So schädlich ist Smartphone-Licht wirklich

Smartphonelicht steht im Verdacht, die Gesundheit zu gefährden
Das blaue HEV-Licht eines Smartphones kann die Produktion von Schlafhormonen behindern

Schadet Smartphone-Licht den Augen, dem Schlaf und der Haut? Wie gefährlich das bläuliche HEV-Licht tatsächlich ist, klären unsere Experten

Vorm Schlafen kurz Ihre Nachrichten checken und dann noch das ein oder andere Video schauen – mal ehrlich, das macht doch jeder. Und trotzdem plagt Sie dann immer das schlechte Gewissen, weil das Licht von Smartphones so schlecht für die Augen und Ihren Schlaf sein soll. Inzwischen gibt es sogar Studien, die behaupten, dass man davon kurzsichtig wird und sogar die Haut schneller altert. Aber stimmt das alles wirklich, oder ist das eher eine übertriebene Panikmache? Die Fakten:

Was ist so schädlich am Smartphone-Licht?

Smartphones, aber auch Computer-Bildschirme, Tablets oder LED-Lampen, geben vor allem bläuliches Licht ab, das sogenannte High Energy Visible Light (das ist hochenergetisches, sichtbares Licht) oder kurz HEV-Licht. Es liegt im Lichtspektrum sehr nah an den UV-Strahlen, die bekanntermaßen die Haut früher altern lassen oder sogar Hautkrebs auslösen können.

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Nun steht auch das HEV-Licht im Verdacht, in die Haut und die Augen einzudringen und dort Schäden anzurichten. Anders als "warme", eher rötliche Lichtquellen wie etwa Wohnzimmerlampen oder Kerzen sollen deshalb die "kalten", blauen Lichtquellen schlecht für uns sein. Verschiedene Studien gehen seit einiger Zeit diesem Verdacht nach und warnen vor allem vor den folgenden 4 Schäden von dem Smartphone-Licht. Unsere Experten klären die wichtigsten Fragen:

1. Stört Smartphone-Licht den Schlaf?

Vor dem Schlafen sollte man 1 oder besser 2 Stunden vorher das Handy ausmachen. "Licht sorgt dafür, dass der Körper im Wachmodus bleibt und weniger vom Schlafhormon Melatonin ausschüttet", erklärt der Neurologe Dr. Schwab von der Hans-Berger-Klinik für Neurologie in Jena. Das ist am Tag sehr praktisch, weil das Sonnenlicht uns wach macht. Abends verhindern künstliche Lichtquellen deshalb aber, dass wir müde werden. "Das blaue HEV-Licht der Smartphones hemmt die Melatonin-Produktion stärker als wärmere Lichtquellen, weil es dem Tageslicht ähnlicher in seinem Farbspektrum ist", so Schwab. Und mit weniger Melatonin schläft man schlechter ein und der Schlaf ist nicht so erholsam.

Allerdings sind die Auswirkungen davon auf den Einzelnen sehr unterschiedlich. "Wenn Sie von Natur aus keine Probleme mit dem Einschlafen haben, wird Sie Handy-Licht auch nicht stören", sagt Schwab. "Wer aber ohnehin schon schlecht schläft, kann mehr dadurch beeinflusst werden." Dann sollten Sie allerdings auch andere Lichtquellen dimmen. Wenn Ihre Nachttischlampe beispielsweise sehr hell ist, kann Sie das viel wacher machen als Ihr Handy. Es kann auch helfen, die Helligkeit des Handys herunter zu regeln oder einen Nachtmodus zu installieren. Es gilt: Je dunkler das Schlafzimmer, desto besser. Egal, welche Farbe das Licht hat. Wenn Sie dagegen abends noch auf Ihr Smartphone schauen und danach problemlos einschlafen können, dann tun Sie das getrost weiter, Ihren Schlaf wird das kaum beeinflussen.

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2. Machen Handys die Augen kaputt?

In einigen Experimenten hat man die Netzhaut vom Auge direkt mit starkem HEV-Licht bestrahlt und dabei unter anderem Schäden an den Lichtrezeptoren festgestellt. "Diese Studien sind aber nur bedingt auf den Alltag übertragbar", erklärt der Augenarzt Dr. Thomas Kern von der Medizinischen Hochschule Hannover. Zum einen wurde bei der Studie viel stärkeres HEV-Licht benutzt, als es Smartphones jemals produzieren könnten. "Zum anderen filtert die menschliche Linse im Auge einen Großteil der Strahlung heraus", so der Augenarzt. "Hier ist die Dosis wie immer das Gift". Die Menge, die durch Smartphones und andere Bildschirme in unser Auge gelangen, ist verschwindend gering, vor allem im Vergleich zum natürlichen Sonnenlicht, denn da steckt viel mehr vom blauen Licht drin. Dass Patienten mit Augenkrankheiten zu ihm kämen, die von Smartphone-Licht ausgelöst wurden, ist dem Augenarzt noch nie untergekommen.

