Zeckenbiss vermeiden: So schützen Sie sich vor Zecken

Wegen der Zeckengefahr sollte man im Wald nicht mit freien Beinen laufen
Achtung, hier lauern Zecken: Laufen Sie nicht mit nackten Körperstellen durch Unterholz oder hohe Gräser

Die Gefahr, beim Outdoor-Sport durch einen Zeckenbiss zu erkranken, steigt. Diese Tipps helfen, einen Zeckenstich zu vermeiden. Plus: So handeln Sie nach einem Stich richtig!

Herrlich, im Sommer durch den Wald zu joggen und anschießend im Gras liegend zu chillen. Wenn dort nur nicht fiese Zecken lauern würden, die gefährliche Krankheiten übertragen können. Was Sie tun können, um einen Zeckenstich zu vermeiden, und welche Maßnahmen Sie nach einem Stich vor Krankheit bewahren:

In diesem Artikel:

Warum sind Zeckenbisse so gefährlich?

Ein Zeckenstich ist harmlos, solange die Zecke keine Krankheitserreger in sich trägt. Ist die Zecke jedoch mit Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)-Viren oder Borreliose-Bakterien infiziert, können diese über den Stechapparat der Blutsauger in den Körper des 'Blutwirts', sprich in unseren Körper, gelangen.

Das FSME-Virus greift die Hirnhaut und das zentrale Nervensystem des Menschen an und kann in einigen Fällen zu einem schweren Krankheitsverlauf bis hin zum Tod führen. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr laut dem Robert Koch Institut 485 FSME-Erkrankungen in Deutschland gemeldet, das entspricht gegenüber 2016 einer Zunahme von 39 %. Die Mehrzahl (97 %) der gemeldeten FSME-Erkrankten war gar nicht oder unzureichend geimpft.

Durch Borreliose-Bakterien, auch Borrelien genannt, erkranken jährlich zehntausende Menschen in Deutschland. Sie können starke Schmerzen bis hin zu Herzproblemen, Hirnhautentzündung und Gelenkentzündungen verursachen.

Zecken saugen Blut und können über den Stachel Krankheitserreger übertragen
Zecken saugen Blut und können dabei über ihren Stechapparat Krankheitserreger übertragen

An welchen Körperstellen stechen Zecken?

"Ein Zeckenstich kann an allen Körperteilen vorkommen", sagt Dr. Gerhard Dobler, Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie und Leiter der Abteilung für Virologie und Rickettsiologie am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München, "Jedoch ist bekannt, dass Zecken weiche, feuchte, gut durchblutete und dünne Hautstellen besonders lieben." Daher stehen diese Körperstellen bei Zecken hoch im Kurs:

  • Bauchfalten (vor allem bei Männern),
  • Brustfalte (vor allem bei Frauen),
  • Achselhöhle,
  • Leistenbereich,
  • Kniekehlen.

Bei Kindern findet sich häufiger – im Gegensatz zu Erwachsenen – auch mal eine Zecke am Kopf. "Eine Zecke am Kopf, beispielsweise an Hals oder Ohr, ist nicht gefährlicher als an anderen Körperstellen. Gefährlich können Krankheitserreger wie das FSME-Virus und Borrelien werden, die Zecken beim Stechen übertragen können", sagt Dr. Dobler.

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Wie entfernt man eine Zecke richtig?

