Basiswissen Alpines Klettern: So sind Sie bereit für den Berg

So sind Sie bereit für den Berg
Begriffe und Anforderungen: Alles, was Sie fürs Alpinklettern wissen müssen

Auf in die Berge! Von Planung über Ausrüstung zu Knoten und dem nötigen Knowhow: Hier gibt's thematisch sortiert die wichtigsten Tipps zum Alpinklettern.

Auf dieser Seite geht es um die wichtigsten Begrifflichkeiten über die Anforderungen beim Alpinklettern bis zur Planung und Ausrüstungs-Details.

Text von Chris Semmel, Verband Deutscher Berg- und Skiführer e.V.

> Alpin ist anders

> Richtig abklettern

> Vorbereitung, Planung, Topolesen

> In der Wand: Seilreibung, Wegefindung, Risikokalkulation

> Standplatzbau in Mehrseillängenrouten

> Sichern am Standplatz

> Galerie: Kleine Knotenkunde fürs Alpine

Große Wände und Gefühle, atemberaubende Tief- und Weitblicke. Lange Tage am Berg in den Klassikern der Alpen, auf den Spuren großer Pioniere wie Rebuffat, Bonatti oder Buhl. Alpinklettern ist eine der Königsdisziplinen des Klettersports. Das Aufkommen neuer Spielformen des Kletterns auch im Gebirge macht jedoch eine Ausdifferenzierung nötig. Deshalb möchte ich zum Auftakt kurz umreißen, was genau unter „Alpinklettern" zu verstehen ist.

SportkletternKlettern an Bohrhaken-gesicherten Routen, mit dem Hauptziel, schwierige Passagen am persönlichen Limit frei zu klettern (rotpunkt oder onsight). Stürze sind meist unproblematisch, da die Routen in der Regel gut abgesichert sind und das Gelände „sturzfreundlich" ist, also steil oder überhängend. Das Sportklettern wird im Klettergarten oder an künstlichen Kletteranlagen betrieben, existiert aber auch in Form von Mehrseillängenrouten im Mittelgebirge oder in den Alpen – dem „alpinen Sportklettern".

Plaisirklettern Klettern in gut gesicherten Mehrseillängen-Routen, in denen der Fokus auf „Genuss" liegt. „Genuss" bezieht sich auf gemäßigte Schwierigkeitsgrade und eine gute Absicherung mit kleinen Hakenabständen, die ein „angstfreies Klettern" ermöglichen sollen.

Alpinklettern Hier steht das „Bezwingen eines Berges" im klassischen Sinne im Vordergrund. Gegenüber den jüngeren Spielformen Alpines Sport- und Plaisirklettern werden dem Alpinklettern häufig folgende abgrenzende Eigenschaften zugeordnet:

  • Anspruchsvolle Absicherung: wenige Haken, oft Normalhaken oder selbst anzubringende Zwischensicherungen. Nicht selten müssen auch die Standplätze ergänzt oder gar komplett selbst eingerichtet werden.
  • Aufwendiger Zu- und Abstieg. Oft müssen leichte Kletterpassagen ungesichert hoch- oder abgeklettert und Abseilstellen eingerichtet werden.
  • Nicht immer ganz festes Gestein. Gefordert sind umsichtiges Klettern in brüchigen Passagen und die Befolgung der Dreipunktregel. Ein Steinschlaghelm ist Pflicht, die Verwendung eines Doppelseils sehr zu empfehlen.
  • Anspruchsvolle Orientierung und Routenfindung. Aufgrund der wenigen Haken muss die Route durch das Gelände gefunden werden, im Zu- und Abstieg aber auch in der Route selber drohen „Verhauer".
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Alpin ist anders

Doch sind die Grenzen fließend, und auch in alpinen Sportkletter- und Plaisirrouten sind die Anforderungen vielfältiger als in Einseillängenrouten an Mittelgebirgsfelsen: In leichteren Seillängen befindet man sich nicht selten weiter über dem letzten Haken, als einem lieb ist, das Sturzgelände ist oft suboptimal. Die Ausgesetztheit wird auch durch Bohrhaken nicht geringer – und zum Einstieg der Route und wieder runter vom Berg muss man genauso wie beim „echten" Alpin­klettern. Und schlechtes Wetter macht auch vor „Plaisirrouten" nicht Halt.

Bevor Sie sich also an das Abenteuer „echtes" Alpinklettern wagt, sollten Sie sich in Plaisirrouten an die vielen neuen Facetten der „echten" Berge gewöhnen. Denn Erfahrung und Übung sind beim alpinen Klettern wichtiger als einarmige Klimmzüge.

Anforderungen beim Alpinklettern

Anhand der Begriffsbestimmung wird eigentlich schon klar, was man fürs alpine Gelände an Fertigkeiten mitbringen sollte. Zusätzlich zur passenden Ausrüstung wollen große Wände aber auch gut geplant werden.

Zudem sollten verschiedene Fähigkeiten und Fertigkeiten neben den Klettertechniken vorhanden sein. Ein Alpinkletterer kann Topos lesen, Zwischensicherungen selbst legen, Standplätze bauen und sollte seine Leistungsgrenze gut kennen. Denn eines muss klar sein: Stürzen ist beim Alpinklettern in vielen Passagen gefährlich!

