Der Krebs geht baden: Sportsfreund Bernhard hat den Krebs besiegt

Als #KrebsAthlet schrieb Bernhard über seine Behandlung.

Als Wasserballer gewann Bernhard 9-mal die österreichische Bundesliga. In der Vorbereitung für die Nationalmannschaft kam die überraschende Diagnose: Krebs. Als #Krebsathlet nahm Bernhard den Kampf auf

Nach 9 Meistertiteln in der österreichischen Bundesliga beendete Bernhard seine Karriere als Wasserballer. Bald sollte er zum dritten Mal Vater werden. Als bei ihm eher zufällig Krebs diagnostiziert wurde, wollte Bernhard nicht mit Sport aufhören. Er startete als #KrebsAthlet einen Blog und dokumentierte seinen Sport während der Therapie. Als es ihm am dreckigsten ging, fasste er den Entschluss: Ich will wieder ins Wasser.

Sportsfreunde 2018: Bernhard im Interview





Men's Health: Bernhard, vor allem anderen: Wie geht es dir heute – und bist du krebsfrei?

Bernhard: Danke, mir geht es sehr gut. Und ja, ich habe den Krebs besiegt. Nach 8 Monaten war meine "Zwischen-Challenge" geschafft. So habe ich Chemotherapie und Bestrahlung genannt. In den letzten beiden Jahren hatte ich pro Quartal eine Nachkontrolle, ab Herbst wahrscheinlich nur noch alle 6 Monate.

Herzlichen Glückwunsch! Wie sieht dein Sportpensum aktuell aus?

Faul herumsitzen gibt es bei mir nicht. Ich trainiere täglich und habe das typische Ziel eines Familienvaters: Beweisen, dass Sixpack über 30 und mit 3 Kindern nicht unmöglich ist.

Viel Erfolg beim Projekt Operation Sixpack. Mit dem Wasserball hast du mittlerweile aufgehört?

Ja, zumindest professionell. Aber 1-mal im Jahr spiele ich mit meinem Vater beim Bodensee Cup im Team.

10 Meistertitel gewann Bernhard in der österreichischen Wasserballliga.

Dein Vater hat dich doch auch für den Wasserballsport begeistert, oder?

Er spielt sogar heute noch aktiv! Er war auf jeden Fall der Initiator und bis heute mein großes Vorbild. Meine Eltern haben mir mal erzählt, dass ich im ersten Lebensmonat schon mit auf einem Trainingslager war. Von daher kein Wunder, dass er mich und auch meine Geschwister mit der Liebe zum Wasser angesteckt hat.

Wann wusstest du, dass du Wasserballer werden willst?

Als mein Vater vergessen hat, mich vom Fußballtraining abzuholen, als es geregnet hat. Da war mir eine Karriere als Wasserballer doch lieber. Natürlich nur ein Spaß. Der Sport ist der älteste olympische Teamsport, die Geschichte alleine fasziniert schon. Und natürlich bin ich quasi im Wasser aufgewachsen. Mit 17 habe ich sogar die Schule verlassen, aus Liebe zum Wasserball – und auch ein bisschen wegen meines Revoluzer-Daseins. Ich bin nach Innsbruck gezogen, da ich beim österreichischen Serienmeister spielen wollte. In meinem ersten Jahr stand ich dann auch in der Stammmannschaft. Von 2004 bis 2014 waren es insgesamt 9 Meistertitel und einige Cupsiege mit dem Wasserball Club Tirol. Da man vom Wasserballsport nicht leben kann, habe ich parallel gearbeitet, meinen Abschluss in einer Abendschule nachgeholt und studiert.

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Wann hast du deine Profikarriere beendet?

Kurz vor der Geburt unseres 3. Kindes habe ich aufgehört. Allerdings sind ein halbes Jahr später einige Leistungsträger im Nationalkader ausgefallen und ich wurde gefragt, ob ich bereit wäre, auszuhelfen. Bevor ich blind zusage, wollte ich 2 Monate trainieren und sehen, ob der Funke nochmal überspringt. Allerdings hat nicht mal 6 Wochen später der Krebs alle Planung auf den Kopf gestellt.

Während der Behandlung durfte Bernhard Lieblingsübungen wie Klimmzüge oder Burpees nicht machen.

Wie hast du erfahren, dass du Krebs hast?

