Shishas.

>>> 6 Tipps für eine starke Lunge

Filtert das Wasser die Schadstoffe nicht heraus?

Wer das Wasser in einer benutzten Shisha einmal gesehen hat, weiß, dass es ziemlich dreckig wird. Das bedeutet doch bestimmt, dass die Schadstoffe herausgefiltert werden, im Wasser bleiben und der Rauch dadurch weniger schädlich ist, oder? "Das ist ein Irrglaube, den ich leider immer wieder von meinen Patienten höre", sagt Laudahn. Das Wasser filtert, wenn überhaupt, nur einen sehr geringen Teil der Schadstoffe heraus, ein großer Teil gelangt weiterhin in die Lunge. Da die Wasserpfeife erst seit einigen Jahren in Europa benutzt wird, gibt es zwar kaum Langzeitstudien zu ihren Risiken. "Aber es gibt einige gute Hinweise darauf, dass Shishas nicht weniger riskant sind als Zigaretten, sondern vielleicht sogar schädlicher", warnt der Arzt. Selbst wenn der Rauch weniger giftige Stoffe enthalten würde, schädigt er die Lunge mindestens genauso stark wie der Rauch von Zigaretten, wenn nicht sogar noch mehr. Das liegt daran, dass ein Zug an der Wasserpfeife wesentlich länger und tiefer ist als an einem Glimmstängel. So kommt der Rauch in tieferes Lungengewebe und bleibt auch länger im Körper. "So wie es auch einen Unterschied macht, ob Sie sich 5 oder 50 Minuten in die Sonne legen, schaden die Giftstoffe auch mehr, je länger Sie ihnen ausgesetzt sind", erklärt Laudahn.

Das führt dazu, dass auch beim Shisha-Rauchen die Gefahr für viele Krebserkrankungen und Herz-Kreislauf-Probleme steigt. Bei Lungenkrebs ist der Zusammenhang zwischen Tabak und Krankheit das am deutlichsten: "85 bis 90 Prozent aller Lungenkrebspatiente haben eine Rauchergeschichte", so Laudahn. Laut dem Krebsinformationsdienst sterben jährlich 29.600 Männer in Deutschland an dieser Krebsform, damit ist sie die häufigste Krebs-Todesursache.

Durch fruchtige Aromen, die dem Tabake zugesetzt werden, wirkt das Rauchen weniger ungesund
Durch fruchtige Aromen, die dem Tabak zugesetzt werden, wirkt das Shisha rauchen weniger schädlich

Was sind die Gefahren beim Shisha-Rauchen?

Dass Rauchen ungesund ist, wissen die meisten inzwischen dank jahrzehntelanger Aufklärungsarbeit. Wenn man Shisha raucht, setzt man sich genau den gleichen Gefahren aus wie bei Zigaretten. Aber es birgt noch einige besondere Tücken. Nicht nur der Mythos, dass Wasser den Rauch weniger giftig mache, verleitet zum Rauchen der Wasserpfeife. Auch der kühlere, leckere Rauch verführt dazu, mal an dem Schlauch zu ziehen. "Die Wenigsten sagen, dass die erste Zigarette geschmeckt hat, das hält viele davon ab, ein zweites Mal zu rauchen", so Laudahn. Bei einer Shisha ist das anders. Sie schmeckt nicht beißend oder rauchig wie Zigaretten, sondern ist meistens aromatisiert. Manchmal weckt der Geschmack sogar positive Assoziationen. "Wenn man etwas einatmet, das wie ein gesunder Apfel schmeckt, könnte man unterbewusst denken, dass auch der Tabak nicht ungesund sein kann", erklärt der Lungenarzt.

Die Hemmschwelle ist bei Wasserpfeife geringer

Gerade bei Jüngeren und eigentlichen Nicht-Rauchen sinkt deshalb die Hemmschwelle, die Wasserpfeife nicht nur zu probieren, sondern sie immer wieder zu benutzen. Die Suchtexperten schlagen deshalb Alarm, denn vor allem für Jugendliche ist die Gefahr von Nikotin-Vergiftung oder einer beeinträchtigten Entwicklung durch die Gifte besonders hoch.

>>> Ist Ihre Macke noch normal?

Kohlenmonoxidvergiftung in Shisha-Bars

Doch es gibt noch eine weitere Gefahr. Bei jeder Verbrennung wird das giftige Gas Kohlenmonoxid freigesetzt. Eine Vergiftung ist aber extrem schwer zu erkennen, denn das Gas ist geruch- und farblos und die Symptome werden oft entweder gar nicht bemerkt oder mit einem "Nikotin-Flash" verwechselt. Schwindel und Übelkeit werden dann auf den Tabak geschoben. Gerade in Shisha-Bars, wo dauerhaft Kohle brennt, im Winter bei geschlossenen Fenstern, kann das sehr schnell gefährlich werden. "In den letzten Jahren gab es immer wieder Feuerwehreinsätze, bei denen solche Bars geräumt werden mussten, weil der Kohlenmonoxidgehalt in der Luft deutlich erhöht war", so Laudahn. Wenn Sie deshalb in einem Raum sind, in dem Shisha geraucht wird, sorgen Sie unbedingt für eine gute Belüftung, selbst wenn Sie nicht mitrauchen, denn eine Kohlenmonoxidvergiftung kann tödlich enden!

Fazit: Shisha-Rauchen ist sehr schädlich

Lungenfacharzt Dr. Björn Laudahn hofft, dass beim Shisha-Rauchen schneller ein Bewusstsein für die Gefahren entsteht als bei Zigaretten. "Es hat Jahrzehnte gebraucht, um die Folgen des Rauchens zu erkennen. Beim Shisha-Rauchen geht das mit diesem Vorwissen hoffentlich schneller." Lassen Sie sich nicht von dem Irrglauben täuschen, dass Shisha eine "gesündere" Alternative wäre. Denn Rauchen, egal wie, ist sehr schädlich.

 

Sponsored SectionAnzeige