Im Gebirge muss man leichte, oft ausgesetzte Passagen ohne Sicherung begehen können. Besonders in klassischen Zu- und Abstiegen der Dolomiten ist es gängig, Passagen im zweiten UIAA-Grad ungesichert hoch- und abzuklettern. Wer Touren wie die Überschreitung der Fünffingerspitze oder Klassiker am Sella-Massiv annähernd in der „Führerzeit" begehen möchte, hat sonst keine Chance. Dazu muss man das Abklettern und das zügige, aber sichere Bewegen im Schrofengelände gelernt haben. Wer noch nie abgeklettert ist, wird sich anfangs schwer tun. Aber mit etwas Übung ist das kein Hexenwerk.

Auch an die Ausgesetztheit gewöhnt man sich. In nicht 100-prozentig solidem Fels ist es wichtig, sich vorausschauend und sanft zu bewegen. Zweifelhafte Griffe und Tritte werden durch Dagegen-klopfen geprüft. Nur wenn der Fels nicht vibriert und nicht dumpf klingt, wird er belastet. Auch die gute alte „Dreipunktregel" hat hier ihren Ursprung. Nur wenn drei Gliedmaßen sicheren Halt haben, besteht die Chance, einen ausbrechenden Tritt oder Griff zu kompensieren. Auch hier zeigt sich wieder die Erfahrung, um möglicherweise lose Griffe zu erkennen und trotz prüfendem Abklopfen eine angemessene Klettergeschwindigkeit aufrecht zu erhalten. Alles eine Frage der Übung. Nur wer gar nicht schwindelfrei ist, sollte sich eine andere Sportart suchen!

Ob ich fünf Seillängen oder 24 bewältigen muss, macht einen Unterschied. Ein Grundlagenausdauertraining gehört in den Trainingsplan jedes Alpinisten. Tasten Sie sich langsam an Ihre Grenzen heran!

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Richtiges Abklettern

Je nach Gelände, Schwierigkeiten und Ausgesetztheit sowie Können und Psyche sind beim Abklettern drei Techniken anwendbar:

Taloffen abklettern (Rücken zur Wand): So hat man die beste Übersicht über die nächsten Griffe und Tritte, und den Weiterweg insgesamt permanent im Überblick. Ideal in nicht ganz so steilem Gelände und in Rinnen, wo Ausspreizen für zusätzliche Stabilität sorgt. Die Hände stützen meist, der Oberkörper wird nach vorn gebeugt, um den Körperschwerpunkt möglichst über den Tritten zu haben. Jedoch ist man so am stärksten mit der Ausgesetztheit konfrontiert, weshalb Anfänger meist lieber frontal abklettern.

Seitlings abklettern: Auch hier hat man einen guten Überblick über das Gelände. Die wesentliche Haltefunktion kommt dem bergseitigen Arm zu, der andere stützt. Meist erfolgt der Absteig in Serpentinen.

Frontal abklettern (Brust zur Wand): Der Blickkontakt zum Fels, weniger Tiefe vor den Augen und der vorwiegende Einsatz von Zuggriffen erhöhen das subjektive Sicherheitsgefühl, weshalb diese Technik von unsicheren Alpingehern bevorzugt wird. Da der Weiterweg so aber schlecht zu überschauen ist, sollte man sich so oft wie möglich am gestreckten Arm zurücklehnen und sich einen Plan für die nächsten Züge und den Weiterweg insgesamt machen.

Vorbereitung, Planung, Topolesen

Große Wände erfordern eine umfangreiche Vorbereitung. Dazu gehören Informationen über die aktuellen Verhältnisse, den Routenverlauf, den Zustieg, den Abstieg, die technischen Schwierigkeiten der Unternehmung, die nötige Ausrüstung, eine passende Taktik, ein realistischer Zeitplan sowie ein geeigneter Seilpartner.

Vorbereitung, Planung, Topolesen

Folgende Kriterien sollten schon im Vorfeld kritisch hinterfragt werden:

  • Passt das Ziel zu meinem Können? Bin ich schon eingeklettert und in Form? Beherrsche ich die Schwierigkeiten? Bin ich erfahren genug und auch der Länge der Route gewachsen? Wie sieht es mit meinem „Nervenkostüm" aus? Ist mein Seilpartner geeignet und ausreichend fit?
  • Abschließend sollte man sich immer fragen: Sind wir als Seilschaft den Anforderungen der Route wirklich gewachsen? Die E-Bewertung, die in vielen Führern angegeben wird, kann helfen, die Ernsthaftigkeit einer Tour besser einzuschätzen.

Passen die Verhältnisse?

Je nach Tourenziel muss nicht nur das Wetter gut sein, sondern auch die Verhältnisse in der Route müssen stimmen. Sind eventuell Passagen nass oder gar vereist? Muss im nordseitigen Abstieg mit Schneefeldern gerechnet werden? Wie sind die Temperaturen? Wie lange ist es hell?