Das kam, ehrlich gesagt, eher zufällig und glücklich. Schon 1 Jahr vor der Diagnose habe ich mehrere Knoten am Hals entdeckt. Typisch Mann habe ich die nicht untersuchen lassen, weil es mir "zu viel Trubel" war, einen Termin auszumachen und hinzugehen – ja, ich weiß, mehr als dumm im Nachhinein. Kurz nachdem ich dann wieder für die Nationalmannschaft trainiert habe, war ich zufällig in der Nähe meines Hausarztes, als ein Geschäftstermin geplatzt ist. Also bin ich hoch und er hat mich direkt zum Ultraschall, Röntgen und anschließend zur Biopsie geschickt. Kaum 2 Wochen später hatte ich dann auch schon den Anruf aus dem Spital mit der Diagnose Krebs.

Wie hast du im ersten Moment darauf reagiert?

Am Telefon war meine erste Reaktion: "Wie viele Unterhosen soll ich einpacken?" Meine Frau hat mich total entgeistert angeschaut, mein Arzt am anderen Ende der Leitung war erstmal stumm. Irgendwann hat der Arzt gemeint, meine Frau könnte im Notfall ja welche nachbringen. Auch in den ersten Tagen danach war nie der Gedanke da, dass ich sterben könnte. Neben den Unterhosen hat mich am meisten beschäftigt, wie ich trotz Chemo und Bestrahlung trainieren kann. Mir hat nämlich die schwammige Antwort vom Arzt, "3-mal die Woche gemäßtigt", nicht als Info gereicht.

Inwiefern konntest du tatsächlich Sport treiben?

Ich habe mich nach Trainingsmöglichkeiten während der Therapie umgesehen und bin auf die HRV-Messung (Herzfrequenzvariabilität) und auf Bernhard Schimpl von Sport in Motion gestoßen. Dabei wird der körperliche Zustand überwacht, speziell wie gestresst er ist und wie es um die Erholungskapazität bestellt ist. Ich habe täglich die Werte an Bernhard übermittelt und auf dieser Basis hat er mir ein perfekt abgestimmtes Programm erstellt. So konnte ich trotz Hardcore-Therapie gezielt trainieren.

Beim Wasserball geht es teilweise hart zur Sache.

Das war auch die Geburtsstunde für den #Krebsathlet?

Richtig. Den Namen hat meine Frau mir gegeben. Während der Therapie habe ich festgestellt, dass Krebs immer noch ein Tabuthema ist. Viele Patienten geben sich selbst die Schuld an ihrer Krankheit, verstecken sich zu Hause. Deshalb habe ich einen Blog ins Leben gerufen und habe dort meine Erfahrungen geteilt. Um hoffentlich andere zu motivieren und um zu zeigen, dass man Krebs nicht totschweigen muss. Außerdem waren so meine Freunde immer auf dem neuesten Stand – manchmal fehlte einfach die Kraft, jedem einzeln zu antworten.

Wie sah dein Fitnesspensum während der Therapie aus?

Wenn es die Werte meines Vitalmonitors zugelassen haben, habe ich Sport getrieben. Jeden Tag wollte ich in irgendeiner Form Bewegung unterbringen, manchmal war eben nur ein kurzer regenerativer Spaziergang möglich, an anderen Tagen längere und intensivere Einheiten. In der Zeit konnte ich eigentlich nur Ausdauereinheiten absolvieren: Ich hatte einen Port unterhalb des Schlüsselbeins, über den Port kamen die Chemoflüssigkeiten in meinen Körper. Dadurch konnte ich aber keine Liegestütz, Burpees, Klimmzüge oder so machen. Das Allerschlimmste war allerdings, dass ich nicht im Wasser trainieren durfte, da das Immunsystem für so etwas zu schwach ist während der Behandlung.

Kannst du beschreiben, was am schlimmsten und am besten Tag jeweils sportlich möglich war?

Es gibt Tage, an denen willst du teilweise nicht das Bett verlassen, weil es dir so dreckig geht. Man kann sich das ungefähr so vorstellen, als ob man eine feuchtfröhliche Nacht mit viel zu viel hartem Alkohol hinter sich hat. Wenn man am nächsten Tag wach wird, leidet man so richtig. Das Gefühl, sich ständig übergeben zu müssen, keine Kraft im Körper, jeder Zentimeter tut weh. Mit anderen zu sprechen ist anstrengend. Bei mir haben diese "Dreckstage" teilweise 5 oder 10 Tage lang angehalten. An solchen Tagen war ein Spaziergang von 500 Metern das Maximum. Danach musste ich mich hinlegen, weil ich so erschöpft war. Aber an guten Tagen sind Laufeinheiten möglich. Sogar einen 10-Kilometer-Lauf habe ich absolviert – aber fragt nicht nach der Zeit!

