Freund und Helfer: Sportsfreund Michael ist bereit für den Ernstfall

Michael ist seit 36 Jahren bei der Polizei Bremen aktiv
Michael ist seit 36 Jahren bei der Polizei Bremen aktiv

Seit vielen Jahren ist Michael Polizist – Fitness gehört zum Job, um sich und Bürger zu beschützen. Ein gefährlicher Einsatz brachte ihn dazu, neue sportliche Wege zu gehen

"Ein vermiedener Kampf ist ein gewonnener Kampf" – das ist die Devise von Sportsfreund Michael. Der Polizeihauptkommissar der Bremer Polizei ist seit über 25 Jahren im Einsatz. Um für jede Situation gewappnet zu sein, praktiziert er seit einigen Jahren den Kampsport Krav Maga. Gleichzeitig hilft ihm der Sport, Erlebtes zu verarbeiten und möglichst lange körperlich und geistig fit zu bleiben.

Sportsfreunde 2018: Michael im Interview




Men's Health: Als Polizist bist du quasi Schutzschild und Zielscheibe in einem. Wie gehst du damit um?

Michael: Behandle andere Menschen so, wie du selbst behandelt werden möchtest: mit Respekt, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Humor. Polizisten müssen bereit sein, innerhalb von Sekundenbruchteilen weitreichende Entscheidungen zu treffen. Danach haben Medien, Gerichte und die Öffentlichkeit alle Zeit Welt, die Entscheidungen zu bewerten. Für einen Polizisten sind psychisches und physisches Training mehr als die halbe Miete, um für solche Situationen gewappnet zu sein. Ganz egal, wie negativ dir jemand gegenübertritt, das darf nicht aus der Bahn werfen. Das positive Feedback der Mitbürger und dass man für seine Überzeugung eintritt, wiegen am Ende des Tages das Negative bei weitem auf.

Du hast allerdings noch eine Möglichkeit entdeckt, Menschen den Polizistenberuf nahe zu bringen?

Ja, ich habe auch schon für einige Bücher und Zeitschriften schreiben dürfen. Damit will ich vor allem die menschliche Seite meines Berufs zeigen. Ich will zeigen, dass wir normale Menschen sind, die einen besonderen Beruf ausüben. Für meine Geschichten habe ich einiges an positivem Feedback bekommen. Das motiviert natürlich, weiter über meinen Beruf zu schreiben.

>>> Hier kannst du die Texte von Michael lesen

Dein Beruf und deine Liebe zum Sport haben beide den gleichen Ursprung, richtig?

Das kann man so sagen. Bevor mein Vater die medizinische Laufbahn eingeschlagen hat, war er Kampfschwimmer und Einzelkämpfer beim Bund. Durch ihn bin ich auch das erste Mal mit Sport in Berührung gekommen. Gleichzeitig hatte ich aber schon immer den Drang, mich zu bewegen. Außerdem habe ich mich schon immer für Kampfsport begeistert, mit der Betonung auf "Sport" – der Vergleich nach klaren Regeln, Fairness und Respekt vor dem Gegenüber. Durch Technik gegen einen körperlich überlegenen Gegner (oder sogar mehrere) zu bestehen, hat mich von klein auf fasziniert.

Mit Krav Maga ist Michael noch besser auf Extremsituationen vorbereitet.

Wie hilft dir der Sport im Beruf?

Zuerst hält er natürlich fit. Im Dienst kann körperliche Fitness eine zusätzliche Lebensversicherung sein, um Bürger und sich selbst zu schützen ist eine Grundfitness elementar wichtig. Zweitens hilft er, bei der Gesunderhaltung. Unser Wechselschichtdienst ist nachweislich gesundheitsschädlich. Sport ist daher ein sehr wichtiger Ausgleich, um körperlich und geistig fit zu bleiben. Außerdem hilft er, belastende Erlebnisse zu verarbeiten – du sieht als Polizist leider vieles. Und eine Kinderleiche, Not oder Gewalterfahrungen vergisst du nicht, wenn du abends die Uniform ablegst. Mein Kampfsport gibt mir beides, einen Ausgleich und quasi eine Absicherung in meinem Beruf. 

Das ist heftig. Und welchen Kampfsport praktizierst du?