Diese Informationen bekommt man aus Wetterberichten, vom Hüttenwirt, von Bekannten, die vor kurzem in der Route waren, oder aus diversen Foren im Internet. Im Frühjahr muss man schattseitig immer mit Schneeresten rechnen, gegebenenfalls also Steigeisen und entsprechendes Schuhwerk mitnehmen. Auch sind selbst südseitige Routen oft noch nass, da Schmelzwasser aus Schneefeldern im Gipfelbereich in die Route laufen kann.

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Wo geht‘s lang?

Die Planung der Tour sollte jeden Abschnitt umfassen und beginnt beim Ausgangspunkt: Starten wir vom Tal aus, von einer Hütte oder biwakieren wir am besten am Einstieg? Wie schwer und lang ist der Zustieg? Wo verläuft der Abstieg? Sind Markierungen vorhanden? Muss hier mit Schwierigkeiten gerechnet werden? Kann man abseilen? Sind Abseilstände vorhanden? Gibt es Rückzugsmöglichkeiten?
Ein gutes, aktuelles Routen-Topo und/oder eine Routenbeschreibung sind Gold wert! Viele Topos sind leider mangelhaft, auch aus gängigen Führern. Dazu kommt, dass man Topos auch lesen können muss. Die standardisierten Symbole sollten beherrscht werden (siehe unten).

In klassischen Routen hilft oft, wenn man sich in die Erstbegeher versetzt und sich fragt, wo verläuft der Weg des geringsten Widerstands? Sind abgespeckte Griffe zu erkennen? Wo könnte sich der nächste Standplatz befinden? Passt alles zu den Angaben im Topo? Nur wenn sich all die Fragen zu einem sinnvollen Bild zusammenfügen, kann man davon ausgehen, dass man noch richtig ist. Und noch etwas: Bevor man zum Einstieg rennt, sollte man in ausreichendem Abstand vor der Wand den Routenverlauf mit dem Topo vergleichen und sich einprägen. Später am Einstieg fehlt der Überblick.

Routenfindung ist eine Kunst. Da hilft kein Artikel und auch kein Kurs. Hier muss Erfahrung gesammelt werden. Am besten mit einem erfahrenen Seilpartner, von dem man lernen kann.

Der Vorsteiger sollte immer ein gezeichnetes oder kopiertes Routen-Topo griffbereit haben. Zur Redundanz empfiehlt sich ein Foto des Topos auf dem Handy, falls man das Original fallen lässt.

Wie lange dauert es?

Beim Zustieg rechnet man mit 400 bis 500 Höhenmetern pro Stunde. Muss man längere horizontale Strecken überwinden, veranschlagt man fünf Kilometern pro Stunde. Den kleineren der beiden Zeitwerte halbiert man und addiert anschließend die Werte. So kommt man grob auf die Zustiegszeit. Beispiel: Vom Parkplatz zum Wandfuß sind es 650 Hm und 2,5 km Strecke. Das heißt für den Höhenunterschied rechnet man 1,5 h und für die Strecke etwa 0,5 h. Den kleineren Wert halbiert, kommt man auf 1:45 Stunden reine Gehzeit. Beim Abstieg rechnet man mit der doppelten Geschwindigkeit für den Höhenunterschied, der Zeitbedarf für die Distanz bleibt der gleiche. Beim Abseilen kann man mit vier bis sechs Abseilstrecken pro Stunde rechnen – sofern man eine Abseilpiste vorfindet und die Abläufe sitzen. Und natürlich darf sich dabei kein Seil verhängen.

Die Klettergeschwindigkeit streut stark, je nach Schwierigkeitsgrad, Können und den Verhältnissen. Ganz grob als Faustregel sollte eine Seilschaft in mittelschwerem Gelände drei bis vier Seillängen pro Stunde bewältigen. Die Gesamtgeschwindigkeit wird meist nicht durch schnelleres Klettern gesteigert, sondern durch besseres Seilmanagement, zügigen Standplatzbau, eine gute Orientierung und vorausschauendes Handeln. Zum Beispiel, indem man schon sondiert, wo die nächste Seillänge verläuft, während man den Nachsteiger sichert. Viele Kleinigkeiten lassen sich in Alpinkletterkursen lernen, zum Beispiel wie Schlingen einsatzbereit mitgeführt werden können, wie man Ordnung am Gurt bewahrt und wie man schnell Zwischensicherungen anbringt.

Es gilt der alte Satz: Zeit ist Sicherheit. Das beginnt beim Aufbruch. So früh wie möglich starten, so, dass man schwierige Passagen oder Abschnitte mit heikler Orientierung bei Tageslicht absolviert (gilt für Zustieg, Route und Abstieg).

Der Zeitplan sollte immer mitverfolgt werden, auf grobe Abweichungen muss reagiert werden. Zur Not mit rechtzeitigem Abseilen oder einem Plan B. Denn kein Satz ist blöder als: „Wir wurden von der Dunkelheit überrascht!"

Was muss mit?