Zecken können mit einer Pinzette oder Zeckenkarte entfernt werden. Die Pinzette hat man im Notfall wahrscheinlich eher zur Hand als eine Zeckenkarte. Unabhängig davon, welches Hilfsmittel zum Einsatz kommt, rät Dr. Dobler zu dieser Technik:

  1. Die Zecke möglichst hautnah greifen und dabei langsam und kontrolliert entfernen. Dies verhindert ein Quetschen der Zecke und somit auch die Freigabe von möglicherweise gefährlichen Körperflüssigkeiten.
  2. Nicht verzweifeln, wenn die Zecke nicht beim ersten Versuch entfernt werden kann. Manchmal sind mehrere Anläufe nötig.
  3. Unbedingt auf Alkohol, Öl oder Klebstoff verzichten! Die Zecke wird dadurch irritiert und kann 'erbrechen'. Die Krankheitserreger gelangen so noch schneller ins Blut.
  4. Besonders wichtig: Nicht lange zögern, die Zecken zu entfernen, denn je länger der Saugvorgang anhält, desto wahrscheinlicher ist eine Übertragung von Krankheitserregen und desto mehr Erreger können übertragen werden.
  5. Nach dem Entfernen der Zecke die Stichstelle mit Alkohol oder einer jodhaltigen Salbe desinfizieren.
Mit einer Pinzette entfernt man Zecken am besten
Mit einer Pinzette entfernt man Zecken am besten

Schützt schnelles Entfernen vor Krankheitsübertragungen?

Bakterien der Lyme-Borreliose werden in der Regel erst 12 bis 24 Stunden nach dem Zeckenstich bzw. nach dem Beginn des Saugvorgangs übertragen. Gelingt es Ihnen also, die Zecke frühzeitig zu entfernen, kann eine Borrelien-Infektion vermieden werden. Wurden Borreliose-Erreger bereits übertragen, ist schnelles Handeln gefragt: Beim Arzt kann die Infektion im Frühstadium mit Antibiotika behandelt werden. Eine Impfung gegen Borreliose gibt es bisher nicht.

Bei der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) dagegen sind die Erreger Viren, die mit dem Speichel der Zecke direkt beim Stich übertragen werden. Gegen eine FSME-Infektion gibt es keine ursächliche Behandlung, nur eine Immunisierung durch eine Impfung schützt in diesem Fall effektiv.

Woran erkenne ich, dass ich mich mit Borreliose infiziert habe?

Zecken können bis zu 50 Krankheiten übertragen. "Bei einer Borreliose ist die sogenannte Wanderröte – eine großflächige und kreisförmige Rötung um die Einstichstelle – ein typisches Krankheitszeichen", sagt Dobler. Die Einstichstelle sollte in den folgenden Wochen weiter beobachtet werden. Der Experte: "Wenn die Rötung nicht verschwindet oder nach einigen Tagen eine neue Rötung auftritt, umgehend einen Hausarzt kontaktieren. Die Wanderröte tritt jedoch nicht bei allen Borreliose-Patienten auf. Im frühen Stadium einer Borreliose werden neben der Wanderröte auch Allgemeinsymptome wie Abgeschlagenheit, Fieber und Kopfschmerzen beobachtet." Allerdings kann es Wochen dauern, bis diese grippeähnlichen Symptome auftreten. "Danach sind schwere Krankheitsverläufe möglich – von starken Schmerzen über Herzprobleme bis hin zur Hirnhautentzündung. Selten wird auch eine Gesichtslähmung beobachtet. Im chronischen Spätstadium treten zudem oftmals Gelenkentzündungen auf, welche Spätfolgen der Borreliose sein können", sagt Dobler.

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Wann sollte man nach einem Zeckenstich zum Arzt gehen?

"Ein Arzt sollte dann aufgesucht werden, wenn eine mögliche Rötung an der Einstichstelle nicht zurückgeht oder wenn nach einigen Tagen eine Rötung entsteht, die sich vergrößert. Gleiches gilt, wenn die Einstichstelle stark anschwillt, schmerzt, heiß wird und pocht oder grippeähnliche Symptome wie Fieber oder Gliederschmerzen auftreten", rät Dr. Dobler.

Was ist nach einem Zeckenbiss zu beachten?