Ich betreibe Krav Maga. Der Kampfsport wurde Anfang des 20. Jahrhunderts vom Ungarn Imrich Lichtenfeld entwickelt. Später wurde er Nahkampfausbilder der israelischen Armee. Krav Maga entwickelt sich konstant weiter. Primär werden Schlag- und Tritttechniken angewandt, aber es werden auch Grifftechniken und Bodenkampf beigebracht. Ich trainiere es nicht im Verein, sondern habe einen guten Freund vom Fach, der mich unterrichtet.

Ihr werdet in der Polizeiausbildung bestimmt in Selbstverteidigung geschult?

Natürlich, ESV (Einsatzbezogene Selbstverteidigung) ist ein wichtiger Bestandteil der Aus- und Fortbildung bei der Polizei, auch bei uns in Bremen. Ziel ist es, nicht nur Bürger und sich selbst zu schützen, sondern auch Aggressoren zu überwältigen, ohne sie ernsthaft zu verletzen. In unsere Ausbildung fließen Elemente verschiedener kampfsportarten mit ein.

Der Kampfsport ist ein wichtiger Ausgleich zum stressigen Schichtdienst.

Wie kam es dazu, dass du zusätzlich mit Krav Maga begonnen hast?

Mein Kollege und ich waren nachts in unserem Revier im Einsatz. Wir erhielten per Funk die Info, dass sich in der Nähe 2 Gestalten an einer Tür zu schaffen machten. Wir fuhren hin und fanden keine Einbrecher, sondern eine versuchte Vergewaltigung vor. Als wir den mit einem Messer bewaffneten Täter von seinem Opfer wegrissen, ging dieser zum Angriff über. Obwohl wir zu zweit waren, konnten wir ihn kaum überwältigen, er war wie in Rage. Zeitweise fürchtete ich um unser und um das Leben der Frau, die den ganzen Kampf über an der Hauswand kauerte. Als wir ihn in den Streifenwagen brachten, trat er so heftig von innen an die Tür, dass sie sich nicht mehr öffnen ließ. Später stellte sich heraus, dass er nicht nur militärisch ausgebildet war, sondern auch zum Zeitpunkt der Festnahme unter Alkohol- und Betäubungsmitteleinfluss stand. In so einer Ausnahmesituation helfen keine Deeskalationsstrategien. Dieses Erlebnis hat mich noch weiter sensibilisiert, dass es von einer auf die nächste Sekunde um Leben und Tod gehen kann. Ich wollte ab da noch besser für den Fall der Fälle vorbereitet sein. Allerdings hoffe ich natürlich, dass ich nie wieder in so eine Situation gerate.

>>>Lies Michaels ganze Geschichte zum Einsatz

Gab es seitdem Situationen, in denen du doch Krav Maga anwenden musstest?

Ja, leider diverse Male. Aber durch den Sport wird man ausgeglichener und stressresistenter, natürlich gibt er dir auch Sicherheit. Denn du weißt, dass du dich effizient zur Wehr setzen kannst, sollte es dazu kommen. Aber mit korrektem, bestimmtem Auftreten lassen sich definitiv die meisten Kämpfe im Vorfeld vermeiden – und ein vermiedener Kampf ist ganz klar ein gewonnener Kampf. Man muss nicht auf jede Provokation massiv reagieren – das wäre verantwortungslos! Deshalb sage ich immer, "was kümmert es eine Eiche, wenn sich eine Sau an ihr scheuert?"

Michael schreibt über den Polizeiberuf und war spielte auch schon in Fernsehproduktionen mit.

Was hält die Zukunft für dich bereit?

Hoffentlich bleibe ich noch lange fit und kann den Job, den ich liebe, noch lange ausüben kann. Immerhin wollte ich schon als Kind die "Guten beschützen und die Bösen jagen". Ansonsten werde ich weiter nach neuen Herausforderungen suchen und versuchen, mich weiterzuentwickeln.

Auch unsere Partnerseiten Women's Health und Runner's World präsentieren im Rahmen unserer Aktion "Sportsfreunde 2018" Menschen und ihre bewegenden Geschichten. Lass dich jetzt von ihnen motivieren und inspirieren!

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