Kurz gefasst: So viel wie nötig, so wenig wie möglich! Bei Unerfahrenen führt häufig ein Zuviel an Ausrüstung zum Scheitern. Ein großer, schwerer Rucksack macht langsam, schnell müde und verringert die Kletterschwierigkeit, die überwunden werden kann. Viele sind schon an relativ einfachen, aber langen Routen wie dem Jubiläumsgrat an der Zugspitze gescheitert. Wer plant, dort mit einem Satz Camalots anzurücken, sollte nochmal in sich gehen. Was unbedingt mit muss, hängt von der geplanten Tour und den Verhältnissen ab, aber auch vom persönlichen Können. Wer deutlich über den Schwierigkeiten steht, wird weniger mobile Zwischensicherungen legen als jemand, der stark gefordert ist.

Andersrum wird das Klettern mit Einfachseilen auch in alpinen Routen mehr und mehr zur Mode. Aber Vorsicht: Ein Doppelseil ermöglicht einen deutlich einfacheren Rückzug, da man die volle Seillänge abseilen kann. Auch gegen Seilbeschädigungen durch Steinschlag oder gegen Scharfkantenbelastung bietet ein Doppelseil eine Redundanz.

Einige Meter Reepschnur zum Einrichten eines Abseilstands sollten immer dabei sein. Kurze Sportkletter-Exen sind meist wenig nützlich, besser sind längere, da der Routenverlauf im alpinen Gelände selten so geradlinig ist wie beim Sportklettern. Oft sind noch längere Zwischensicherungen nötig, um gefährliche Seilreibung zu vermeiden. Dabei helfen sogenannte „Alpin-Exen" (siehe unten) und lose Schlingen mit Einzelkarabinern. Allgemein zu beo-bachten ist, dass oft viel zu viele Schlingen und Klemmgeräte am Gurt hängen. Gerade die Auswahl des richtigen Materials sollte gut geplant werden.

Was für den Notfall immer dabei sein muss, ist ein kleines Erste-Hilfe-Set, ein Handy zur Alarmierung und ein Wetterschutz (Bekleidung und/oder Biwaksack).

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Gibt es Alternativen?

Ein guter Bergsteiger hat immer einen Plan B in der Tasche. Egal ob die Verhältnisse in der Wand anders sind als erwartet oder man angesichts der ersten Zwischensicherung in 15 Metern Höhe die Hosen voll hat: Lieber ein Mal zu früh umgekehrt als zu spät! Wer für solche Situationen einen Alternativplan hat, ist erfahren. Denn der Mensch neigt zum ballistischen Verhalten. Ist er einmal unterwegs, bleibt er bei seinem Vorhaben wie ein abgeschossenes Projektil. Allein einen Plan B zu besitzen, erhöht die Akzeptanz einer Planänderung!

In der Wand: Seilreibung, Wegefindung, Risikokalkulation

Jetzt stehen wir am Einstieg, die Helme sind bereits in sicherem Abstand zur Wand aufgesetzt worden, der Routenverlauf wurde studiert und besprochen. Es kann losgehen!

Einbinden und Seile vorbereiten

Im optimalen Fall klettert man im Gebirge mit zwei Halbseilsträngen. Denn mit einem Doppelseil kann man im Notfall eine komplette Seillänge abseilen. Zudem bieten zwei Seilstränge eine Sicherheitsreserve bei Steinschlag und Scharfkantenbelastungen. Auch lässt sich häufig die Seilreibung durch Anwendung der „Halbseiltechnik" entschärfen (siehe Illu unten).

Leichte klassische Routen wie beispielsweise die Kleine Fermeda in der Geislergruppe, der Kopftörlgrat im Wilden Kaiser oder auch die Fahrradelkante im Wetterstein mit Fußabstiegen oder Abseilpisten, die auf 25 Meter eingebohrt sind, können auch mit Einfachseilen begangen werden. Als Faustregel verwendet man ab dem 5. Schwierigkeitsgrad meist Doppelseile.

Wie auch immer, am Einstieg wird der oder werden die Seilstränge einmal durchgezogen – bei Doppelseilen auf zwei getrennte Seilhaufen. Der Vorsteiger bindet sich ein, anschließend wird vom Boden aus meist über Körper gesichert. Nur wenn das Gelände am Einstieg sehr steil ist, benötigt man schon hier einen Standplatz. Dann bindet sich der Sichernde ebenfalls ein und fixiert sich am Standplatz.

Bei Körpersicherung wird üblicherweise ein Tube oder ein doppelseiltauglicher Autotuber (z.B. Edelrid Mega Jul oder Smart Alpine) verwendet. Dabei wird von Beginn an darauf geachtet, dass der rechte und der linke Seilstrang nicht verdreht aus dem Tube zum Vorsteiger laufen. Wird die Halbseiltechnik angewendet, achtet der Vorsteiger darauf, die Seilstränge beim Clippen der Zwischensicherungen nicht zu verdrehen. Ziel ist, Seilreibung, wo immer es geht zu vermeiden.

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Halbseiltechnik

Reibung vermeiden

Die Halbseiltechnik hilft, die Seilreibung zu reduzieren.