Wurde die Zecke erfolgreich entfernt, stellt sich die Frage, wie entsorge ich das Spinnentier ordnungsgemäß? Dr. Dobler: "Achten Sie darauf, die Zecke sicher abzutöten, ohne dabei mit den Körperflüssigkeiten des Blutsaugers in Berührung zu kommen. Alkohol (mindestens 40 Prozent) oder Desinfektionsmittel töten die Zecke effektiv ab." Außerdem hilfreich: Die Zecke mit einem festen Gegenstand zerdrücken. "Auf keinen Fall den Parasiten in der Toilette entsorgen oder versuchen, ihn in der Waschmaschine abzutöten. Denn Zecken können bis zu 3 Wochen im Wasser überleben", sagt der Mediziner und ergänzt: "Wenn Sie unsicher sind, wie man eine Zecke richtig entfernt, suchen Sie umgehend einen Arzt auf."

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Kniestrümpfe schützen vor Zeckenstichen
Tragen Sie im Wald gegen Zecken immer kniehohe Strümpfe oder Hosen

Wie beuge ich einem Zeckenstich vor?

  • Zeckenbiotope meiden: Zecken leben vorzugsweise an Waldrändern und auf Lichtungen. Aber auch im heimischen Garten, Stadtparks oder auf Fußballplätzen können Zecken in den Hecken oder Büschen lauern. Bewegen Sie sich möglichst nicht mit nackten Körperstellen durch das Unterholz oder hohe Gräser. Nach einem Regentag im Sommer sind Zecken besonders aktiv: Sie lieben die Feuchtigkeit.
  • Geschlossene Kleidung: Wählen Sie bei Ihren Freizeitaktivitäten im Freien Hosen mit langen Beinen und geschlossene Schuhe. Ziehen Sie sich zusätzlich die Strümpfe über die Hose. So erschweren Sie es der Zecke, die auf hohen Gräsern auf einen Wirt wartet, sich an Ihnen festzuhalten.
  • Körper absuchen: Suchen Sie nach einem Aufenthalt in einem typischen Zeckenbiotop Ihren Körper gründlich ab. Bitten Sie Ihren Partner um Hilfe, um auch am Rücken und anderen Stellen, die Sie nicht selbst sehen können, zu kontrollieren.
  • Impfung: Gegen Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) kann man sich impfen lassen. Die FSME-Viren können von einer infizierten Zecke auf den Menschen übertragen werden und das zentrale Nervensystem angreifen. Eine Impfung empfiehlt sich vor allem für Menschen, die in FSME-Risikogebieten leben, dort beruflich tätig sind oder planen, dort ihren Urlaub zu verbringen. Infos zur Impfung gibt es hier

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Wo ist die Zeckengefahr am größten?

Zecken lieben milde Temperaturen und eine feuchte Umgebung. Diese Bedingungen finden sie in Wäldern und Gärten, in hohem Gras und in Büschen. Bei jedem Picknick im Gras oder Waldspaziergang abseits der Wege müssen Sie also mit Zecken rechnen.

Stechen Zecken auch im Winter?

Zecken werden aktiv, sobald es an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen 7 Grad Celsius oder wärmer ist. In Deutschland reicht die Zeckensaison in der Regel von Februar bis Oktober. Zecken haben in unseren Breiten kein Problem, die Winter locker zu überleben. Denn die kleinen Parasiten wissen genau, wo sie im Winter die wärmsten und feuchtesten Überwinterungsstätten – wie Laubstreu, Maulwurfsbauten und Fuchshöhlen – finden. Erst bei langen Kälteperioden mit Temperaturen konstant unter 20 Grad minus würden sie sterben.

Als Outdoorsportler sollten Sie darauf achten, Zeckenbiotope zu meiden, geschlossene Kleidung zu tragen und sicherheitshalber anschießend Ihren Körper nach Zecken abzusuchen. Wenn Sie eine finden, wissen Sie jetzt, was zu tun ist. Deshalb: Lassen Sie sich ab sofort nicht mehr von Zecken den Spaß am Sport in der Natur verderben!

Weitere Infos zum Thema Zeckenstiche finden Sie unter www.zecken.de

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