Im Handstand zum Rekord: Sportsfreund Christopher liebt Herausforderungen

29 Handstand-Liegestütze in einer Minute waren Christopher Guinness-Rekord
Mit 29 Liegestütze im Handstand hat sich Christopher einen Guinness-Weltrekord gesichert

Geturnt hat Christopher schon als Kind, beim Anblick der olympischen Geräteturner war klar: das will ich auch machen! Seine Leidenschaft brachte ihm sogar einen Guinness-Weltrekord ein!

Christophers Bewegungsdrang fiel seinen Eltern schon früh auf und sie brachten ihn zum Kinderturnen. Als er Olympia 2004 vorm Fernseher verfolgte und die Geräteturner sah, sprang der Funken über. In den nächsten Jahren nahm er erfolgreich an Wettkämpfen teil und entdeckte die Leichtathletik und Calisthenics für sich. Im März 2017 sicherte der Kommissaranwärter sich einen Guinness-Weltrekord mit einer besonderen Liegestütz-Variante.

Sportsfreunde 2018: Christopher im Interview




Men's Health: Hand aufs Herz: Wie viele Anläufe hast du benötigt, um die meisten freistehenden Handstand-Liegestütze in einer Minute zu schaffen und dir deinen Guinness-Weltrekord zu sichern?

Christopher: Um ehrlich zu sein, einen einzigen. Den damaligen Rekord hatte ich nach 40 Sekunden schon gebrochen. Bis zur Wiederholung 29 hatte ich nicht einmal abgesetzt, obwohl ich das laut Reglement beliebig oft durfte. Ich fand es perfekt, den Rekord in einem Rutsch zu knacken. Deshalb habe ich in den letzten 20 Sekunden auch nicht nochmal angesetzt.

Starkes Ding, absolut. Musstest du denn wenigstens lange darauf hintrainieren?

Sorry, aber nein. Ich habe mein Training nie explizit darauf ausgerichtet, mehr Handstand-Liegestütze zu schaffen. Es war einfach Bestandteil meines regulären Krafttrainings. Dass es so außergewöhnlich ist, wurde mir erst klar, als ich vom damaligen Rekord erfahren habe.

Dann erzähl uns doch, wie du überhaupt zum Sport gekommen bist.

Meine Eltern haben mich zum Kinderturnen gebracht, um meinen Bewegungsdrang zu stillen. Sie haben früh gemerkt, dass ich akrobatisch war und gefördert werden sollte. Das war definitiv eine goldrichtige Entscheidung meiner Eltern! Und mit 6 Jahren habe ich dann schon meine ersten Handstandversuche gemacht – das war quasi schon ein Zeichen für das, was kommen sollte.

Zum Geräteturnen bin ich durch Olympia 2004 gekommen. Ich habe im Fernsehen die muskulösen Männer an Barren und Reck gesehen und wusste sofort, ich möchte genau das auch machen! Mit 8 Jahren bin ich also ins Geräteturnen und habe bis heute an vielen Wettkämpfen, zum Beispiel den Deutschen Meisterschaften, teilgenommen und einige Medaillen gewonnen. Mittlerweile bin ich aber nicht mehr im Wettkampfsport Geräteturnen aktiv.

Christopher turnt schon seit seiner Kindheit
Christopher turnt schon seit seiner Kindheit

Welchen Sport betreibst du denn heute?

Heute bin ich aktiver Leichtathlet, speziell auf der 100- und 200-Meter-Strecke. Außerdem habe ich seit einigen Jahren eine weitere große Leidenschaft für mich entdeckt: Calisthenics, also Krafttraining mit dem eigenen Körpergewicht. Natürlich turne ich auch weiterhin.

Beim Turnen reizen mich vor allem die Aspekte der Ästhetik und Disziplin, man lernt seinen Körper sehr gut kennen. Es ist eine Sportart, die einem auch viele andere sportliche Türen öffnen kann, da man sehr viele Grundlagen für andere Sportarten entwickeln kann. Beim Sprinten in der Leichtathletik fasziniert mich der Kampf um jede Millisekunde. Hier sind Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit und Konzentration gleichermaßen gefragt. Schon kleinste Faktoren können über Sieg oder Niederlage entscheiden.

Calisthenics stehen dem Turnsport sehr nah, viele Übungen haben dort ihren Ursprung. Ich finde es hier immer toll, einfach an der frischen Luft trainieren zu können. In meinem Heimatort Bad Neuenahr-Ahrweiler haben wir einen Trainingspark im Wald, da hat man absolute Ruhe und kann während des Trainings in eine ganz andere Welt abtauchen.