Bei der Halbseiltechnik wird jeweils nur ein Seilstrang pro Zwischensicherung eingehängt. Achtung: Zwillingsseile dürfen nicht einzeln eingehängt werden! Zum Glück erfüllen inzwischen viele Doppelseile die Normen für Zwillings- und Halbseile.

Zwischensicherungen

Wer in das Mehrseillängen-Klettern einsteigen möchte, sollte zunächst gut gesicherte Plaisirrouten wählen. Mit der zunehmenden Leere unter den Füßen, dem Standplatzbau und sonstigen logistischen Herausforderungen sind Sie erst einmal genug beschäftigt, so dass Sie sich nicht zusätzlich durch weite Hakenabstände oder schwierig anzubringende Zwischensicherungen stressen sollten.

Bohrhaken werden je nach Seilverlauf mit entsprechend langen Exen geclippt. Bei Übergängen von vertikalem Routenverlauf zu einem Quergang oder wenn ein Haken im Winkel unter einem kleinen Dach steckt, können selbst Alpinexen mit 60 cm Länge nicht ausreichen, um starke Seilreibung zu vermeiden. Oft lassen sich solche Stellen mit Halbseiltechnik entschärfen oder es kommt eine „Exe" mit 120-cm-Dyneema­schlinge zum Einsatz. Denn: Starke Seilreibung kann Sie derart ausbremsen, dass Sie nicht mehr vom Fleck kommen!

Wie beim Sportklettern sollte der Schnapper des Hakenkarabiners entgegen der Kletterrichtung positioniert werden, um „Selbstaushänger" zu vermeiden. Liegt der Karabiner auf Biegung am Fels auf, können Sie diese gefährliche Belastung vermeiden, indem Sie eine vernähte (oder schon verknotet am Gurt hängende) Kevlar-Reep­schnur fädelt (siehe unten).

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Gefahren an der Zwischensicherung

Selbstaushänger und Knickbelastungen verhindern!

Unten links: Unbedingt zu vermeiden ist Knickbelastungen des Kara­biners, weil er quer über eine Kante liegt. Die Lösung: eine gefädelte Kevlar- oder Dyneemaschlinge, siehe rechtes Foto. ?Die Illustration oben zeigt, wie sich Exen durch Seilbewegung „selbst" aushängen können, wenn der Schnapper des Haken-seitigen Karabiners in die Kletterrichtung zeigt. Deshalb: Immer den Routenverlauf beachten und den Karabiner dementsprechend einhängen.

Ruhen oder Angreifen?

Ist man auf Grund des Hakenabstands verunsichert, sollte eine schnelle „Situationsanalyse" durchgeführt werden:

  • Sehe ich den nächsten Haken und bin ich noch richtig?
  • Darf ich stürzen oder würde ich mich verletzen, wenn ich stürze?
  • Kann ich dazwischen eine zusätzliche Sicherung anbringen (Keil, Cam, Schlinge)?
  • Kann ich gegebenenfalls wieder zurück klettern?
  • Traue ich mir den „Runout" zu?

Dann entscheide ich mich für ein „Go" oder ich „parke" an der letzten Zwischensicherung, um Kraft und einen weiteren Überblick zu gewinnen. An die Sturzgrenze sollte man in Mehrseillängen-Routen nur gehen, wenn das Gelände sturzfreundlich ist und man sich auf seinen Sicherungspartner verlassen kann. Anders als im Klettergarten kann man in der fünften Seillänge nicht einfach zum Auto zurück humpeln oder sich vom Sanitäter abholen lassen. Daher die Empfehlung, sich langsam und mit Reserven an die Materie heranzutasten.

Bin ich noch richtig?

Oft kann man sich auch in Mehrseillängenrouten von Haken zu Haken orientieren, zumindest in Plaisir-Routen. Werden die Abstände mal größer, bedeutet dies oft, dass ich mich anderweitig orientieren muss.

  • Was sagt das Topo? Links, rechts oder geradeaus?
  • Wo befinde ich mich in der Seillänge und was sollte als nächstes kommen?
  • Habe ich die Seilmitte schon erreicht und wie weit ist es noch bis zum Stand?
  • Welche Geländeform ist im Topo angegeben (Platte, Riss, Überhang etc.)?
  • Sind Begehungsspuren in Form von Chalk oder Sohlenabrieb zu erkennen oder ist der Fels gar abgespeckt?
  • In welche Richtung würde ich als Erstbegeher klettern?

In klassischen Routen wird normalerweise dem Weg des geringsten Widerstands gefolgt, in modernen, gebohrten Genuss-Touren in der Regel dem kompakten Fels. Nicht selten bewegt man sich dabei zwischen schrofigem oder grasdurchsetztem Gelände und folgt nicht dem leichtesten Weg.

Schnell erwirbt man ein Gefühl, ob die Seillängen- und Topo-Angaben im verwendeten Führer exakt sind oder ob man die Angaben mit etwas Toleranz interpretieren muss. Es soll schon Topos gegeben haben, in denen ganze Seillängen fehlten! Aber so etwas spricht sich in der Regel schnell herum. Recherchiert vor der Tour und vergleicht euer Topo mit einem aus dem Internet oder einem anderen Führer, um sicher zu gehen.