Ein weiteres Problem vom langen Starren auf Bildschirme sind trockene Augen. Weil das Licht und die Konzentration den Blinzelreflex hemmen, wird das Auge nicht genug befeuchtet und fängt an zu brennen oder zu jucken. Das nervt zwar, ist aber nicht weiter schlimm. Wenn Sie aber ständig trockene Augen bekommen, helfen spezielle Tränenersatzmittel, die Sie als Augentropfen in der Apotheke bekommen.

Halten Sie zirka 40 Zentimeter Abstand zu Ihrem Smartphone
Halten Sie Ihren Augen zuliebe zirka 40 Zentimeter Abstand zu Ihrem Smartphone

3. Machen Handys kurzsichtig?

Laut Kern ist der Abstand zwischen Augen und Smartphone sehr relevant bei dieser Frage. "Gerade bei Jugendlichen kann sich die Kurzsichtigkeit verstärken, wenn sie lange auf etwas schauen, das in kurzer Entfernung liegt", erklärt Kern. Im Allgemeinen sind Menschen in Industrieländern, wo sie vermehrt Bücher lesen, Smartphones nutzen oder andere sogenannte Naharbeiten machen, deutlich häufiger kurzsichtig als in Schwellenländern. "Das Kurzsichtigkeitsrisiko erhöht sich bei vermehrter Naharbeit und zu kurzem Leseabstand", erklärt der Arzt. Die Auswirkungen sind zwar individuell sehr unterschiedlich. Trotzdem empfiehlt er, zu Handys und zu anderen Bildschirmen oder Büchern immer einen Abstand von zirka 40 Zentimetern einzuhalten. Es kann auch helfen, den Blick immer mal wieder in die Ferne schweifen zu lassen.

4. Lassen Smartphones die Haut altern?

In der Theorie dringt das blaue Licht in die Haut ein, regt dort die Pigmentierung an, verändert die hautstraffenden Collagenfasern und setzt Sauerstoffradikale frei. Dadurch bekommt man die typischen Altersflecken, die Haut verliert an Elastizität und altert schneller. Aber keine Panik: "Tatsächlich reichen die Lichtmengen von Smartphones nicht aus, um einen relevanten Effekt zu erzeugen", entwarnt der Hautarzt Dr. Peter Weisenseel vom Dermatologikum Hamburg. Über viele Jahre könnte die Hautalterung durchaus etwas beschleunigt werden. "Aber die Auswirkungen von Smartphones von anderen Umwelteinflüssen wie der Sonneneinstrahlung, der Ernährung oder der Lebensweise herauszurechnen ist quasi unmöglich", so Weisenseel. Eine Woche Strandurlaub sei viel schädlicher für die Haut als jahrelange Handy-Nutzung.

HEV-Licht wird zum Teil sogar zur Therapie eingesetzt: "Bei Neurodermitis, Akne oder Schuppenflechte kann das blaue Licht dazu führen, dass die Entzündungsprozesse in der Haut gehemmt werden", sagt der Hautarzt. Um überhaupt einen Effekt zu sehen, muss die Dosis allerdings sehr viel höher sein als bei Smartphones, die geben viel zu wenig von dem Licht ab.

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So schützen Sie sich vor Schäden durch Smartphone-Licht

Alle drei Ärzte sind sich einig, dass die Auswirkungen vom Licht der Smartphones auf die Gesundheit sehr individuell und in den meisten Fällen sehr gering sind. Wenn Sie aber das Gefühl haben, dass Sie durch das Handy irgendwelche Probleme haben, zum Beispiel weil Sie schlechter schlafen, gibt es einige einfache Dinge, die Sie dagegen tun können:

  1. Reduzieren Sie die Zeit am Handy, vor dem PC, Fernseher oder auch in Räumen mit LED-Lampen oder Halogen-Leuchtern.
  2. Installieren Sie einen Nachtmodus-Filter auf Ihren Geräten. Dieser filtert Teile des blauen Lichtes heraus. Je weiter Sie das Gerät außerdem weghalten, desto weniger HEV-Licht kommt bei Ihnen an.
  3. Besorgen Sie sich eine Piloten-Brille, die gelblich getönt ist und die Augen vor dem blauen Licht schützt.
  4. Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Das kann viele Umwelteinflüsse ausgleichen.

Ob das Licht von Smartphones tatsächlich schädlich ist, kann man erst in 20 oder 30 Jahren sagen. Laut den Ärzten wird das Thema derzeit von vielen aufgebauscht, Forschung, die man auf den Alltag anwenden könnte, gibt es aber kaum. Seien Sie aufmerksam und beobachten Sie, ob Sie Veränderungen an sich selbst feststellen, die mit Ihrem Smartphone zu tun haben könnten.



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