Was bedeuten dir Sport und Bewegung?

Sie sind ein fester Bestandteil meines Lebens, schon von klein auf. Ich würde es sogar schon als Lebenseinstellung bezeichnen. Damit ist nicht nur das Training an sich verbunden, sondern auch Ehrgeiz und Motivation, die mich im Leben voranbringen. 

Wenn ich Sport mache, schaffe ich es, dem manchmal stressigen Alltag zu entfliehen und den Kopf völlig frei zu bekommen. Dann bin ich quasi in meiner eigenen Welt und habe die Möglichkeit, mich einzig und alleine mit mir selbst zu beschäftigen, Dinge zu hinterfragen und zu reflektieren. Diese Selbstkontrolle bereinigt die Seele und bietet eine tolle Möglichkeit, um ausgeglichen durch den Alltag gehen und mit sich selbst im Einklang sein zu können. Wer sich bewegt fühlt sich einfach besser, davon bin ich überzeugt!

Christopher ist Polizei-NRW-Meister im Sprint über 200 Meter
Mit der Sportjugend besuchte Christopher die Olympischen Spiele 2016 in Rio

Wie motivierst du dich selbst?

Manchmal ist es hart sich selbst zu motivieren, das muss ich gestehen. Gerade, wenn ich alleine Sport mache. Im Team oder mit mehreren ist das nochmal etwas anderes. Aber meine Motivation zum Sport sind meine Leidenschaft und meine Lebenseinstellung. Ich habe Spaß mich zu bewegen und fühle mich dabei einfach frei. Eine weitere Rolle spielt der Ehrgeiz. Wenn ich mir etwas vorgenommen habe, sei es eine neue Bestzeit oder ein neues Element zu lernen, so bin ich sehr zielstrebig. Am sportlichen Erfolg reizt mich nicht unbedingt nur die Anerkennung von anderen, sondern auch, den eigenen Ehrgeiz zu befriedigen und meine Ziele zu erreichen.

Was war bisher dein tollster Sportmoment?

Ich war zwar nicht selbst als aktiver Sportler vor Ort, aber der Besuch der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro mit der Landessportjugend Rheinland-Pfalz, ganz klar. Es war für mich ein Gänsehautmoment, im Stadion zu stehen und die weltbesten Leichtathleten hautnah zu beobachten. Zwar dauert ein einzelner 100-Meter-Lauf nur knapp 10 Sekunden. Es ist jedoch ein wahnsinniger Moment, wenn das komplette Stadion schweigt, während die Athleten an den Start gehen und alle ausrasten, sobald der Startschuss gefallen ist.

Beim Sport hat Christopher Zeit für sich
Beim Sport hat Christopher Zeit für sich

Du machst nicht nur Sport für dich, du trainierst mittlerweile auch Kids?

Richtig. Vor knapp 3 Jahren habe ich damit angefangen. Ich wurde seit meiner Kindheit immer durch tolle Trainer unterstützt, da war es für mich eine Ehrensache, der nachfolgenden Generation auch etwas weiterzugeben. Es macht mir großen Spaß, in die glücklichen Gesichter der Kinder zu sehen, wenn sie neue Elemente zum ersten Mal schaffen oder einen erfolgreichen Wettkampf turnen.

Was war der Grund, dass du mit dem Nachwuchstraining angefangen hast?

Irgendwann wurden mir die vielen Wettkämpfe in 2 Sportarten gleichzeitig zu viel. Ich musste mich entscheiden und Prioritäten setzen. Ganz aufhören mit einem der beiden Sportarten kam für mich nie in Betracht, dafür liebe ich beide zu sehr. Am Ende fiel die Entscheidung darauf, das Turnen ein klein wenig zurückzuschrauben. Und da wir mittlerweile einige junge Nachwuchsturner bei uns im Verein haben, habe ich mir gedacht, dass es doch toll wäre, die über die Jahre hinweg gelernten Elemente und den "Turn-Spirit" an die nachfolgende Generation weiterzugeben. Es ist wirklich schön anzusehen, wie die Kinder großen Spaß am Training haben und einen auch als Vorbild sehen. So lebt der Sport weiter, die Kids sind glücklich und ich bleibe mit dem Turnsport verbunden.

Worauf achtest du beim Training mit den Kleinen?