Standplatzbau in Mehrseillängenrouten

Nach einer fordernden Seillänge am Standplatz anzukommen, gehört wohl zu den besten Gefühlen beim Alpinklettern. Jetzt gilt es, das Optimale daraus zu machen.

Die Kriterien für einen guten Stand sind in dieser Reihenfolge:

  1. ausreichend sicher
  2. schnell auf- und abgebaut
  3. übersichtlich

Standplatzbau in Mehrseillängenrouten

Ausreichend sicher hängt maßgeblich von der Hakenqualität ab. Dabei kann einem folgendes begegnen:

  • 1 Verbundhaken (Klebehaken)
  • 2 glänzende Bohrhaken
  • 1-2 alte, rostige Bohrhaken und ein oder zwei Normalhaken
  • nur Normalhaken
  • suspekte Schlingen in Sanduhren, um Köpfl oder sonstiger Schrott
  • gar nichts
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Kleine Hakenkunde

Aus diesen Möglichkeiten bilden wir zwei Kategorien:

Die Klasse „Alles gut!". Dort können wir schnell und einfach einen Stand mit Reihenschaltung aufbauen. Dies ist bei zwei Klebe- oder soliden Bohrhaken der Fall. Auch wenn ein super Bohrhaken und ein Normalhaken oder eine Sanduhr vorhanden sind, wird dieser Aufbau gewählt. Also immer dann, wenn mindestens ein guter Fixpunkt vorhanden ist.

Nennen wir die zweite Klasse „Was’n Schrott!". Hier finden wir nichts wirklich vertrauenerweckendes vor. Nur alte, verrostete Bohr- und Normalhaken oder wir müssen selbst etwas legen. Hier muss ein Stand mit Kräfteverteilung aufgebaut werden.

Alles gut!

Ist mindestens ein guter Fixpunkt vorhanden, wird der Standplatz mittels Reihenschaltung aufgebaut.

Normalerweise sollten Standplätze in gängigen Routen – vor allem in Plaisir-Touren – gute Haken aufweisen. Wir können dann wie folgt vorgehen:

  • Der tiefere der beiden Haken wird mit einem Verschlusskarabiner bestückt, mit einem Seilstrang ein Mastwurf darin gelegt und fertig ist die Selbstsicherung. Dann wird der zweite Haken eingehängt und ebenfalls mit einem Mastwurf an demselben Seilstrang dahinter abgespannt. Nun erst gibt man das Kommando „Stand!".

Diese Methode funktioniert natürlich nur, wenn die Seilschaft „im Überschlag" klettert, sprich die beiden Seilpartner abwechselnd vorsteigen. Steigt immer derselbe Kletterer vor, müsste man den gesamten Standplatz umbauen, bevor er die nächste Seillänge angehen kann.

Bei nur einem Vorsteiger verwendet man deshalb eine Reihenschaltungsschlinge und hängt seine Selbstsicherung in das Knotenauge dieser Schlinge am tieferen der beiden Fixpunkte. Trifft man auf nur einen guten, geklebten Haken, baut man allein an diesem Stand.

Zum Nachsichern wird in allen drei Fällen das Tube mit Plattenfunktion in den Zentralpunkt am unteren Haken eingehängt, das Seil komplett eingezogen und dann in die Patte eingelegt. Prüft, ob alles richtig aufgebaut ist, ob sich das Seil einziehen lässt und ob es auf Zug nach unten blockiert. Dann erst erfolgt das Kommando „Nachkommen!".

Was'n Schrott!

Ist kein Fixpunkt wirklich vertrauenserweckend erfolgt der Standplatzbau mittels Kräfteverteilung.

Sollten Sie doch einen etwas alpineren Klassiker begehen oder in den Dolomiten unterwegs sein, werden Sie in der Regel auf anspruchsvollere Standplätze treffen. Dort gilt es, sich zunächst einen Überblick zu verschaffen:

  • Wie viele Haken/Fixpunkte stecken?
  • Sind diese akzeptabel?
  • Kann ich etwas dazu legen?

Denn aus den Antworten auf diese drei Fragen ergibt sich die Entscheidung, ob ich hier Stand mache oder besser weiterklettere, um an einer besser geeigneten Stelle Stand zu bauen. Zum Beispiel, wenn ich nur einen oder zwei schlechte Fixpunkte vorfinde und nichts vernünftiges dazu bauen kann.

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Fixiertes Kräftedreieck

Treffe ich auf mindestens zwei akzeptable Haken oder kann selbst gute mobile Sicherungen legen, wähle ich die Kräfteverteilung. Standard ist das „fixierte Kräftedreieck", alternativ (wenn Haken gefädelt werden müssen, z.B. weil sich diese nicht ohne „Biegebelastung“ der Karabiner einhängen lassen) die „Südtiroler Methode". Beide Systeme verhindern, dass beim Ausbruch eines Fixpunktes der Zentralpunkt durchrutschen kann.

Auch bei mehr als zwei Fixpunkten lässt sich mit beiden Methoden schnell und sicher ein Standplatz bauen. Jetzt wird zunächst wieder die Selbstsicherung aufgebaut, es folgt das Kommando „Stand!". Dann das Sicherungsgerät für den Nachsteiger aufhängen, das Seil einziehen und dann einlegen. Kommando „Nachkommen!".