Heute bloggt Bernhard weiter, um andere zu motivieren.

Wer hat dich während der Zeit unterstützt?

Meine Familie, meine Frau und Kinder, auch viele Freunde haben mich in der Zeit unterstützt. Meine Frau ist meine absolute Heldin, denn sie hatte es in der Zeit wirklich nicht einfach: 2 Kinder und ein Neugeborenes – und dann hatte sie plötzlich auch noch einen Krebspatienten, um den sie sich kümmern musste. Das war eine große Herausforderung. Aber sie war immer für mich da und hat mich mit unglaublicher Kraft unterstützt. Ich durfte teilweise nicht mit meinen Kindern kuscheln, aufgrund meines geschwächten Immunsystems. Das war oft sehr schwer. Aber auch die Kids haben die Zeit tapfer durchgestanden, ich bin unheimlich stolz auf sie.

Während deiner Behandlung hast du dir ein festes Ziel gesetzt. Welches war das?

Ich habe mir geschworen: Wenn alles vorbei ist, dann werde ich noch einmal Meister. Ich kann mich noch genau an den Moment erinnern. An einem meiner schlimmsten Dreckstage lag ich im Bett, alle Jalousinen unten, und ich hab nur gebetet, dass es endlich besser werden soll. Der Wunsch wurde noch stärker, als meine Teamkollegen zum Finale ein Shirt mit meiner Trikotnummer 7 dabei hatten. Davon haben sie mir ein Bild geschickt. Das war eine geile Aktion!

Motivation pur! Wann konntest du wieder ins Wasser?

Das erste Mal zum Wasserballtraining bin ich während der Reha, rund 8 Monate nach der Diagnose. Der zuständige Arzt war etwas verwundert, als ich ihm gesagt habe, dass ich 3-mal die Woche zum Wasserballtraining fahren wollte. Aber nach einer kurzen Diskussion hat er es erlaubt.

Wie war das erste Mal zurück in deinem Element?

Ich habe richtig gelitten. Beim Schwimmtraining hat mich sogar der Tormann überrundet – eine absolute Schande unter Wasserballern.

Nach dem Krebs gewann Bernhard seinen 10. Meistertitel im Wasserball.

Wie lief das Training?

Am schlimmsten waren die Nachwehen der Therapie. Wenn ich den Puls zu hoch getrieben habe, kamen trockene Hustenanfälle, teilweise stundenlang. Außerdem stellten sich Fortschritte verdammt langsam ein und haben mich echt auf die Geduldsprobe gestellt. Während der Therapie hatte ich beschlossen, dass ich nur mit einem Team trainieren will, anstatt mich alleine fit zu machen. Deshalb bin ich von Innsbruck zu Paris Lodron Salzburg gewechselt.

Konntest du deinen 10. Meistertitel gewinnen?

Ja, wir konnten die Liga gewinnen. Ein bisschen komisch war es schon, mit einem anderen Team den Titel zu holen. Noch dazu haben wir im Finale gegen meine alte Mannschaft gespielt. Daher war es ein bisschen schwer, sich komplett zu freuen. Immerhin standen auf der anderen Seite einige langjährige Freunde und Kameraden.

Du hast aufgehört, #KrebsAthlet zu verwenden. Warum?

Richtig. Ich habe den Krebs besiegt und der Hashtag hat immer wieder den Krebs in den Vordergrund gestellt. Daher ist diese Phase meines Lebens vorbei. Auf meinem neuen Blog berndhardhengl.com bemühe ich mich weiterhin, Menschen zu motivieren und zum positiven Denken anzuregen. Vielleicht kann ich jemandem mit meiner Geschichte als Vorbild dienen, oder meine Tipps lassen ein Licht aufgehen. Wenn der Wille da ist, das Ziel klar vor Augen ist und man den Fokus darauf legt, kann man es auch erreichen.

Auch unsere Partnerseiten Women's Health und Runner's World präsentieren im Rahmen unserer Aktion "Sportsfreunde 2018" Menschen und ihre bewegenden Geschichten. Lass dich jetzt von ihnen motivieren und inspirieren!

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