Das Wichtigste ist, dass sie gerne zum Turnen kommen. Es ist sinnlos, sie zu etwas zu zwingen, wozu sie keine Lust haben. Denn dann verlieren sie den Spaß, nicht nur am Turnen, sondern vielleicht ganz am Sport. Sie sollen zum Turnen gehen, weil es ihnen Spaß macht und sie ihre Leidenschaft dafür entdeckt haben – und nicht, weil die Eltern einen zum Turnen schicken. Dieses Gefühl möchte ich auch bei den Kids entfachen, denn zeitgleich werden auch Ehrgeiz und Motivation außerhalb der Turnhalle gestärkt, beispielsweise in der Schule. Außerdem gehört zum Turnen eine gewisse Disziplin. Diese Disziplin sollen die Kindern aus eigenem Antrieb heraus entwickeln – und das geht nur, wenn sie auch mit Spaß bei der Sache sind.

Christopher will sich seinen Rekord zurückholen
Christopher will sich seinen Rekord zurückholen

Nochmal zurück zum Weltrekord: Wie bist du auf die Idee gekommen, dir genau diesen Rekord zu holen?

Wir haben am Ende unseres Turntrainings immer Kraftübungen gemacht, Liegestütze, Situps, und so weiter. Irgendwann kamen wir dann auf die Idee, unsere Liegestütze mal im Handstand zu probieren, da der Handstand ein Grundelement im Turnen ist. Das ist mittlerweile einige Jahre her und ich hatte ursprünglich auch niemals den Plan, irgendeinen Rekord zu brechen oder aufzustellen.

Über die Zeit habe ich immer mehr Wiederholungen der Handstand-Liegestütze geschafft. Eines Tages hat mich dann ein Freund angesprochen und gesagt, dass er ein Video auf YouTube gesehen hatte, wie ein Armenier einen Guinnes-Weltrekord in der Kategorie "die meisten Handstand-Liegestütze in einer Minute" aufgestellt hat, bei 26 Wiederholungen lag der. Da habe ich mir gedacht, "Moment, 26 Stück? Die habe ich im Training doch auch schon hinbekommen." Im Internet habe ich mich dann über die Regularien für einen Rekordversuch informiert, nach einigen Wochen kam tatsächlich das "Go" von Guinness World Records für meinen Versuch. Ich schnappte mir ein paar Freunde, die aus zwei Perspektiven filmen, die Zeit stoppen und den Versuch bezeugen mussten. Der Rest habe ich ja schon erzählt.

Wie hat sich das angefühlt, den Rekord im ersten Anlauf zu knacken?

Der absolute Wahnsinn! Ich war mir zwar relativ sicher, dass ich mehr als 26 Wiederholungen schaffen kann – aber ich war superhappy, als ich es dann tatsächlich gepackt habe. Dann musste ich erstmal das Video, alle Nachweise und Beglaubigungen an Guinness World Records senden und warten. Nach ein paar Wochen brachte der Postbote dann die Urkunde. Da war ich vor Freude kaum zu bremsen – ich konnte mich offiziell Guinness-Weltrekordhalter nennen, der Wahnsinn! Die Urkunde hat natürlich einen Ehrenplatz in meinem Zimmer. Aber mittlerweile bereue ich es ein wenig, die letzten 20 Sekunden meiner Minute "verschenkt" zu haben.

Wieso das denn? Es war ja eine saubere Nummer, sozusagen.

Das auf jeden Fall. Aber Ende 2017 hat der Armenier Manvel Mamoyan, dessen Rekordmarke ich überboten habe, den Weltrekord auf 37 Wiederholungen hochgeschraubt. Aber ich habe schon die ersten Schritte in die Wege geleitet, um mir den Rekord zurückzuholen. Das ist jetzt das Spannende, denn ich sehe mich in einem Wettstreit um den Rekord – eine Sache der Ehre sozusagen. Guinness World Records hat mir vor kurzem auch schon grünes Licht für einen neuen Versuch gegeben. Im Training habe ich 40 Handstand-Liegestütze in 1 Minute geschafft, jetzt muss ich das unter offiziellen Bedingungen umsetzen. Vielleicht ist sogar noch mehr drin!

Auch unsere Partnerseiten Women's Health und Runner's World präsentieren im Rahmen unserer Aktion "Sportsfreunde 2018" Menschen und ihre bewegenden Geschichten. Lass dich jetzt von ihnen motivieren und inspirieren!

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