Kräfteverteilung mit vielen Fixpunkten

Müssen mehrere Fixpunkte verbunden werden, gilt ebenso: Kräfte gleichmäßig verteilen und den Zentralpunkt fixieren – ob mittels Ankerstich wie bei der „Südtiroler Methode" (oben) oder indem man eine lange Schlinge verwendet, alle Stränge nach unten zieht und mit einem Sackstich abbindet (unten).

Zusätzlichen Energieeintrag verhindern

Oben sehen Sie, warum das früher praktizierte Kräftedreieck ohne fixierten Zentralpunkt so gefährlich ist. Sollte ein Fixpunkt ausbrechen, erhält der verbliebene Fixpunkt durch den durchsackenden Sichernden einen zusätzlichen Energieeintrag, der im Worst Case zum Komplettversagen des Standes und damit zum Seilschaftsabsturz führen kann.

Sichern am Standplatz

Generell stellt sich die Frage: Körper- oder Fixpunktsicherung? Die Grundregel lautet: In Mehrseillängen-Routen wird über den Fixpunkt gesichert, damit die Sturzenergie auf den Standplatz und nicht den Sichernden wirkt. Denn es besteht die Gefahr, dass dieser gegen den Fels gerissen wird und die Kontrolle über das Bremsseil verliert.

Keine Regel ohne Ausnahme: Die Körpersicherung kann angewendet werden, wenn der Sturzzug ausschließlich nach oben erfolgen kann und man genügend Freiraum über dem Standplatz hat, so dass man nach oben gezogen werden kann, ohne hart anzuprallen. Dazu benötigt man eine ausreichend lange Selbstsicherung von mindestens 1 bis 1,5 Meter Länge, es müssen solide Zwischensicherungen vorhanden sein (Bohrhaken) und deren Abstände dürfen nicht zu groß sein (3 bis 5 Meter). Auch sollten Vorsteiger und Sichernder etwa gleich schwer sein.

Ist nur einer dieser Punkte nicht gegeben, sollte besser über den Zentralpunkt am Stand gesichert werden.

Damit der Sichernde bei einem Vorsteigersturz nicht mit dem Zentralpunkt nach oben gerissen wird und gegen den Fels schlägt: Abspannen, z.B. mit einem Keil oder einer Zackenschlinge.

Kräfteverteilung abspannen

Standplatz-Logistik

Der Wechsel am Standplatz ist kein Hexenwerk, hat man einmal ein System eingeschliffen. Mit der Platte (respektive Tube mit Plattenfunktion wie Black Diamond ATC Guide oder Petzl Reverso) gesichert, kann sich der Nachsteiger am Stand direkt in diese Sicherung setzen und das Material übernehmen und sortieren. Das Seil wurde beim Nachsichern auf einen Haufen gezogen – sofern ein Absatz oder Band vorhanden ist. Denn dann kann der Nachsteiger sofort weiterklettern – sein Sicherungsseil läuft von oben aus dem Seilhaufen. Hängt man am Stand ohne Platz für den Seilhaufen, sollte das Seil beim Nachsichern über das Selbstsicherungsseil oder den Fuß gelegt werden. Dabei beginnt man mit möglichst langen Seilschlaufen abwechselnd rechts und links und lässt diese bei jeder neuen Schlaufe etwas kürzer werden. So verhindern Sie, dass sich später beim Vorstiegssichern Schlaufen ineinander verheddern.

Ist der Partner bereit für die nächste Seillänge, muss von Platte auf Vorstiegssicherung gewechselt werden. Bei Körpersicherung nimmt man das Tube des Partners, legt das Sicherungsseil ein, hängt das Seil in den Dummyrunner und übergibt die abgebaute Platte dem Vorsteiger. Bei Fixpunktsicherung mit HMS über den Fixpunkt ist es noch einfacher. Man hängt die HMS am Zentralpunkt ein und baut die Sicherungsplatte ab. Bei Tube-Sicherung am Fixpunkt nimmt man das Gerät des Partners, baut die Sicherung auf und übergibt abschließend die Platte an den Vorsteiger.

Liegt das Seil mal nicht ordentlich, ist während des Sicherns runtergerutscht oder Sie klettern nicht im Überschlag, sollten Sie sich die Zeit nehmen, es nochmals sauber durchzuziehen. Dann können Sie sich ganz aufs Sichern eures Vorsteigers konzentrieren, anstatt nebenbei hektisch mit dem Seilsalat zu kämpfen.

Ein „vorgeschalteter" Karabiner sorgt bei Tube-Sicherung am Fixpunkt und Sturzzug nach unten für die notwendige „Knickwirkung".

Vorgeschalteter Karabiner

Weitere Ausrüstung für Mehrseillängenrouten

  • Für einen Fußabstieg sollten Sie immer leichte Approach- oder Turnschuhe dabei haben. Wenn Sie ohne Rucksack klettert, können Sie diese hinten an den Klettergurt hängen. Mit Kletterschuhen oder gar barfuß abzusteigen, ist wahrlich keine empfehlenswerte Methode.
  • Auch ohne Rucksack sollte ein kleines Erste-Hilfe-Set in der Wand dabei sein: Tape, Kompresse, Verbandpäckchen und Klammerpflaster – das reicht für kleinere Blessuren. Bei größeren Verletzungen wird die Rettung gerufen, die Nummer ist vorsorglich im Handy abgespeichert.
  • Regenbekleidung und Biwaksack sind abhängig von der Wettersituation, der geplanten Tour und den Verhältnissen und kommen gegebenenfalls in einen leichten Nachsteigerrucksack.

Dummy-Runner

Gute Absicherung, genug Freiraum nach oben, 1 bis 1,5 Meter Selbstsicherung, Vorsteiger und Sichernder ungefähr gleich schwer? Sind alle vier Kriterien erfüllt, kann der Vorsteiger mit Dummy-Runner über Körper gesichert werden.

Pre-Clip

Die Pre-Clip-Methode erfordert die gleichen Voraussetzungen wie der Dummy Runner. Die Pre-Clip-Methode funktioniert nur, wenn Sie im Überschlag klettern. Die erste Zwischensicherung der nächsten Länge wird „falschrum geklippt". Beim Sichern des Nachsteigers fällt allerdings die selbstblockierende Plattenfunktion weg.

Objektive Gefahren

Wesentlich häufiger als durch Steinschlag oder Wettersturz werden Unfälle durch subjektive Gefahren verursacht – durch Selbstüberschätzung, mangelnde Erfahrung, Versteigen oder schlechte Vorbereitung.

Auch die objektiven Gefahren wie Steinschlag, Griffausbruch oder Wettersturz sind oft durch vorausschauendes, richtiges Verhalten vermeidbar. Sprich, auch die objektiven Gefahren haben eine „subjektive Komponente". Denn lockere Griffe und Tritte kann man durch „Abklopfen" erkennen, auch das Steinschlagrisiko kann oft erkannt und vermieden werden. In alpinen Routen sollte ich mir genau überlegen, ob ich unter einer anderen Seilschaft einsteigen möchte oder besser eine andere Tour wähle – besonders wenn die Wand Bänder aufweist, was bei den meisten leichteren und klassischen Routen der Fall ist. Denn das dort liegende Geröll kann sich – vor allem bei unachtsamem Seilhandling – schnell in gefährliche Geschosse verwandeln. Ein Helm ist beim alpinen Klettern Pflicht!

Das Wetter ist heutzutage im Web leicht zu checken. Dabei gilt:je aktueller die Information desto besser. Wetterstürze (Kaltfronten) können fast 100-prozentig vorhergesagt werden. Wenn nachmittägliche Wärmegewitter angekündigt sind, versteht es sich von selbst, nicht in eine 20-Seillängen-Route einzusteigen. Und wie bereits im letzten Heft gesagt – dunkel wird es immer abends, also nicht überrascht sein!

Übung macht den Meister

Zugegeben, die Anforderungen beim alpinen Kletterns sind vielfältig und komplex. Abschrecken lassen sollten Sie sich davon aber nicht! Gehen Sie das Ganze behutsam an, unternehmen Sie Ihre ersten Mehrseillängenrouten an Mittelgebirgsfelsen oder in talnahen Wänden – oder klettern Sie mit einem erfahrenen Seilpartner. Generell sinnvoll ist auch eine gute Ausbildung in speziellen Alpinkletterkursen. Wer gut vorbereitet ist, wird auch alpine Klettereien sicher und mit Spaß erleben können. Denn wie schon erwähnt: Große Wände bescheren große Gefühle!

Kleine Knotenkunde fürs Alpine

Beim Mehrseillängen-Klettern benötigt man eine kleine Auswahl an Knoten, nicht nur zum Anseilen. Wenn möglich sollte man aber, wo immer es geht, fixe Vernähungen bevorzugen, da diese wesentlich höhere Festigkeiten bieten. Für die meisten Einsatzgebiete können solche vernähten Schlingen verwendet werden (große Sanduhren, Köpfel, Haken abbinden, Kurzprusik, Zwischensicherungen, Selbstsicherungsschlinge).

Doch zum Abseilen (Seilverbindung), Anseilen oder für Sanduhren und Bergrettungsinhalte benötigt man immer noch den einen oder anderen „Knopf". Welcher wofür empfohlen wird, stellen wir Ihnen hier vor.

Einen Knoten kennen ist leider nicht das Gleiche wie einen Knoten können. Im alpinen Gelände bedeutet die Beherrschung der Knoten ein Sicherheitsplus. Die wichtigsten Knoten sollte man deshalb beinahe blind knüpfen können. Denn wenn es beim Wettersturz in der Wand kalt und nass wird oder Sie extrem unter Zeitdruck geratet, wollen Sie nicht anfangen, die Knoten zu üben. Deshalb: In der Bahn, als Beifahrer im Auto, in der Vorlesung, vor dem Fernseher: Knoten üben, bis sie sitzen.

Korrekte Knoten sind wahre Lebensretter
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